Natixis IM : Womit rechnen professionelle Fondsselektoren im 2023?
Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter
Timo H. Paul, Managing Director und Leiter deutschsprachige Schweiz bei Natixis IM
Umfrage unter Fondsselektoren – optimistische Renditeerwartungen trotz Krise
▪ Zwei Drittel rechnen mit langfristigen Anlagerenditen von über 8 Prozent
▪ Anleihen werden wieder attraktiv und es wird eine höhere Allokation in Private Assets erwartet
▪ Passive Strategien spielen untergeordnete Rolle
Professionelle Fondsselektoren erwarten ein schwieriges Jahr an den Anlagemärkten, machen allerdings kaum Abstriche bei ihren langfristigen Renditeer- wartungen. Dies ist die zentrale Erkenntnis einer aktuellen Studie des französischen Vermögensverwalters Natixis Investment Managers (Natixis IM). Ende des vergangenen Jahres wurden dazu weltweit 441 Experten befragt, die etwa bei Banken, Family Offices oder Finanzagenturen für die Auswahl von Investmentstrategien verantwortlich sind. Weltweit verantworten diese Fondsselektoren ein Investmentvermögen von über 30 Billionen US–Dollar.
Die Lage an den Real– und Finanzmärkten bleibt ernst. Eine klare Mehrheit der Befragten (53%) sieht die Inflation auch in diesem Jahr auf einem viel zu hohen Niveau. 60 Prozent rechnen mit einer Rezession. Vor allem den Zentralbanken kommt in diesem Umfeld eine wichtige Rolle zu. 52 Prozent sehen in einer falschen Zentralbankpolitik das grösste Risiko für die Konjunktur. Weitere zentrale Gefahren ergeben sich aus dem Krieg in der Ukraine (49%) sowie aus den angespannten
Beziehungen zwischen den USA und China (48%).
Trotz der schwierigen Situation bleiben Fondsselektoren optimistisch, was die Renditeerwartungen für ihre Kundenportfolios angeht. 73 Prozent gaben an, ihre langfristigen, durchschnittlichen Renditeziele von 8,8 Prozent p.a. beibehalten oder sogar erhöhen zu wollen. Mit 10,2 Prozent sind die langfristigen Renditeerwartungen der asiatischen Fondsselektoren besonders hoch. In Lateinamerika fallen sie mit 8,1 Prozent am geringsten aus.
Anpassung der Asset–Allokation
Die veränderten Verhältnisse an den Finanz– und Kapitalmärkten veranlassen die Fondsselektoren zu Anpassungen bei der Zusammensetzung ihrer Portfolios. Deutlich wird dies vor allem im Fixed Income–Bereich. Drei Viertel glauben, dass der zu beobachtende Zinsanstieg zu einem Wiederaufleben traditioneller festverzinslicher Anlagen führen wird. 51 Prozent gaben an, ihre Investments in Staatsanleihen erhöhen zu wollen. Weitere 46 Prozent berichteten, dass sie ihre Allokation in Investment
Grade–Unternehmensanleihen ausbauen werden.
Aktien spielen für viele Fondsselektoren weiterhin eine herausgehobene Rolle, zumal 65 Prozent von ihnen der Meinung sind, dass die gegenwärtigen Kurse die Fundamentaldaten mancher Unternehmen nicht richtig widerspiegeln. Sechs von zehn Befragten sind daher optimistisch, in diesem Jahr von den Marktverwerfungen profitieren zu können. Eine grosse Mehrheit (63%) gibt dabei Large Caps den Vorzug vor Small Caps. 64 Prozent sind der Auffassung, dass die Aktienmärkte der entwickelten Länder in diesem Jahr vor denen der Emerging Markets liegen werden.
Professionelle Fondsselektoren planen auch den fortgesetzten Einsatz von Alternativen Anlageklassen. Fast sechs von zehn gaben an, dass sie eine höhere Allokation in alternative Anlagen empfehlen. Innerhalb der alternativen Anlagen wollen die Befragten am ehesten ihre Investments in Infrastruktur erhöhen (48%), gefolgt von Private Equity (43%), Absolute–Return (32%) und Private Debt (31%).
Aktives Management in Krisenzeiten überlegen
In Erwartung einer Rezession und turbulenter Märkte sind 80 Prozent der Fondsselektoren der Auffassung, dass aktives Management notwendig sei, um die erforderlichen Mehrrenditen zu erreichen. Nachdem 56 Prozent der Befragten angaben, dass aktive Strategien die passiven Anlagen auf ihrer Plattform in 2022 übertrafen, glauben für 2023 sogar 71 Prozent der Selektoren daran, mit aktivem Management einen Vorteil erzielen zu können. Sechs von zehn gehen so weit zu sagen, dass sie die Anzahl der aktiven Fonds auf ihrer Plattform in diesem Jahr erhöhen werden. Viele Fondsselektoren (54%) gehen zudem davon aus, dass eine Rezession die Nachteile passiver Anlagen aufdecken wird.
Mehr als die Hälfte (55%) befürchtet, dass grosse Zu– und Abflüsse bei passiven Anlagen die bereits hohe Marktvolatilität noch verstärken. Ebenso viele befürchten, dass passive Anlagen das relative Risiko–Ertrags–Verhältnis verzerren. Weitere 65% sehen sogar noch grössere Probleme und befürchten, dass die Beliebtheit passiver Anlagen das systemische Risiko erhöht.
Regulatorische Änderungen unterstützen ESG–Wachstum
Nach Auffassung der Fondsselektoren wird das Wachstum von ESG–Anlagen in diesem Jahr weiter anhalten. 61 Prozent gaben an, ihre entsprechende Allokation zu erhöhen. In der EMEA–Region, wo MIFID III alle Finanzberater dazu verpflichtet, nachhaltige Anlagen mit den Kunden zu besprechen, sind es sogar 74 Prozent. Auch die Integration von nachhaltig gemanagten Private Markets–Investments steht auf der Tagesordnung, wobei 30 Prozent angaben, hier vor allem auf das Thema Impact Investing setzen zu wollen. Insgesamt rechnen die Fondsselektoren damit, dass der verstärkte Regulierungs- druck das Wachstum von ESG–Anlagen weltweit befördern dürfte.
Quelle: AdvisorWorld.ch
Newsletter




