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Vanguard: 2024 wird die restriktive Geldpolitik spürbar werden

Vanguard : Da die Inflation sinkt und die Gegenkräfte nachlassen, dürfte die Geldpolitik ihre real restritive Wirkung entfalten und die Wirtschaft in eine milde Rezession rutschen – die notwendig ist, um die Inflation endgültig auf das Zielniveau der Zentralbanken zu drücken.

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Vanguard:  Wirtschafts- und Marktausblicks 2024


Joe Davis, Vanguard Global Chief Economist and Global Head of the Investment Strategy Group


Allerdings sehen wir mehrere Risiken für unser Szenario: Eine „weiche Landung“, bei der die Inflation ohne Rezession auf das Zielniveau sinkt, ist weiterhin ebenso möglich wie eine spätere Rezession. Wegen anhaltend restriktiver Geld- und Haushaltspolitik erwarten wir in Europa schwaches Wachstum; in China rechnen wir dagegen mit weiteren Impulsen, um die Wirtschaft trotz wachsender externer und struktureller Probleme anzukurbeln

„Kurzfristig halten wir weitere Volatilität für möglich, aus Sicht langfristiger Anlegerinnen und Anleger sind die höheren Zinsen jedoch die beste wirtschafts- und finanzpolitische Entwicklung der letzten 20 Jahre.“

Nullzinsen waren einma

Eine Rezession schwächt die Nachfrage nach Arbeitskräften und das Lohnwachstum – und ist daher wohl eine notwendige Voraussetzung für die Eindämmung der Inflation. Erste Zinssenkungen erwarten wir in der zweiten Jahreshälfte 2024, wenn die Zentralbanken mehr Vertrauen in die Inflationsentwicklung haben

Allerdings dürften sich die Leitzinsen auf einem höheren Niveau einpendeln als nach der globalen Finanzkrise oder während der Covid-Pandemie. Höhere Zinsen werden uns daher voraussichtlich nicht über Monate, sondern Jahre begleiten – eine strukturelle Veränderung, die über den nächsten Konjunkturzyklus hinaus Bestand haben wird und aus unserer Sicht die wichtigste finanzpolitische Entwicklung seit der Finanzkrise darstellt.

Die Vanguard Wirtschaftsprognosen 2024

BIP-WachstumArbeitslosenquoteKerninflationZinsen
Land/RegionVanguardKonsensTrendVanguardKonsensNAIRUVanguardKonsensJahrensende 2023Jahrensende 2024Neutraler Zinssatz
USA0,5%0,8%1,8%4,8%4,4%3,5%–4%2,5%2,5%5,5%–5,75%4%–4,5%3%–3,5%
Eurozone0,5%–1%0,8%1,2%7%–7,5%6,8%6,5%–7%2.1%2.,5%4%3,25%2%–2,5%
UK0,5%–1%0.,4%1%4,5%–5%4,8%3,5%–4%2.8%N/A5,25%4,25%3%–3,5%
China4,5%–5%4,5%4,1%4,8%5%5%1%–1,5%N/A2,3%–2,4%2,2%4,5%–5%

Anmerkungen: Prognosen per 14. November 2023. Für die USA ist das BIP-Wachstum definiert als die Veränderung des BIP im vierten Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal, für alle anderen Länder und Regionen als die jährliche Veränderung der Gesamtwirtschaftsleistung im Prognosejahr gegenüber dem Vorjahr. Die Prognosen für die Arbeitslosigkeit entsprechen dem Durchschnitt für das vierte Quartal 2024. NAIRU (Non-Accelerating Inflation Rate of Unemployment) ist die inflationsneutrale Arbeitslosenquote, eine Kennzahl für das Gleichgewicht des Arbeitsmarktes. Die Kerninflation schließt die volatilen Lebensmittel- und Energiepreise aus. Für die USA, die Eurozone und das Vereinigte Königreich ist die Kerninflation definiert als die Veränderung im vierten Quartal gegenüber dem Vorjahr, für China als die durchschnittliche jährliche Veränderung gegenüber dem Vorjahr. Für die USA basiert die Kerninflation auf dem Kernindex der persönlichen Verbrauchsausgaben, für alle anderen Länder/Regionen auf dem Kernverbraucherpreisindex. Der neutrale Zinssatz ist der Gleichgewichtszinssatz, der weder die Wirtschaft noch die Finanzmärkte stimuliert oder bremst.

