– Fed dürfte Zinsen gegen Mitte Jahr erhöhen
– „Grexit-Szenario“ hat Schrecken verloren
– Fokus: Der Ölpreis macht den Unterschied……
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Raiffeisen
In letzter Zeit ist in den USA etwas Sand in das Getriebe des kräftigen Wirtschaftsaufschwungs geraten. Insbeson-dere seit Jahresbeginn fallen die meisten Konjunkturdaten unter den hohen Erwartungen aus. Diese Woche war dies wieder bei der Industrieproduktion und den Immobilien-daten der Fall. Die starke Aufwertung des USD wirkt bremsend, ähnlich wie eine Verschärfung der Geldpolitik. Insgesamt deuten die bisherigen Indikatoren für Q1 aber dennoch auf eine solide Dynamik hin. Sollten sich die Daten im Februar und März ähnlich entwickeln wie bisher, ist ein annualisiertes BIP-Wachstum von rund 2.5% zu erwarten, also immer noch über Potential. Nächste Wo-che dürften sich die Aufträge für langlebige Güter erholen und die anhaltend positive Wachstumsdynamik bestäti-gen. Im Moment steht aber vor allem die Inflation im Fokus. Nächste Woche dürfte die Jahresrate von 0.8% auf knapp Null sinken. Aufgrund der Trendwende beim Öl-preis sollte sie im weiteren Jahresverlauf aber wieder Rich-tung 2% steigen (siehe Seite 2). Eine ähnliche Dynamik zeigt unsere Projektion auch für die Kerninflation: Sie wird durch die robuste Konjunktur unterstützt und sollte in den kommenden Monaten nur moderat fallen. Alles in allem ist ein Zinsschritt im Juni daher weiter plausibel.
Wenn sich die Zinsdiskussion in den kommenden Wochen und Monaten intensiviert, dürften die Unsicherheiten an den Märkten zunehmen. Momentan ist die Marktvolatiliät aber nicht auf erhöhten Niveaus. Daran hat in den letzten Tagen auch das Thema Griechenland nichts geändert. Die Verhandlungen über eine Fortsetzung des Hilfsprogramms ziehen sich in die Länge. Es zeigt sich jedoch immer mehr, dass Griechenland nicht in einer vorteilhaften Verhand-lungsposition ist. Die griechischen Banken leiden unter Kapitalabflüssen und sind stark von Notkrediten abhängig, welche die griechische Notenbank zur Verfügung stellt. Ministerpräsident Tsipras ist es zudem nicht gelungen andere schuldengeplagte Krisenländer von seinem Kurs zu überzeugen. Schlussendlich setzt sich im Markt immer mehr die Ansicht durch, dass ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone („Grexit“) keine dramatischen Folgen für die europäischen Finanzmärkte und die Konjunktur haben dürfte. In den letzten Tagen ist es daher auch nicht zu Sichere-Hafen-Kapitalflüssen gekommen. In diesem Um-feld konnte sich EUR/CHF weiter erholen und stieg auf über 1.07. Unsere Dreimonatsprognose ist damit bereits erreicht. Im weiteren Jahresverlauf dürfte EUR/CHF weiter steigen und somit den Druck auf den Schweizer Export-und Tourismussektor nochmals mildern. Mit dem Anstieg des EUR/CHF hat sich auch die Situation bei den Zinsen wieder entspannt. Die Renditen für zehnjährigen Eidge-nossen notieren wieder knapp über Null.
Fokus: Der Ölpreis macht den Unterschied
Der Sturzflug beim Ölpreis wurde gestoppt. Die Ölsorte Brent hat sich seit Ende Januar um mehr als 20% auf über 60 USD/Fass verteuert. Die Trendumkehr basiert auf der Erwartung einer Verringerung des Überangebots im wei-teren Jahresverlauf – untermauert durch die deutlich ab-nehmende Anzahl aktiver Bohrlöcher und erste Insolven-zen von Fracking-Unternehmen in den USA.
