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St.Galler Kantonalbank: An den Kapitalmärkten scheint die Inflation vorbei zu sein

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St.Galler Kantonalbank : Die Zinsen in der Schweiz sinken wieder. Sie folgen damit dem internationalen Trend. Die Zeit der höheren Zinsen scheint vorbei zu sein.

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Von Dr. Thomas Stucki CIO der St.Galler Kantonalbank


Ob das auf  reinem Wunschdenken oder auf einer guten Prognosefähigkeit basiert,  werden die nächsten Monate zeigen. Bezüglich letzterem sind Zweifel  angebracht. Nichtsdestotrotz: Der Swapsatz für 10-jährige Franken-Anlagen  ist seit Mitte Oktober von 2.33% auf 1.68% gefallen. Die 10-jährige Anleihe  der Eidgenossenschaft rentiert mit 1.03% nur noch knapp über der 1%- Marke. Von der SNB wird nur noch eine Erhöhung des Leitzinses von heute  0.50% auf 1.25% erwartet. Spätestens im März ist es vorbei mit Zinserhöhungen der SNB.

Ausgelöst wurde das erleichterte Zurücklehnen durch tiefere Inflationsraten in  den USA und in der Schweiz. Dass die absoluten Werte immer noch sehr hoch  sind, scheint keine Rolle zu spielen. In der Schweiz ist die Inflationsrate im  Oktober auf 3.0% gefallen, in den USA auf 7.7%. Fast schon euphorisch wurde  vermerkt, dass auch die Kernrate ohne die stark schwankenden Energie- und  Nahrungsmittelpreise tiefer ausgefallen ist. Die statistische Inflationsrate ist  jedoch nur eine Annäherung an die effektive Inflationsentwicklung und die  einzelnen Monatswerte sind mit Vorsicht zu beurteilen. Die angedeutete  Trendumkehr nach unten wird sich zuerst bestätigen müssen.

Zu früh für Entwarnung von der Inflationsfront

In der Schweiz dürfte die Inflationsrate zu Beginn des nächsten Jahres wieder  steigen, wenn höhere administrierte Preise wie der Strompreis in die Berechnung  ein-fliessen. Umfragen bei Unternehmen zeigen zudem, dass viele von ihnen ihre  Preise weiter erhöhen wollen, solange die Nachfrage nach den Produkten noch  da ist. Die ersten Lohnabschlüsse und der anhaltende Personalmangel deuten  darauf hin, dass die Lohnkosten deutlich steigen werden. Von einer Lohn-PreisSpirale zu sprechen, ist in der Schweiz verfrüht, aber die Ansätze dazu sind nicht  zu unterschätzen. Die Konjunktur wird sich im ersten Halbjahr 2023 zwar auch in  der Schweiz deutlich abkühlen, insbesondere im Exportbereich. Zu einem starken  Anstieg der Arbeitslosenzahlen wird es aber nicht kommen. Zusammen mit den  höheren Einkommen wird das den privaten Konsum und damit die Nachfrage  nach vielen Produkten stabil halten.

Zinsanstieg zu erwarten

Die Zentralbanken versuchen der Stimmung entgegenzuwirken, dass die Inflation  vorbei sei. Sie betonen die Notwendigkeit weiterer Zinserhöhungen. Das gilt auch  für die SNB. Ihre Rufe verhallen aber ungehört. Es scheint sich zu rächen, dass  die Fed und die EZB in den letzten Jahren immer wieder eingeknickt sind, wenn  es an den Finanzmärkten kritisch wurde.

Die Inflation in der Schweiz wird nach dem erneuten Ansteigen zu Jahresbeginn  langsam absinken, aber erst gegen Ende Jahr wieder die Marke von 2%  unterschreiten. Die SNB wird die Zinsen stärker anheben müssen, als dies der  Markt aktuell erwartet, wenn sie einen positiven Realzins anstreben will. Ich  gehen deshalb davon aus, dass bis Mitte des nächsten Jahres der Leitzins auf  2.00% steigen wird. Ist dies der Fall, sind die heutigen Kapitalmarktzinsen zu tief,  insbesondere die Renditen der Eidgenossen-Anleihen.

Quelle: AdvisorWorld.ch


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