24.04 : „Große Themen, große Erwartungen“

Getrieben von der ultra-lockeren Geldpolitik bewegen sich die Aktienmärkte dies- und jenseits des Atlantiks zwar weiterhin nahe ihrer Allzeithochs. Aufgeflammte Sorgen rund um Griechenland und Konjunktursorgen in den USA sorgten zuletzt allerdings für Stimmungsdämpfer……


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Ann-Katrin Petersen Assistant Vice President, Global Capital Markets & Thematic Research


Insgesamt gilt, dass die großen „G“ auch das zweite Quartal an den Weltbörsen prägen: Geldpolitik, (Geo-)Politik, Gewinnberichtssaison und globale Konjunkturperspektiven.

Geldpolitik

In der kommenden Börsenwoche richtet sich die Aufmerksamkeit der Anleger auf die Sitzungen der Bank of Japan (Do) und US-Notenbank Fed (Mi). Trotz des holprigen Jahresauftaktes der US-Konjunktur ist nach wie vor mit einer US-Leitzinswende in der zweiten Jahreshälfte zu rechnen. Im Fokus der EZB-Beobachter wiederum dürften das Wachstum der Geldmenge M3 im März (Mi) – im Februar hatte sich die Jahresrate weiter an den EZB-Referenzwert von 4,5% angenähert – sowie vorläufige Verbraucherpreisdaten für April (Do) stehen. Auf ihrer jüngsten Sitzung hatte sich die EZB zufrieden mit dem Auftakt des öffentlichen Anleihekaufprogramms (PSPP) gezeigt. Die Erwartungen an dessen realwirtschaftliche Wirkung sind groß, während die EZB bislang keine Umsetzungsprobleme antizipiert. Dagegen ließ der Rutsch des 3-Monats-Euribor in Negativterrain bei Investoren die Sorge um mögliche Negativkupons, etwa bei daran gekoppelten variabel verzinslichen Anleihen, aufsteigen. Dass die 10-jährigen Bundrenditen ins Negative abtauchen, scheint sich unterdessen eher zu einer Frage des „wann“ statt des „ob“ zu entwickeln. Wie unser QE Monitor signalisiert, könnte sich in Zukunft zumindest für die Bundesbank das ankaufbare Anleiheangebot oberhalb des EZB-Einlagesatzes erschöpfen (siehe auch Grafik der Woche).

Verglichen mit den Vorwochen reagierten die Anleihemärkte zuletzt sensibler auf Nachrichten aus Griechenland. Denn eine Verhandlungs-lösung ist nicht mehr auf dem heutigen Treffen der Eurogruppe, sondern wohl frühestens im Umfeld der nächsten Sitzung am 11. Mai zu erwarten. Mittlerweile stehen auch ein Referendum oder Neuwahlen in Athen als Szenario im Raum.

Stichwort öffentliche Verschuldung: Trotz der Fortschritte beim Defizitabbau im Jahr 2014 (2,4% des BIP, von 2,9% im Jahr 2013) hat sich die Staatsschuldenquote der Eurozone weiter erhöht (von 90,9% in 2013 auf 91,9%) und lässt keinen Spielraum für politische Selbst-gefälligkeit. Wenig überraschend weist Griechenland den gemessen an der Wirtschaftsleistung größten Schuldenberg auf (177,1%).

Unsere Erwartung: Diese beiden Themen sollten auch im zweiten Halbjahr den Takt an den Weltbörsen bestimmen. Spannend bleibt, ob sich ein drittes „G“ – in Form einer verbesserten Gewinnsituation – dazugesellt.

Gewinnberichtssaison zum ersten Quartal

Über 160 Unternehmen aus dem S&P 500 legen in der kommenden Handelswoche ihr Zahlenwerk auf den Tisch. Nachdem die US-Berichtssaison zuletzt durch positive Überraschungen aus dem Finanzsektor gekennzeichnet war, könnte sie nun stärker im Zeichen des Belastungsfaktors Dollarstärke stehen. Übrigens verliert die Aufwärtsbewegung des Greenback gegenüber den Hauptwährungen allmählich an Kraft. Dennoch: Die US-Börse ist aus technischer Perspektive derzeit am stärksten korrekturanfällig.

Auch an der Tokioter Börse richtet sich der Fokus auf die neuen Quartalszahlen, nachdem der Nikkei zu Wochenbeginn angesichts positiver Exportdaten erstmals seit dem Jahr 2000 über der Marke von 20.000 Punkten schloss. Der Aufwärtstrend bei den Gewinnrevisionen hat sich zwar abgeschwächt – japanische Konzerne werden jedoch solide Fundamentaldaten vorweisen können.

Unternehmen aus dem Euroraum dürften ebenfalls zuversichtlich berichten. Ein Durchbruch bei der Gewinnentwicklung ist allerdings erst in den kommenden Monaten zu erwarten, denn die Abwertung des handelsgewichteten Euro und der Ölpreisverfall hatten erst Mitte 2014 eingesetzt.

Globale Konjunkturperspektiven

Und wann schaltet Weltkonjunktur einen Gang höher? Die ersten Schätzungen für das BIP im ersten Quartal dürften den USA (Mi) einen schwachen und Großbritannien (Di) sowie einzelnen Euro-Mitgliedsländern (Do) einen soliden Jahresauftakt bestätigen. Interessant: Im Hinblick auf die Konjunkturdynamik ergibt sich für die USA und den Euroraum derzeit ein zur Geldpolitik spiegelverkehrtes Bild. Im zweiten Quartal dürfte jedoch eine zyklischen Erholung der US-Konjunktur folgen. Von Interesse für die Fed wird daher vielmehr sein, ob der bisher gedämpfte US-Konsum anspringt – Hinweise hierauf geben der Index des Verbrauchervertrauens (Di), persönliche Ausgaben und Einkommen (Do) und der KfZ-Absatz (Fr).

In Japan wiederum sollten Industrieproduktionsdaten (Do) und der halbjährliche Wirtschaftsbericht der Bank of Japan (Do) das Szenario einer (schleppenden) Konjunkturerholung untermauern, wenngleich deren angestrebte Inflationsrate von 2% mit einem großem Fragezeichen behaftet bleibt. Den Wochenabschluss bildet die Stimmung der chinesischen Einkaufsmanager (Di), die wenig Hoffnung auf eine kurzfristige Wachstumsbeschleunigung machen dürfte. Weitere Stimuli seitens der chinesischen Regierung und Notenbank sind daher zu erwarten.

Quelle: BondWorld.ch


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