Quelle: Vanguard.

Anleihemark

Kurzfristig halten wir weitere Volatilität für möglich, aus Sicht langfristiger Anlegerinnen und Anleger sind die höheren Zinsen gleichwohl die beste wirtschafts- und finanzpolitische Entwicklung der letzten 20 Jahre. Wir haben unsere Renditeprognosen für die Anleihemärkte deutlich angehoben und gehen nun davon aus, dass Euroraum-Anleihen in den nächsten zehn Jahren eine nominale jährliche Rendite von 2,9 bis 3,9% abwerfen werden; vor Beginn der Zinserhöhungen hatten wir lediglich mit einer jährlichen Rendite von -0,5 bis 0,5% gerechnet. Für währungsgesicherte globale Anleihen, die außerhalb des Euroraums begeben wurden, erwarten wir in den nächsten zehn Jahren annualisierte Renditen von 2,8 bis 3,8%; als die Zinsen nahe oder unter der 0%-Marke lagen, hatten wir für die Assetklasse ebenfalls lediglich -0,5 bis 0,5% prognostiziert.

Bei diesem Zinsniveau sollte die Ertragskomponente der Anleiherenditen, Wiederanlage vorausgesetzt, die Kapitalverluste der vergangenen zwei Jahre letztlich mehr als ausgleichen, zum Ende des Jahrzehnts dürfte ein Anleiheportfolio daher mehr wert sein als in einem Alternativszenario ohne Zinserhöhungen

Auch ein 60/40-Portfolio1 ist jetzt attraktiver als noch vor wenigen Jahren: Für langfristig orientierte Anlegerinnen und Anleger mit Mischportfolios ist die Wahrscheinlichkeit einer jährlichen Rendite von mindestens 5% in den kommenden zehn Jahren deutlich von annähernd 0% im Jahr 2021 auf heute 44% gestiegen.

Aktienmarkt

Höhere Zinsen drücken die globalen Aktienbewertungen, wegen höherer (Re-)Finanzierungskosten sinken gleichzeitig die Gewinnmargen der Unternehmen. Besonders teuer bewertet sind US-Aktien, weshalb wir unsere 10-Jahres-Renditeprognosen für die Assetklasse für Anlegerinnen und Anleger aus dem Euroraum von 3,1 bis 5,1% pro Jahr auf 2,4 bis 4,4% ab 2023 gesenkt haben. US-Value-Aktien sind so günstig bewertet wie zuletzt Ende 2021, und auch Small-Cap-Aktien erscheinen langfristig attraktiv.

Der US-Aktienmarkt hat andere Märkte auch in den letzten zwei Jahren abgehängt, was vor allem an steigenden Bewertungen und der Stärke des US-Dollars lag; beide liegen inzwischen über unseren Fair-Value-Schätzungen, in beiden Fällen erwarten wir eine Trendumkehr. Tatsächlich deuten die Prognosen des Vanguard Capital Markets Model® (VCMM) darauf hin, dass andere Aktienmärkte mehr Potenzial bieten könnten: Für die Aktienmärkte der Industrieländer ohne die USA erwarten wir in den kommenden zehn Jahren annualisierte Renditen von 5,0 bis 7,0%, für Aktien aus dem Euroraum 4,3 bis 6,3% und für Schwellenländeraktien 4,6 bis 6,6% (jeweils für Anlegerinnen und Anleger aus dem Euroraum).

Die Rückkehr zu solider Geldpolitik

Für private Haushalte und Unternehmen erschweren höhere Zinsen die Kreditaufnahme, erhöhen die Kapitalkosten und machen Sparen attraktiver, für Regierungen werden höhere Zinsen eher früher als später eine Neubewertung der öffentlichen Haushalte notwendig machen.

Für Anlegerinnen und Anleger mit gut diversifizierten Portfolios sind dauerhaft höhere Zinsen jedoch eine willkommene Entwicklung, schliesslich bilden sie eine solide Grundlage für langfristige risikobereinigte Erträge. Der Übergang in ein Hochzinsumfeld ist allerdings noch nicht abgeschlossen, kurzfristig rechnen wir daher mit anhaltend hoher Volatilität an den Finanzmärkten.

Quelle: AdvisorWorld


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