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BlackRock : Markt zwischen Hoffen und Bangen

BlackRock: In der vergangenen Woche hat sich die Bewertungslücke zwischen europäischen und amerikanischen Aktien ein gutes Stück weit geschlossen.

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BlackRock Aktueller Blick auf die Märkte


Von Dr. Martin Lück, Leiter Kapitalmarktstrategie in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Osteuropa bei BlackRock


Während in der alten Welt die breiten Indizes um knapp 4% zulegen konnten, büssten ihre US-Pendants fast 3% ein. Dies hatte zum Teil mit den wieder sehr hohen Inflationszahlen in den Vereinigten Staaten zu tun (der Februarwert stieg von 7,5% auf 7,9%) und damit der Befürchtung, die Zentralbank könne mit einer noch schärferen Verknappung der Geldpolitik reagieren. Massgeblich aber für die erstaunliche Performance europäischer Aktien war der Kurssprung am Mittwoch, als sich Nachrichten von einer angeblich möglichen diplomatischen Lösung für den Ukraine-Krieg verbreiteten. Der DAX sprang allein an diesem Tag um fast 8%, über 1.000 Indexpunkte, nach oben. Dabei dürfte klar sein, dass die Aussichten auf eine Verhandlungslösung minimal sind. Solange die Ukraine auf der Unversehrtheit ihres Territoriums inklusive Krim und Donbass besteht, Russland aber erstere als Teil seines Gebietes und für letzteren einen unabhängigen Status beansprucht, liegt eine diplomatische Lösung des Konflikts in weiter Ferne. Auch wenn also bei dem bemerkenswerten Kurssprung am Mittwoch technische Gründe (etwa Short Covering) zusätzlich eine erhebliche Rolle gespielt haben dürften, lässt sich doch konstatieren, dass Marktteilnehmer zurzeit geneigt sind, mit einer ganzen Portion irrationalen Optimismus‘ noch auf die kleinste Hoffnung einzusteigen.

Dabei mag eine Rolle spielen, dass die jüngste Erfahrung mit einem Aktiencrash noch nicht lange zurückliegt (Covid März 2020) und lehrt, dass es eine gute Idee sein kann, in der Nähe des vermuteten Tiefpunktes einzusteigen. Vor zwei Jahren war dieser Punkt mit der Erkenntnis erreicht, dass die Welt sich mit der Pandemie zwar einer einzigartigen Naturkatastrophe gegenüber sah, dass aber auf Sicht die Schäden beseitigt und Investoren in der Lage sein würden, zu ihren Geschäftsmodellen zurückzukehren – wenn auch mit Modifikationen an der einen oder anderen Stelle. Als dann auch noch Regierungen und Zentralbanken mit der Bazooka Krisenbekämpfung in nie gewesenem Ausmass ankündigten, gab es kein Halten mehr. Allerdings dürfte der Krieg ein Risikoszenario ganz anderer Gestalt sein. In der aktuellen Situation von Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine scheint es nicht nur schwieriger, das gesamte Ausmass der Katastrophe zu umreissen. Im Gegensatz zu 2020 befinden wir uns auch in einer Welt, in der Zentralbanken ihre Geldpolitik eher straffen als lockern und in der die Regierungen der westlichen Welt auch fiskalpolitisch noch weniger Spielraum haben als schon vor zwei Jahren. Darüber hinaus – und das dürfte der Hauptgrund für weiter sehr hohe Volatilität über die kommenden Wochen sein – wird immer klarer, dass der Krieg eine echte Zeitenwende darstellt. Die globale Ordnung der letzten 30 Jahre, in der ohne die Bedrohung des kalten Krieges die wirtschaftliche Entwicklung und der Ausbau des Welthandels im Mittelpunkt stand, ist dahin. Die Friedensdividende, die nicht nur Staaten deutlich geringere Militärbudgets erlaubt, sondern auch Unternehmen einen sicheren Operationsrahmen gegeben hatte, ist aufgebraucht. Und während viele Marktteilnehmer immer noch in der Logik der alten Ordnung verhaftet bleiben und sich im „Bottom Fishing“ probieren, wird immer sichtbarer, dass grosse Teile der Finanzmärkte orientierungslos durch die Umbruchphase treiben, verzweifelt auf der Ausschau nach einem neuen Gleichgewicht. Allein, es könnte noch Monate dauern, bis dieses auch nur ansatzweise in Sicht kommt.

Die EZB steuert auf einen Politikfehler zu. Was macht die Fed?

Während die Energiepreise stark steigen und neue Lieferkettenprobleme (Kriegsfolgen in der Ukraine und Russland sowie neue massive Corona-Lockdowns in Asien) die Gefahr einer wirtschaftlichen Abschwächung an die Wand malen, gibt sich die EZB unbeeindruckt. Am vergangenen Donnerstag taxierten die Zentralbankvolkswirte das BIP-Wachstum in der Eurozone in diesem Jahr bei immer noch 3,7% (revidiert von 4,2%) bei gleichzeitig mit 5,1% viel höherer Durchschnittsinflation als bis dato prognostiziert (3,2%). Es waren – aus meiner Sicht fälschlicherweise – auch wieder die Inflationsbefürchtungen, welche die EZB zum Anlass nahm, die Straffung der Geldpolitik zu beschleunigen. Dass die Bank damit suggeriert, etwas gegen diese Art von Inflation tun zu können, sehe ich kritisch. Angesichts schon jetzt deutlich strafferer geldpolitischer Bedingungen weltweit nimmt die Wahrscheinlichkeit zu, dass die EZB angesichts des sich abzeichnenden Wachstumseinbruchs doch wieder auf das Gaspedal gehen und damit einen Politikfehler einräumen muss. Zuletzt ist dies dem scheidenden EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet im Herbst 2008 passiert. Als er in die bereits tobende Bankenkrise die Zinsen anhob, erwies sich das schon kurz später als Fehler, den die EZB schnell korrigieren musste. Noch heute wirkt der Reputationsschaden dieses Politikfehlers nach, zumal er sich im Herbst 2011 wiederholte. 2022 könnte ein weiterer hinzukommen. Mal sehen, wie morgen die US Fed mit dieser Herausforderung umgeht.

Quelle: AdvisorWorld.ch


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