Tuntono Christiaan Allianz GI

Allianz GI : Weniger Wachstum, mehr Inflation, weitere Zinserhöhungen

Allianz GI : Die Zahlen der vergangenen Woche unterstreichen die extrem stabile Lage am Arbeitsmarkt in den USA.

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Von Dr. Christiaan Tuntono Senior Economist, Asia PacificClients


Auffällig dabei ist, dass die Kerninflation bei Waren trotz erster Anzeichen einer Entspannung der Lieferkettenstörungen und einer Verlagerung der Nachfrage hin zu Dienstleistungen zugenommen hat. Bei einer anhaltend erhöhten Gesamtinflation wächst die Gefahr, dass sich die steigenden Kosten zunehmend auf die Verbraucherpreise durchschlagen, was wiederum die Wahrscheinlichkeit einer Anhebung der Inflationsprognose der USNotenbank Federal Reserve (Fed) zum Jahresende und einer schneller als erwarteten Straffung der Geldpolitik verstärkt.

Denn hinter den Inflationszahlen steht jene Geldpolitik, die neben den Befürchtungen einer Stagflation vermutlich der Hauptgrund dafür ist, dass sich die Kapitalmärkte zurzeit in einer äußerst angespannten Phase befinden. Anziehende Preise, die sich vermehrt zu Zweitrundeneffekten verdichten (Stichwort: „Lohn-Preis-Spirale“), zwingen die Notenbanken zum Umsteuern, so auch die Federal Reserve Bank, die in der vergangenen Woche wiederholt eine Abkehr von ihrem langjährigen expansiven Kurs bestätigte. Damit geht sie konsequenter vor als die Europäische Zentralbank (EZB), die nur sehr zaghaft agiert. Insgesamt zeigt sich aber deutlich, dass die Liquidität, die bisher die Märkte beflügelt hatte, ihnen nun entzogen wird. Gleichzeitig bleiben die Unsicherheiten hinsichtlich der Konjunktur und der Geldpolitik weiterhin auf hohem Niveau, was ebenfalls für einen anhaltenden Anstieg der Volatilität spricht.

Die Woche voraus

Die in der kommenden Woche anstehenden Datenmeldungen dürften uns weitere Einblicke in die globale Konjunkturlage geben.

Am Dienstag erwarten uns aus den USA die Zahlen zu den im Mai getätigten Verkäufen bestehender Häuser. Unter den Marktteilnehmern wird mit einem Rückgang gegenüber dem Vormonat gerechnet, was die zu erwartenden Auswirkungen steigender Hypothekenzinsen und die zunehmend restriktivere Haltung der Fed reflektiert. Am selben Tag wird auch der nationale Konjunkturindex der Chicago Fed für den Monat Mai veröffentlicht, der eine weitere Abkühlung der Wirtschaftstätigkeit signalisieren könnte.

Am Donnerstag stehen dann die Einkaufsmanagerindizes (PMI) für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor in der Eurozone, Deutschland und Frankreich für den Monat Juni an. Wir gehen davon aus, dass sich die europäische Konjunktur schwächer zeigen wird. Das dürfte aber die Europäische Zentralbank (EZB) in ihrem Kampf gegen die Inflation nicht daran hindern, die Zügel zu straffen. Für die USA erhalten wir ebenfalls die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor für Juni, die möglicherweise auf eine weitere Verlangsamung des Wachstums hindeuten könnten.

Den Abschluss der Woche bilden am Freitag die Veröffentlichung des Index der Verbraucherstimmung der University of Michigan sowie der Daten zu Verkäufen neuer Eigenheime in den USA. An den Märkten wird mit einer Stagnation der Verbraucherstimmung gerechnet; Inflationserwartungen bleiben erhöht. Nach einem unerwarteten Rückgang im letzten Monat hat der Markt eine Erholung bei den Verkaufszahlen neuer Wohnimmobilien in den USA im Mai bereits vorweggenommen.

Wir dürften in absehbarer Zeit eine Phase erleben, die von weniger Wachstum, mehr Inflation und weiteren Zinserhöhungen geprägt sein wird.

Wenigstens ist die Zeit der negativen Renditen endgültig vorbei. Doch während die nominalen Renditen an den großen Anleihemärkten hinter den Inflationsraten zurückbleiben, scheint die Stunde der negativen Realrenditen gekommen zu sein. Für Anleger, die zumindest die Kaufkraft ihrer Investitionen erhalten wollen, keine erfreuliche Ausgangslage.

Quelle: BondWorld.ch


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