Wer nicht ortsansässig ist, glaubt häufig, dass in Südkalifornien das ganze Jahr über gutes Wetter herrsche……
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von Greg Meier US Investment Strategist, Vice President
Das stimmt auch – weitge-hend. In San Diego, wo ich lebe und arbeite, scheint die Sonne im Durchschnitt an 263 Tagen im Jahr, und die Niederschlagsmenge beläuft sich auf insgesamt 300 mm. Das ist nicht schlecht. Aber der Teufel steckt – wie immer – im Detail: Typischerweise ziehen zur Mitte des Frühjahrs dicke Wolken vom Pazifik heran, die Sonne verschwindet und der Himmel zieht sich zu. Touristen, die auf Strand-wetter hoffen, sind da schon einmal enttäuscht. Wir bezeichnen diese Wetterlage als „May Gray“ und „June Gloom“.
Die Anleger müssen sich derzeit mit der Frage befassen, ob die Volatilität an den Märkten auch beim Übergang vom Mai in den Juni anhält. Die Vorhersage ist unsicher – nicht zuletzt, weil wichtige Ereignisse anstehen. Bei ihren geldpolitischen Sitzungen könnten die Europäische Zentralbank und die Bank of Japan neue Impulse für die Weltwirtschaft beschließen. Derweil wird der Offenmarktausschuss (Federal Open Market Committee) in den USA am 15. Juni eventuell eine weitere Zinserhöhung vornehmen, so dass die Geldpolitik welt-weit weniger akkommodierend wäre. Zusätzlich verkompliziert wird die Lage dadurch, dass die britischen Wähler am 23. Juni darüber abstimmen, ob ihr Land in der Europäischen Union bleiben soll oder nicht (das so genannte „Brexit“-Referendum). Angesichts dieser nahenden Entscheidungen könnten die Daten mit besonderer Auf-merksamkeit verfolgt werden.
Am Montag stehen zahlreiche vorläufige Einkaufsmanagerindizes aus vielen verschiedenen Ländern an. Im Euroraum stellen sich die Anleger vor allem die Frage, ob die Einkaufsmanagerindizes – die auf breitere, zugrundeliegende Trends in der Wirtschaft verweisen – weiter sinken. In Japan, wo die Stimmung der Einkaufsmanager zuletzt auf eine Kontraktion hindeutete, werden die Anleger erfahren, ob die im bisherigen Jahresverlauf zu verzeichnende Yen-Aufwertung die Exporte des Landes weiterhin dämpft.
Am Dienstag und Mittwoch werden Deutschland und die USA im Rampenlicht stehen. In Deutschland wird die Zusammensetzung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im ersten Quartal veröffentlicht. Vorläufi-gen Schätzungen zufolge wurde das stärkste Wachstum seit Anfang 2014 verzeichnet. Die Umfragen zum deutschen Verbrauchervertrau-en (GfK), zum Geschäftsklima (Ifo) und den Konjunkturerwartungen (ZEW) und sind zwar noch beeindruckend, könnten aber auf eine Wachstumsverlangsamung im April und Mai hindeuten. In den USA werden Zahlen zu den Verkäufen von Neubauten und zu den wö-chentlichen Anträgen auf Hypothekenkredite veröffentlicht; beide Konjunkturbarometer sollten durch den jüngsten Rückgang der Hypothekenzinsen in den USA gestützt werden.
Am Donnerstag wiederum stehen zunächst zahlreiche weniger marktbewegende Wirtschaftsdaten an, z.B. die Einzelhandelsumsätze in Italien, die Auftragseingänge für dauerhafte Gebrauchsgüter in den USA und die Zusammensetzung des BIP im ersten Quartal in Großbri-tannien. In Asien gilt das Augenmerk vor allem China und der Frage, ob sich das Wachstum dort weiter abschwächt (vgl. unsere Grafik der Woche). Dabei ist es von besonderem Interesse, ob sich der Rückgang der chinesischen Importe (die Hinweise auf die Binnennachfrage geben) und Exporte (die etwas über die weltweite Nachfrage verra-ten) verringert.
Ebenfalls am Donnerstag findet das Gipfeltreffen der G7 in Japan statt. Während sich die Teilnehmer in der Geld-, Fiskal- und Struktur-politik wohl auf vage Verlautbarungen werden einigen können, dürften die Gemeinsamkeiten bei den Themen Wechselkurse und „internationale Wettbewerbsfähigkeit“ wohl überschaubar sein. Insbesondere Japan befindet sich in einer schwierigen Situation, denn die jüngste Kursstärke des Yen dämpft den Konjunktur- und Inflati-onsausblick.
Am Freitag folgen dann die US-BIP-Daten für das erste Quartal und der Verbraucherpreisindex für Japan; letzterer könnte im April weiter in den deflationären Bereich gefallen sein.
Die technischen Indikatoren deuten auf weiteren Gegenwind für Aktien hin: Die Marktbreite schwindet, die Volatilität nimmt zu, und defensive Titel schneiden besser ab als zyklische. Staatsanleihen könnten daher ihren Status als „sichere Häfen“ verteidigen. Rohstoff-anleger sollten beachten, dass Anzeichen für ein Überschießen der derzeitigen Rallye zu erkennen sind; insbesondere der Ölpreis könnte am Ende seines relativ überdurchschnittlichen Laufs angekommen sein. Am Devisenmarkt könnte sich der US-Dollar gegenüber dem Euro und dem Yen wieder erholen.
Quelle: BondWorld.ch
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