Allianz GI

Allianz GI : Boom am Arbeitsmarkt

Allianz GI : Die Zahlen der vergangenen Woche unterstreichen die extrem stabile Lage am Arbeitsmarkt in den USA.

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Von Dr. Thomas Tilse Director, Head of Portfolio Strategy Private Clients


Die Arbeitslosenquote liegt bei historisch niedrigen 3,6%. Gleichzeitig sinken die fortlaufenden Anträge auf Arbeitslosenunterstützung auf das tiefste Niveau seit Dezember 1969. Damit wird der Arbeitsmarkt in den USA noch enger. Immer mehr Angestellte kündigen ihre Jobs um neue, besser bezahlte zu finden. Gleichzeitig werden wegen des Arbeitskräftemangels immer weniger Kündigungen durch die Arbeitgeber ausgesprochen. Die Zahl kleiner und mittlerer Unternehmen, die keine neuen Arbeitskräfte finden, steigt nach Umfragen stetig an. Das treibt die Arbeitskosten insgesamt nach oben. In den letzten vier Quartalen sind die Arbeitskosten um 8,2% gestiegen und damit so schnell wie seit zu Zeiten der letzten großen Ölkrise 1982 nicht mehr. Die Zahl derer, die neu in den Arbeitsmarkt kommen, ist glücklicherweise wieder etwas gestiegen, in der Gruppe der 25-54jährigen ist die Partizipationsrate fast auf dem Vor-CovidNiveau angekommen. Allerdings motivieren sich in der Gruppe der über 54jährigen immer weniger Angestellte, in den Arbeitsmarkt zurückzukehren.

Damit haben sehr viele Amerikaner aktuell gut bezahlte Jobs. Dennoch zeigen Umfragen zur Konsumentenstimmung, dass hohe Preise und die hohe Inflationsrate von über 8% den Konsumenten aufs Gemüt schlagen. Befragt, ob es jetzt ein guter Zeitpunkt sei, ein Haus, ein Auto oder große Haushaltsgeräte zu kaufen, zeigt sich das Gros der Befragten skeptisch.

Die USA befinden sich also tatsächlich in einer Situation mit vielen Boom-Charakteristiken. Vergleiche mit den 50er, 60er oder 80er Jahren sind nötig, um vergleichbare Situationen zu finden. Traditionell sorgen Jobsicherheit und gute Löhne für hohe Konsumausgaben, die die US-Wirtschaft als wichtigster Faktor antreiben. Hohe Energiepreise verbunden mit höheren Zinsen könnten sich jedoch als Dämpfer erweisen. Die Hypothekenzinsen sind auf 5,5% gestiegen und Preise für Häuser galoppieren davon. Die Politik und die Zentralbank haben die Brisanz der hohen Inflation erkannt und versuchen alles dagegen zu setzen, damit diese nicht weiter steigt. Daher könnten die aktuell sehr hohen Zahlen einen Höchststand markieren und auch bedingt durch Basiseffekte bis zum Herbst wieder auf niedrigere Niveaus fallen.

Dies hätte zudem Strahlkraft für den Rest der Welt. Denn auch Großbritannien und die Eurozone haben niedrige Arbeitslosenraten und in vielen Bereich angespannte Arbeitsmärkte. Die Entwicklung einer Lohn-Preisspirale sollte nach Möglichkeit vermieden werden. Sollte sich die Inflation entspannen, könnten sich in der zweiten Jahreshälfte wieder neue Perspektiven entwickeln. Der Fokus richtet sich dann auf die Vermeidung einer Rezession, denn weiter hohe Preise würden die Wirtschaft abwürgen und auf die Ertragslage der Unternehmen drücken. Die Einkaufsmanagerindizes der letzten Woche zeigen, dass in vielen Bereichen, vor allem im Dienstleistungs- aber auch im verarbeitenden Sektor die viel beschworene Dynamik der Wiedereröffnung nach Omicron schon nachlässt. Das ist gefährlich vor dem Hintergrund, dass weitere Zinssteigerungen erwartet werden in einer Situation, in der Lieferkettenprobleme und die psychologischen Auswirkungen des Krieges in der Ukraine sowieso schon die Konjunktur belasten. Durch die Lieferkettenprobleme und die daraus resultierenden Probleme in der Produktion ist die Produktivität im ersten Quartal in den USA auf ein Niveau gesunken, wie es zuletzt 1947 beobachtet wurde. Entsprechend volatil und unsicher geben sich die Aktienmärkte. Ein guter Wachstumsausblick für das kommende Jahr wäre wichtig. Doch Volkswirte sprechen eher von Rezessionsgefahren. Daher bleibt im Augenblick nur viel Geduld und die Hoffnung, dass es die Zentralbanken schaffen, etwas zur Inflationsbekämpfung beizusteuern.

Die Woche voraus

Daher kann die kommende Woche viele Hinweise liefern, wie die Entwicklung weitergeht. Zahlen zu Konsumenten- und Erzeugerpreisen werden genauso mit Argusaugen beobachtet werden wie die Einzelhandelsumsätze am Mittwoch oder Baubeginne bzw. Baugenehmigungen zum Ende der Woche. Zu befürchten ist, dass die Erzeugerpreise weiter mit über 10% davon galoppieren. Deshalb wird die Fed mit ihrer Zinsentscheidung im Mittelpunkt stehen, noch mehr als die EZB in der abgelaufenen Woche. Erwartet wird eine Anhebung der Leitzinsen (Fed Funds) der Fed um 50 Basispunkte. Doch reicht dies aus? Verschiedene Gouverneure der Zentralbank liefern sich einen Schlagabtausch darüber, welche Rate angebracht und welche Geschwindigkeit notwendig ist, um die Inflation nachhaltig zu bekämpfen.

Der Markt rechnet schon mit 7 Zinssteigerungen bis Jahresende, die die Fed bereits als Pfad angekündigt hat. Es bleibt spannend.

Der Boom, sosehr man ihn sich am Arbeitsmarkt gewünscht hat, kann daher schnell seine Schattenseiten entfalten. Ein sehr geschicktes Vorgehen der Fed bleibt der Schlüssel zum Erfolg.

Quelle: BondWorld.ch


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