In unserer vierteljährlichen Neubewertung der Anlagepolitik beurteilen wir makroökomische und fundamentale Faktoren sowie eine Reihe von Marktinformationen – ein Prozess, der sich über die Jahre bewährt hat und eine ansehnliche Performance bei kontrollierter Volatilität ermöglicht…….
Von Mikio Kumada, CIIA bei LGT Capital Partners
Im Vorfeld dieses Strategieprozesses, welcher nächste Woche beginnt, wollen wir heute einmal einen Gesamtüberblick der existierenden längerfristigen Börsentrends präsentieren.
Zuerst die wichtigste potenzielle Veränderung: Die jüngsten Marktereignisse in China haben dem Aufwärtstrend des Weltaktienbarometers MSCI All-Country World Index (ACWI, in USD) abrupt den Wind aus den Segeln genommen und es könnte etwas Zeit vergehen, bis sich die Lage wieder stabilisiert. Andererseits können wir erfreulicherweise aber auch feststellen, dass die aktuell laufende Börsenerholung durchaus von guter «technischer Qualität» ist. Wir dürfen daher hoffen, dass sich zumindest in den entwickelten Volkswirtschaften die Hausse wieder in aller Deutlichkeit zurückmelden wird.
Die Schwellenländer schwächen das mittelfristige Bild der globalen Indizes
An dieser Stelle sei angemerkt, dass der ACWI auch alle Schwellenländer, d.h. die Emerging Markets (EM), inkludiert. Diese machen rund 15% der Kapitalisierung des Weltindex aus. Gemeinsam mit den eng mit den EM korrelierenden entwickelten Märkten des asiatisch-pazifischen Raumes (ohne Japan) kommen wir auf rund 20%. Anders formuliert: Aktien aus diesen Länderkategorien repräsentieren gut 36% der nicht amerikanischen Titel im Index, was doch signifikant ist.
Doch damit zurück zur globalen Ebene: Der ACWI notiert heute jedenfalls in etwa auf dem Niveau von vor anderthalb Jahren. Es könnten durchaus noch mehrere Monate vergehen, bevor wir die Höchststände vom Mai wiedersehen. Doch selbst eine solche, relativ lang anhaltende «Seitwärtsphase» muss per se noch keine Baisse einleiten. So erlebten wir zuletzt vom Sommer 2011 bis zum Frühjahr 2013 eine solche lange Phase trendloser Volatilität – bevor sich die herrschende Hausse wieder in «voller Pracht» offenbarte.
Relative Stärke der entwickelten Märkte bleibt aber weiterhin robust
Gleichzeitig müssen wir festhalten, dass der zugrundeliegende langfristige globale Aufwärtstrend selbst im ACWI grundsätzlich noch ungebrochen bleibt, primär dank der relativen Stärke der «alten» Industrieländer. Letzteres gilt für Japan und Europa und in einem nur marginal geringeren Mass auch für die USA. Angesichts ihres vergleichsweise reiferen Alters zeigt die US-Hausse zwar zugegebenermassen gelegentlich gewisse «natürliche» Ermüdungserscheinungen. Trotzdem können wir feststellen, dass die USA wie schon seit 2009 nach wie vor recht verlässlich zu den stärkeren Märkten zählen. Europa und Japan zeigen im Vergleich dazu erst seit September 2011 bzw. September 2012 relative Stärke – und dies mit unterschiedlicher Intensität und mehr Volatilität. Unter dem Strich gilt jedenfalls: Aus relativer Sicht sind die jüngsten China-Turbulenzen an diesen Märkten weitgehend spurlos vorbeigegangen .
Keine Anzeichen für eine echte Trendwende in den Schwellenländern
Die Kehrseite der Medaille lautet: Die relative Schwäche der Emerging Markets (USD) und in etwas geringerem Ausmass auch in «Asien-Pazifik ohne Japan» (USD) bleibt ebenso klar intakt. Es gibt bisher auch keine Hinweise, dass eine Trendwende ansteht .
Ohne grosse Überraschungen aus Konjunktur und Wirtschaftspolitik dürfte sich diese Situation demnächst nicht ändern – und solche Überraschungen scheinen derzeit doch unwahrscheinlich. So haben beispielsweise die meisten Notenbanker just am vergangenen Wochenende im Grossen und Ganzen bekräftigt, dass sie trotz der China-Turbulenzen an ihren bisherigen Plänen festhalten wollen – einschliesslich des Wunsches der US-Federal Reserve, so bald wie möglich mit den ersten Leitzinserhöhungen zu beginnen.
Der globale Trend könnte Schaden nehmen aber die relative Stärke der Industrieländer wurde bestätigt
Aus absoluter Sicht (siehe PDF, Seite 2, Abb. links) hat der jüngste China-Crash die grösste Korrektur im MSCI All Country World (ACWI) seit Mitte 2011 ausgelöst. Damals folgte auf diesen Shock eine längere, volatile «Seitwärtsphase». Es verging etwa ein Jahr, bis der Index wieder stetig zu steigen begann. Die relative Stärke der USA gegenüber dem ACWI blieb aber damals wie heute praktisch unberührt. Die Korrektur von 2011 erwies sich schliesslich als marktbereinigendes Ereignis, dass letztlich die relative Stärke der USA im Besonderen und der Industrieländer im Allgemeinen nur bestärkte. So könnte es auch diesmal kommen.

Die relative Stärke des Euroraums und Japans ist vergleichsweise jüngeren Datums – sie ist ab Mitte 2011 bzw. Mitte 2012 sichtbar. Als Kehrseite dieser Medaille ist auch die (in USD gemessen) seit 2010 bestehende relative Schwäche der Schwellenländer und der Gruppe «Asien-Pazifik ohne Japan» intakt geblieben. Gegenbewegungen im Rahmen dieser relativen Abwärtstrends kommen immer wieder vor – so könnte nach dem jüngsten extremen Schwächeanfall jetzt wieder eine solche Zwischenerholung anstehen, was für temporäre «konträre» Positionierungen zugunsten dieser Regionen spräche. Klar ist aber auch, dass alle bisherigen Erholungsversuche nach wenigen Wochen oder Monaten letztlich scheiterten und es bisher noch keine Anzeichen für eine echte Trendwende gibt.

Quelle: AdvisorWorld.ch
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