Allianz GI : Wie die vor kurzem veröffentlichten Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das erste Quartal 2023 (Q1 2023) belegen, hat sich die Erholung der chinesischen Wirtschaft als robust erwiesen.
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Von Christiaan Tuntono Senior Economist, Asia Pacific
Im Jahresvergleich stieg das BIP-Wachstum von 2,9% im Vorquartal (Q4 2022) auf 4,5% sogar kräftiger als erwartet an. Im sequentiellen Quartalsvergleich übertraf das Wirtschaftswachstum ebenfalls die Konsensschätzung mit einem Plus von 2,2% gegenüber 0,6% im Vorquartal.
Trotz der dynamischen Erholung der Gesamtwirtschaft geht aus einer sektoralen Aufteilung der BIP-Zahlen hervor, dass der Aufschwung überwiegend vom Dienstleistungssektor getragen wurde, der im Jahresvergleich von 2,3% im 4. Quartal 2022 auf 5,4% im Q1 2023 zulegte. Dagegen hat sich die Dynamik im ersten Quartal 2023 im verarbeitenden Gewerbe sowie im Primärsektor auf 3,3% (von 3,4% im Q4 2022) bzw. auf 3,7% (von 4,0% im Q4 2022) abgeschwächt (jeweils im Jahresvergleich). Diese uneinheitliche Entwicklung in den einzelnen Sektoren hat zu unterschiedlichen Markteinschätzungen über die Tragfähigkeit der aktuellen Erholung geführt.
Die mit den BIP-Zahlen für das erste Quartal 2023 gleichzeitig veröffentlichten Makrodaten für den Monat März ließen ähnliche Branchenunterschiede erkennen. Das nominale Wachstum im Einzelhandel war mit 10,6% höher als prognostiziert ausgefallen. Dagegen enttäuschte der Zuwachs im Jahresvergleich bei der Industrieproduktion (3,9%) und den Anlageinvestitionen (4,8%). Die Unterschiede in der Dynamik des Post-Corona-Aufschwungs sind darauf zurückzuführen, dass die soziale Mobilität während der Lockdowns deutlich eingeschränkt wurde, das verarbeitende Gewerbe sowie die Investitionen hingegen vergleichsweise weniger davon betroffen waren.
Was die weitere Entwicklung betrifft, dürften die Konsumausgaben in China auch künftig von der allgemeinen Konjunkturerholung, die mittleren und niedrigeren Einkommensgruppen zugutekommt, gestützt werden. Demgegenüber könnten das sich abflauende globale Wachstumsumfeld, der angeschlagene Immobiliensektor und die nachlassende Entwicklung bei den Staatsausgaben dem verarbeitenden Gewerbe und den Investitionstätigkeiten in China weiter zu schaffen machen.
Aufgrund der unerwartet positiven Wachstumszahlen im Q1 2023 besteht für das chinesische BIP-Wachstum für das Gesamtjahr 2023 durchaus Aufwärtspotenzial. Das Bruttoinlandsprodukt Chinas dürfte 2023 um die 5,5% oder höher zulegen und damit das offizielle Ziel der Regierung von „rund 5%“ erfüllen.
Die Woche voraus
Nach den durchaus erfreulichen Wachstumszahlen in China gilt es nunmehr im Auge zu behalten, wie sich die Konjunktur in anderen Regionen der Welt verhält, vor allem mit Blick auf die Inflations- und damit auch die BIPEntwicklung. In der kommenden Woche finden Sitzungen zweier der großen Notenbanken statt, von denen Zinsentscheidungen zu erwarten sind. Darüber hinaus werden auch die neuesten Umfragedaten aus China bekannt gegeben.
Den Auftakt bildet am Montag der vom Institute for Supply Management (ISM) berechnete Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes in den USA für April. Hier gehen die Konsensschätzungen von einem Anstieg auf 46,8 aus, nach 46,3 im März. Am Dienstag werden die im Monatsvergleich ermittelten Auftragseingänge der US-Industrie veröffentlicht. Marktteilnehmer rechnen mit einem Plus von 0,8% gegenüber dem Vormonat und damit mit einer Umkehrung des Rückgangs von 0,7% im Februar. Zudem stehen die Daten zur Verbraucherpreisinflation (VPI) und zur Kern-VPI im Euroraum an, die Aufschluss über den jüngsten Inflationsdruck in der EU geben werden.
Mittwoch und Donnerstag werden von Zinsentscheidungen in den USA und im Euroraum geprägt. Am Mittwoch tagt der Federal Open Market Committee (FOMC) der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Vom Markt wird erwartet, dass die Fed Funds Target Rate um weitere 25 Basispunkte angehoben wird. Zusätzlich zu der Zinsentscheidung in den USA wird auch der ISM-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor veröffentlicht, bei dem Marktteilnehmer mit einer Verbesserung auf 52 nach 51,2 im März rechnen. Ferner wird der Beschäftigungsbericht der Automatic Data Processing Inc. (ADP) veröffentlicht. Für diesen wird ein Anstieg der Beschäftigungszahlen um 140,000 erwartet, was einen leichten Rückgang gegenüber den 145,000 zusätzlichen Stellen im März bedeuten würde. Für den Donnerstag werden die Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) zum Hauptrefinanzierungssatz und zum Einlagenzins angekündigt, wobei eine weitere Erhöhung als wahrscheinlich gilt. Daneben wird der CaixinEinkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe in China für März vorgelegt, der Hinweise zur aktuellen Produktionsentwicklung im Land liefern wird.
Zum Abschluss der Woche am Freitag folgt in den USA die Beschäftigungszahlen außerhalb der Landwirtschaft, die Arbeitslosenquote und das durchschnittliche Wachstum der Stundenlöhne. Die Markterwartungen gehen von einem Anstieg der nicht-landwirtschaftlichen Stellen in April um 178,000 aus und damit einer Verlangsamung gegenüber dem Zuwachs von 236,000 im Vormonat. Bei der Arbeitslosenquote für den Monat April wird mit einem unveränderten Wert von 3,5% gerechnet, wobei das durchschnittliche Wachstum der Stundenlöhne wegen seiner Auswirkungen auf die Preisentwicklung besonders genau beobachtet wird. Hinzu kommen am gleichen Tag die Veröffentlichung der Einzelhandelsumsätze im Euroraum sowie für China der Caixin PMI für den Dienstleistungssektor und der Composite PMI.
Quelle: BondWorld.ch
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