SNB muss nicht zwingend nachziehen…
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Raiffeisen : Economic Research Wochenausblick
Die Europäische Zentralbank hat am Donnerstag ihre Geldpolitik weiter gelockert, um den gestiegenen Risiken eines zu niedrigen Inflationstrends zu begegnen. Das neue Massnahmenpaket lag vom Ausmass diesmal im Gegensatz zum Dezember über den Erwartungen. Folgendes wurde beschlossen: Der Hauptrefinanzierungssatz wurde von 0.05% auf 0.00%, und der Einlagenzins für Banken von -0.3% auf -0.4% gesenkt. Das Anleihenkaufprogramm wird um monatlich 20 Mrd. auf 80 Mrd. EUR ausgeweitet. Dabei dürfen neu auch Unternehmensanleihen von Nicht-Banken mit guter Bonität gekauft werden. Und es wird neue gezielte Langfristrefinanzierungsgeschäfte geben. Dabei können die Banken Geld für 4 Jahre von der EZB ausleihen und erhalten ab einem gewissen Volumen dabei sogar einen Negativzins, quasi als Kompensation für die negative Einlagenverzinsung. Dies mildert den Druck, den Negativzins an Kunden weiter zu geben. Die EZB sieht derzeit keinen Bedarf weiterer Zinssenkungen, bleibt aber geneigt weitere Massnahmen zu ergreifen.
Nächsten Donnerstag hält dann die SNB ihre vierteljährliche Sitzung ab. Ende letzten Jahres hat sich der Druck auf den Franken im Zuge der weiteren Lockerung der EZB nicht erhöht und die SNB musste keine weiteren Massnahmen ergreifen. EUR/CHF bleibt aktuell nahe der Marke von 1.10, auch nach dem EZB-Entscheid. Und mit -0.75% ist der Negativzins der SNB bereits sehr tief. Entsprechend sehen wir für die SNB keinen zwingenden Handlungsbedarf. Direktoriumsmitglied Andréa Maechler hat diese Woche jedoch betont, dass die Risiken seit Dezember zugenommen haben. Und der Anstieg der Sichteinlagen der Banken bei der SNB in den letzten Wochen deutet auf Devisenmarktinterventionen. Damit ist eine Anpassung des Negativzins-Regimes trotzdem nicht ganz auszuschliessen. Zuletzt wurde eine Absenkung der hohen Freigrenzen beim Negativzins vermehrt diskutiert. Mit dieser Massnahme könnte die SNB den Schritt auf -1.0% vermeiden, aber gleichzeitig die effektive Negativzinsbelastung erhöhen und somit CHF-Anlagen bei Bedarf unattraktiver machen.
Die neuen EZB-Prognosen für Wachstum und Inflation wurden wie erwartet nach unten korrigiert. Nach der Korrektur bei den Unternehmensstimmungsumfragen letzte Woche, fielen die jüngsten Konjunkturdaten für die Eurozone allerdings erfreulicher aus. Die Detailhandelsumsätze bestätigten, dass der private Konsum zum Jahreswechsel ein verlässlicher Wachstumspfeiler für die Eurozone geblieben ist. Nächste Woche steht die Industrieproduktion für Januar an. Die nationalen Zahlen aus Deutschland zeigten diese Woche eine starke Erholung, nach einem schwachen Schlussquartal 2015.
In den USA fiel die Industriedynamik Ende des abgelaufenen Jahres ebenfalls schwach aus. Der erneut starke Arbeitsmarktbericht vom letzten Freitag, sowie die Stabilisierung des Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe (ISM), haben aber die Rezessionserwartungen für die US-Wirtschaft wieder verringert. Anhaltend niedrige Inflationserwartungen und erhöhte Risikoprämien am Kapitalmarkt sprechen jedoch derzeit gegen eine Fortsetzung der im Dezember eingeläuteten Zinsnormalisierung. Die Fed sollte bei ihrer Sitzung nächste Woche noch keinen zweiten Zinsschritt wagen. Vor dem FedZinsentscheid am Mittwoch stehen noch Zahlen zu den Detailhandelsumsätzen, der Industrieproduktion und den Konsumentenpreisen an. Der Ölpreiszerfall wirkt weiter stark dämpfend auf die Inflationsrate, welche für Februar wieder niedriger bei rund 1.0% erwartet wird. Die Kerninflationsrate liegt in den USA hingegen bereits über 2.0%. Fed-Vize Stanley Fisher sieht deshalb die Erreichung des Inflationsziels nicht mehr so weit entfernt – vorausgesetzt der Ölpreis stabilisiert sich und die US-Konjunktur bleibt in der Spur. Damit sollte sich die Fed nächste Woche für die nachfolgenden Sitzungen weiterhin alle Optionen offen halten.
In der Schweiz bleibt die Teuerung hingegen weiter klar im negativen Bereich. Die Jahresrate ist aber im Februar deutlich von -1.3% auf -0.8% angestiegen. Der Effekt des Wechselkursschocks beginnt auszulaufen. Nur in wenigen Fällen zeigte der Preistrend zuletzt weiter nach unten. Darunter befinden sich die Preise im Beherbergungsgewerbe. Die BIP-Zahlen für 2015 haben gezeigt, dass die Tourismusbranche mit am stärksten unter dem starken Franken leidet. Der Druck die Preise zu senken hält an. Dies wurde diese Woche durch die schwachen Übernachtungszahlen untermauert. Stark beeinträchtigt durch den Wechselkurs und zusätzlich das milde Winterwetter lagen die Logiernächte in der Schweiz im Januar um hohe 6.8% unter dem Vorjahresniveau
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