Die Ölpreisentwicklung wird sich weltweit massgeblich auf den künftigen Verlauf der Inflationsraten auswirken. Die Energiepreise waren seit Mitte letzten Jahres der Trei-ber stark sinkender Konsumentenpreise. Auch in den kon-junkturell robusten USA sollten die kommende Woche anstehenden Januar-Inflationszahlen nochmals einen Fall der Gesamtjahresrate auf nahezu Null zeigen – im Ver-gleich zu noch über 2% vor nur einem halben Jahr. Damit wird jedoch der Tiefpunkt erreicht sein. Dies sollte bereits nächste Woche durch die ersten Februar-Preisdaten aus dem Euroraum bestätigt werden. Im gemeinsamen Wäh-rungsraum ist die Inflationsrate zu Jahresbeginn ölpreis-bedingt deutlich in den negativen Bereich gerutscht. Die jüngste Erholung bei den Energiepreisen kehrt den Effekt jedoch schnell um. In unserem Basisszenario eines weite-ren moderaten Ölpreisanstiegs auf 70 USD/Fass innerhalb der nächsten 12 Monate wird die Inflationsrate im Euro-raum kurzfristig zwar noch negativ bleiben, aber ab sofort auf einen Aufwärtstrend umschwenken. Bis Anfang 2016 würde die Jahresrate somit wieder Richtung 1.5% steigen. In den USA sogar über die 2%-Marke (siehe Grafik). Bei der Projektion gehen wir davon aus, dass die nachlaufen-den, indirekten preisdämpfenden Effekte des niedrigeren Rohstoffpreisniveaus die Kerninflation (Gesamtrate ohne Energie und Nahrungsmittel) in diesem Jahr nur leicht nach unten ziehen. Denn die verbesserte konjunkturelle Lage verringert den Druck für weitere Preisnachlässe. In der Eurozone bedeutet der schwache Euro-Wechselkurs zudem steigende Importpreise. Die Deflation dürfte also von kurzfristiger Natur bleiben.
Eine schneller als erwartete Erholung des Ölpreises würde die Trendumkehr bei den Konsumentenpreisen sogar nochmals beschleunigen. Im Szenario einer kräftiger wachsenden Weltwirtschaft zusammen mit einer stärke-ren Einschränkung der Ölförderung könnte sich der Öl-preis schnell wieder der 100 USD-Marke nähern. Dann würde die Inflationsrate im Euroraum auf Jahressicht die 2%-Marke überschreiten und in den USA sogar Richtung 4% marschieren. Der Effekt steigender Ölpreise fällt in den Vereinigten Staaten wegen des geringeren Steueran-teils bei den Endverbraucherpreisen für Energieprodukte stärker aus.
Die Schweiz fällt bei der Entwicklung der Konsumenten-preise ein wenig aus dem Rahmen. Grund dafür ist die Aufhebung des Mindestkurses und der darauf folgende Wechselkursschock. Zwar macht sich der höhere Ölpreis auch bei den Schweizer Energiepreisen bemerkbar. Tages-aktuelle CHF-Heizölpreise zeigen bereits wieder ein Niveau über dem vor der Freigabe des Wechselkurses. Damit sollten sich die Energiepreise im Februar ebenfalls nicht mehr negativer auf die Gesamtinflationsrate auswirken. Im Gegensatz dazu wird sich die Frankenaufwertung aber in zahlreichen anderen Preiskategorien bei den Februar-zahlen niederschlagen. Meldungen aus dem Detailhandel lassen aufgrund der plötzlichen, massiven Wechselkursan-passung im Vergleich zu früheren Aufwertungsperioden eine deutlich schnellere Transmission niedrigerer CHF-Importpreise erwarten. Die Trendumkehr bei der Schwei-zer Inflation wird sich damit etwas verzögern. Wir rechnen aber auch hier in der zweiten Jahreshälfte mit einer all-mählichen Rückkehr der Jahresrate Richtung Null (siehe Grafik).

Konsumentenpreise, in % ggü. Vorjahr
Quelle: EU-Kommission, Raiffeisen Research
Wieder steigende Inflationsraten sollten in den kommen-den Monaten übertriebene Deflationsängste abklingen lassen und sich grundsätzlich positiv auf die langfristigen Nominalzinsen auswirken. Dies gilt nicht nur für die USA, wo die Treasury-Renditen in den letzten Wochen bereits zugelegt haben, sondern trotz des im März beginnenden Staatsanleihenkaufprogramms abgeschwächt auch für die Eurozone. In der Schweiz stehen bis auf weiteres die Ne-gativzinsen der SNB einem stärkeren Zinsanstieg am lan-gen Ende entgegen.
Source: BONDWorld.ch
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