Eyb & Wallwitz : Das Jahr 2025 steht im Zeichen der wirtschaftspolitischen Weichenstellungen in den USA, China und Europa.
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Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz
„Klar ist: der Einsatz steigt und damit auch die Spannungen. Die Weltwirtschaft kommt in unruhigeres Fahrwasser“, heißt es im Jahresausblick des unabhängigen Vermögensverwalters Eyb & Wallwitz. Die Experten rechnen damit, dass Wachstum und auch Inflation in den USA höher ausfallen werden als im Rest der Welt. „Das Wachstumspotenzial ist höher, die Investitionen laufen besser, und die neue Administration geht wirtschaftspolitisch „all in“ und spielt auf Sieg“, erläutert Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt von Eyb & Wallwitz. Auch China erhöhe seinen Einsatz zur Belebung der heimischen Wirtschaft. Diesmal aber zu Lasten der Handelspartner. Auch deshalb komme Europa in eine noch schwierigere Lage und müsse mehr investieren, um nicht den Anschluss zu verlieren. „Vor allem in Deutschland müssen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zudem die ausgeprägte Vollkaskomentalität zurückdrängen und mehr Schumpeter wagen“, fordert der Ökonom.
Wachstumsausblick: Comeback des US-Zyklus, Europa unter Druck, China holt auf
Nach dem Soft Landing und dem Rückgang der Teuerung in den vergangenen Jahren tendiert die US-Wirtschaft 2025 wieder zurück in eine Phase des inflationären Wachstums. „Neben dem deutlichen Plus an verfügbaren Arbeitskräften wirkt hier vor allem der Anstieg der Produktivität durch die Dominanz und den zunehmenden Einsatz neuer Technologien stützend. Zum anderen hat der Investitionszyklus bereits an Fahrt aufgenommen und an Breite gewonnen und wird die Konjunktur im kommenden Jahr anschieben. Zudem bleibt die Wirtschaftspolitik sehr expansiv ausgerichtet“, analysiert Mayr. Auch in China sei 2025 mit einem etwas höheren Wachstum zu rechnen, auch wenn die Korrektur am Immobilienmarkt die Wirtschaft noch einige Zeit belasten werde. Die Wirtschaftspolitik dürfte aber deutlich expansiver ausgerichtet werden, auch um sich gegen den schärferen geo- und wirtschaftspolitischen Kurs der USA zu stellen. Dabei liegt der Fokus vor allem auf einer aggressiven Expansion im Außenhandel. In Europa und vor allem in Deutschland setzt sich die säkulare Stagnation der vergangenen Jahre dagegen wohl auch 2025 fort, so die Experten von Eyb & Wallwitz. Die Wirtschaftspolitik bleibe zu passiv. Und der Außenhandel profitiere deutlich weniger als bisher von einer Belebung der Wirtschaft in China, den USA und dem Rest der Welt. Vor allem aber sei eine Belebung des Investitionszyklus nicht zu erwarten. Die Hoffnungen in Europa liegen Mayr zufolge 2025 vielmehr auf dem Konsum: „Hier bietet der deutliche Rückgang der Teuerung und die nach wie vor deutlich erhöhte Sparquote Potenzial für einen Konsumschub.“
Wirtschaftspolitik: Trump-Pläne vor dem Realitätscheck
In den USA stehen sich positive und negative Aspekte der von Trump angekündigten Maßnahmen gegenüber. „Vor allem in der ersten Jahreshälfte sollten die positiven Effekte dominieren“, meint Chefvolkswirt Mayr. „Denn eine Senkung der Unternehmenssteuern von 21% auf 15% und der angekündigte Abbau von Regulierung werden das Gewinnwachstum der US-Unternehmen kurzfristig beschleunigen. Dazu kommen neue Investitionen ausländischer Unternehmen in den USA, um die angekündigten Zölle zu umgehen. Dadurch sollte der Investitionszyklus zusätzlichen Schub erhalten.“ Die negativen Effekte von Trumps Wirtschaftspolitik werden dem Experten zufolge wohl mit Verzögerung eintreten. „Die angekündigte Anhebung der Einfuhrzölle um durchschnittlich etwa 10 Prozentpunkte und eine Abschiebung von Arbeitskräften aus dem Niedriglohnsektor bergen dabei ein unmittelbares Inflationspotenzial von bis zu 2 Prozentpunkten, was den realen Konsum mit zeitlicher Verzögerung in ähnlicher Größenordnung dämpfen würde“, rechnet Mayr vor. Kurzfristig dürften die positiven Effekte aber überwiegen und Wirtschaft und Finanzmärkte in den USA stützen.
