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St.Galler Kantonalbank : Das Wort «Rezession» wird überschätzt

St.Galler Kantonalbank : Am Dienstag werden die Daten zum Wirtschaftswachstum in der Schweiz  für das dritte Quartal veröffentlicht.

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Von Dr. Thomas Stucki CIO der St.Galler Kantonalbank


Die Konsensschätzung gemäss  Bloomberg erwartet eine reale Zunahme des BIP von 0.3%. Im  Jahresvergleich bedeutet das ein Rückgang des Wachstums von 2.8% im  zweiten Quartal auf 1.0%. Der Aufholeffekt nach der Coronapandemie ist  endgültig vorbei und die Realität des Winters kommt näher. Die Warnungen  vor einer Rezession werden zunehmen.

Die Unternehmen beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage mehrheitlich immer noch  als gut. Die Produktion ist ausgelastet und die Nachfrage nach den Produkten  und Dienstleistungen hoch. Es gelingt vielen von ihnen auch, die höheren Kosten  über Preissteigerungen weiterzugeben. Wenn es um die Einschätzung der  Zukunft geht, sieht es jedoch anders aus. Das Einholen neuer Aufträge ist  schwieriger geworden. Die Stimmung ist nicht nur bei den Konsumenten, sondern  auch bei den Firmen deshalb auf einen tiefen Stand gesunken.

Rückgang des Wirtschaftswachstums

Die konjunkturelle Abschwächung hat bereits eingesetzt, insbesondere in den  USA und Grossbritannien, aber auch im umliegenden Ausland. Wenn die  deutsche Industrie lahmt, bekommen das auch die Zulieferer in der Schweiz zu  spüren. Die Geldpolitik der SNB wird sich mit der Zeit ebenfalls bremsend auf die  Konjunktur auswirken. Beim aktuellen Stand des Leitzinses von 0.5% ist dies  noch nicht der Fall. Aber bereits die Erwartung, dass die Zinsen noch weiter  steigen werden, hat einen Einfluss, beispielsweise auf die Bautätigkeit. Diese  negativen Faktoren werden in den nächsten Quartalen das BIP-Wachstum auch  in der Schweiz spürbar belasten, insbesondere über den Winter und im nächsten  Frühjahr.

Dabei ist gut möglich, dass das reale BIP im ersten und im zweiten Quartal 2023  leicht schrumpfen wird. Per Definition wäre die Schweizer Wirtschaft dann in  einer Rezession. Ich erwarte aber höchstens einen Einbruch von jeweils 0.1%  oder 0.2% pro Quartal. Das wird von den meisten Leuten nicht als Rezession  empfunden. Ein solch kleines Minuswachstum liegt im Bereich der statistischen  Ungenauigkeit und könnte sich in einer späteren Revision sogar als kleines  Wachstum entpuppen. Vor allem ist es kein Vergleich mit den Einbrüchen des  BIP von mehr als 8% im ersten Corona-Halbjahr oder von 5% nach der Finanzkrise 2008.

Erholung im zweiten Semester 2023

Wichtiger ist, was danach im zweiten Halbjahr geschieht. Da auch bei einer  leichten Rezession die Arbeitslosigkeit nicht stark steigen wird, werden die Leute  ihr Einkommen nicht verlieren. Ein Anstieg der Löhne und ein langsames  Abnehmen des Inflationsdrucks werden sich positiv auf die Stimmung der  Konsumenten auswirken, weshalb der private Konsum stabilisierend wirkt. Die  Zentralbanken werden bis im nächsten Sommer mit den Zinserhöhungen durch  sein, was die Angst vor höheren Zinsen dämpft. Die Unternehmen werden in  Erwartung einer wieder steigenden Nachfrage mehr investieren. Aufgrund all  dieser Faktoren erwarte ich im Gleichschritt zu den meisten anderen  Industrieländern eine konjunkturelle Erholung im zweiten Halbjahr 2023. Für das  Gesamtjahr wird in der Schweiz dadurch ein positives Wachstum von 0.8%  resultieren. Das ist zwar weniger als im historischen Trend, aber verkraftbar.

Quelle: AdvisorWorld.ch


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