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DNCA : Gold – Die Sterne stehen günstig

DNCA: Die Schweiz spielt eine Schlüsselrolle im globalen Goldgeschäft: Fünf der sieben grössten Raffinerien der Welt stehen hierzulande.

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Von Pierre Pincemaille, Portfoliomanager bei DNCA Invest


Kaum bekannt, doch strategisch bedeutsam – nicht zuletzt, weil die USA zeitweise sogar Zölle auf den Import von Goldbarren erwogen haben. Der jüngste Preisauftrieb des Edelmetalls beruht jedoch weniger auf kurzfristigen Marktverwerfungen als auf fundamentalen Trends, die sich weiter verstärken dürften.

Kosten steigen, Angebot stagniert

Auf mikroökonomischer Ebene hat die ablaufende Berichtssaison die operativen Entwicklungen der börsennotierten Goldminen offengelegt. Erwartungsgemäss bleiben Kosten und Produktion die dominierenden Herausforderungen. Ein Beispiel liefert Barrick Gold, ein verlässlicher Indikator für die Branche: steigende Stückkosten (bedingt durch höhere Lizenzabgaben), unveränderte Investitionsausgaben und der Fokus auf Ausschüttungen in Form von Dividenden und Aktienrückkäufen.

Angesichts dieser eher trägen Angebotsseite halten die Notenbanken unbeirrt an ihrer Akkumulationsstrategie fest. Die Aufstockung des Goldanteils in den Währungsreserven begann nach der globalen Finanzkrise und erhielt zusätzlichen Schub durch die eingefrorenen russischen Zentralbankbestände. Die jüngsten Daten des World Gold Council verdeutlichen das Ausmass: Gold hat den Euro inzwischen als Reserveaktivum überholt (22 % vs. 19 % per Ende Q2), liegt jedoch weiterhin deutlich hinter dem US-Dollar (54 %).

Staatskapitalismus rückt in den Fokus

Historisch wirkt eine Zinssenkungsphase der US-Notenbank positiv auf den Goldpreis. Doch ein strukturell neuer Faktor könnte die Rally zusätzlich verstärken: das wachsende Eingreifen der US-Regierung in die Geschäftspolitik – sei es im Verhältnis zur Fed oder im Unternehmenssektor (Nvidia, AMD, Intel, MP Materials). Manche Kommentatoren sprechen bereits von einer Rückkehr des Staatskapitalismus. Für Gold könnte dies ein Vorteil sein, gilt es doch als „neutrales“ Sicherungsvermögen, das nicht von der Glaubwürdigkeit eines Emittenten abhängt.

Vor diesem Hintergrund prognostiziert Goldman Sachs bis Mitte 2026 monatliche Nettokäufe der Zentralbanken in Höhe von 80 Tonnen – doppelt so viel wie der historische Durchschnitt vor 2022. Parallel dazu nimmt der Trend zum physischen Rücktransfer von Beständen Fahrt auf: Indien brachte 2024 rund 100 Tonnen aus den Tresoren der Bank of England zurück. In Italien, dem weltweit drittgrössten Halter (2.452 Tonnen), ist die Debatte über die in den USA gelagerten Bestände entbrannt – vor allem, da die Unabhängigkeit der Fed zunehmend hinterfragt wird.

China bleibt der Joker

Auch geographisch bleibt China ein entscheidender Treiber der Nachfrage. Die Volksbank (PBoC) hält bislang lediglich 6,8 % ihrer Reserven in Gold (2.295 Tonnen) – eine Quote, die sich mittelfristig dem globalen Durchschnitt annähern könnte. Zudem hat der Regulierer zehn der grössten Versicherer des Landes ermächtigt, bis zu 1 % ihrer Bilanzsumme in Gold zu investieren. Entscheidend bleibt jedoch die Reaktion privater Haushalte: Traditionell ist die Nachfrage hochpreisempfindlich. Ob die geopolitischen Spannungen dieses Verhalten verändern, wird sich zeigen. Ermutigend sind die jüngsten Verkaufszahlen des Schmuckhändlers Laopou Gold.

Laut der jüngsten Studie des World Gold Council stützen sich die Kaufentscheidungen von 73 Zentralbanken im Wesentlichen auf drei Argumente: Entkopplung von anderen Anlageklassen, Diversifikation und Inflationsschutz. Diese Motive wurden während des „Liberation Day“-Moments bestätigt, als die Rolle von US-Staatsanleihen als universeller sicherer Hafen in Zweifel gezogen wurde. Auch für institutionelle und private Investoren, die nach alternativen Anlageklassen suchen, bleiben diese Argumente relevant. Noch ist das Engagement gering: Rund 40 % der Investoren besitzen überhaupt kein Gold, die durchschnittliche Allokation liegt laut Bank of America lediglich bei 2 %.

Zwar ist Gold im engeren Sinn kein „Put“* – doch die dargestellten fundamentalen Dynamiken sprechen für ein neues Preisregime und eine stärkere Rolle des Metalls in einer diversifizierten Vermögensallokation.

*Eine Verkaufsoption, die ihrem Inhaber das Recht, jedoch nicht die Pflicht einräumt, einen Basiswert zu einem festgelegten Preis bis oder an einem bestimmten Termin zu veräussern.

Quelle: InvestmentWorld.ch


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