Die Risiken liegen 2025 besonders auf der Seite der Wirtschaftspolitik. Vor allem eine Zuspitzung der Handels- und Investitionsrestriktionen zwischen den USA und China könnte die Weltwirtschaft insgesamt erheblich belasten und zu einem globalen Abschwung führen. Die Wahrscheinlichkeit für eine kurzfristige Eskalation sei aber nicht sehr hoch. „Das größte Risiko für die Finanzmärkte sieht der Münchner Vermögensverwalter vielmehr in einem möglichen Versuch der US-Regierung die Unabhängigkeit der Fed in Frage zu stellen. „Dadurch könnten die Inflations- und Laufzeitprämien kurzfristig deutlich steigen und so zu einem Showstopper auch für die Aktienmärkte werden. Gleiches gilt, falls die US-Regierung ihren expansiven Kurs überziehen sollte und insbesondere die Steuersenkungen nicht über Einsparungen zumindest teilweise finanzieren würde. Zweifel an der Tragfähigkeit der US-Verschuldung wären dann ein Problem nicht nur für die US-Märkte“, skizziert Dr. Ernst Konrad, Geschäftsführender Gesellschafter und Lead Portfoliomanager von Eyb & Wallwitz, das Risikoszenario.
Aus Investorensicht: Asset Allokation bleibt entscheidend
Das deutliche Anziehen der Investitionstätigkeit in den USA nährt die Hoffnung auf eine Beschleunigung des Gewinnwachstums amerikanischer Unternehmen. Denn angesichts der hohen Bewertung des US-Aktienmarkts ist die Gewinnentwicklung 2025 entscheidend. Spielräume für eine weitere Ausdehnung der Bewertungen sieht Konrad dagegen kaum. „Die Asset Allokation ist auch deshalb so wichtig, da die Divergenz zwischen Gewinnern und Verlieren noch größer werden dürfte, sektoral wie regional. Das spricht für ein aktives Management in der Kapitalanlage“ , ist Ernst Konrad überzeugt. „Denn gerade in Wachstumsbereichen wie Pharma und Konsum zeichnen sich 2025 spannende Entwicklungen ab, die vom zunehmenden Einsatz von KI entlang der Wertschöpfungskette geprägt sind. Auch einzelne Geschäftsmodelle in der Industrie dürften profitieren und sich besser entwickeln als der Gesamtmarkt.“ Die Grundlagen für eine überdurchschnittliche Wertentwicklung im Vergleich zu den letzten 10 Jahren seien gegeben. Dennoch rät Konrad dazu, die Diversifikation des Aktienrisikos 2025 im Blick zu behalten. Duration im Euro-Raum, inflationsgeschützte Anleihen in den USA und die Beimischung von Gold sind derzeit die Favoriten des Vermögensverwalters, um die Portfolien entlang ihrer Risikotragfähigkeit auszubalancieren. Auf der Anleihenseite sollte der Fokus erneut in Europa liegen. Denn die Währungsrisiken steigen und gute Bonitäten böten auskömmliche reale Renditen.
2025 – ein überdurchschnittliches Aktienjahr?
„Alles in allem fällt unser Blick auf Wirtschaft und Finanzmärkte im kommenden Jahr also erneut konstruktiv aus. Die Risiken sind zwar gestiegen, vor allem durch den hohen Einsatz der US-Regierung zur Belebung der heimischen Konjunktur“, resümiert Konrad. „Bei aller Unsicherheit und Aufgeregtheit in der Debatte sollte für Investoren aber klar sein: die Effekte der Wirtschaftspolitik auf die Konjunktur und den Kapitalmarkt werden häufig überschätzt. Es bedarf erheblicher Anstrengungen oder Fehler, die zugrunde liegende konjunkturelle Dynamik nachhaltig zu verändern“, so das Fazit. Das dürfte auch für 2025 gelten.
Quelle: InvestmentWorld.eu/ch
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