Allianz GI : Nein, das ist keine sarkastische Überschrift über die Performance der Aktienmärkte, die in den letzten Tagen und Wochen immer wieder Kursverluste sahen.
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Von Dr. Hans-Jörg Naumer Director Global Capital Markets & Thematic Research
Es ist vielmehr eine Replik auf die viel diskutierte Geldpolitik und das inflationäre Umfeld. Weniger Inflation ist mehr Kaufkrafterhalt und damit wünschenswert. So ist eine weniger expansive Geldpolitik auch „mehr“ für die Kapitalanlage. Tatsächlich aber schütteln die Inflation und in ihrem Gefolge die Geldpolitik die Kapitalmärkte durch. Zinsanhebungen selbst sind unerwünscht. Doch sind diese wirklich schlecht? Nicht, wenn es darum geht, die Inflationserwartungen zu brechen und die üppige Liquidität zurückzufahren, welche die Preise an den Geld- und Kapitalmärkten verzerrt und zu Fehlinvestitionen führt. Die Inflation nährt die Inflation. Somit ist es richtig, dass vor allem die US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) und jetzt auch die Europäische Zentralbank (EZB) stärker an den Zinszügeln ziehen: Sie gehen vom „Quantitative Easing“ („QE“ – quantitative Lockerung) zum „Quantitative Tightening“ („QT“ – quantitative Straffung) über. In der Folge heißt das, sie verkaufen Staatsanleihen und verkürzen wieder ihre eigenen Bilanzen. Dabei sind die Zentralbanken, wie allen voran die Fed durch ihre Leitzinsanhebung von 75 Basispunkten belegt hat, längst schon Getriebene der Märkte. Jetzt müssen sie versuchen, wieder das Heft des Handelns in die Hand zu bekommen. Weniger Inflationsdruck ist mehr Kaufkrafterhalt. Das gilt auch für die Kapitalanlageseite, wie die dramatisch negativen Realrenditen bei den Staatsanleihen in weiten Teilen der Welt belegen.
Was allerdings auch gilt, ist: Weniger Inflation geht einher mit weniger Nachfrage, also schwächerem Wachstum. Während sich die Fed an einer sanften Landung („Soft Landing“) der Konjunktur versucht, ist eine harte Landung („Hard Landing“) mittlerweile deutlich wahrscheinlicher geworden – also ein Wachstum unterhalb des Potenzials.
Eine Rezession ist für die größte Ökonomie der Welt dabei nicht mehr auszuschließen. Die konjunkturelle Abkühlung nimmt auch gleichzeitig den Inflationsdruck und verschafft den Zentralbanken wieder freiere Hand. Auch hier gilt: Weniger ist mehr.
Quelle: BondWorld.ch
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