Allianz GI : Die Beschäftigungszahlen für September (ohne den Agrarsektor) bestätigen, was wir schon vermutet haben: Arbeitskräfte sind in den USA nach wie vor ein knappes Gut.
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Von Christiaan Tuntono Senior Economist, Asia Pacific
Nach einem Zuwachs um 315.000 im August stieg die Beschäftigung im September um 263.000 an, also nach wie vor deutlich stärker als es mit einem langsameren Lohnwachstum und einer stabilen Erwerbsquote vereinbar wäre. Die Erwerbsquote ging um 0,1 Prozentpunkt auf 62,3% zurück. Die Arbeitslosenquote sank im Vergleich zum August um 0,2 Prozentpunkte auf 3,5%, d.h. den Stand vom Juli. Die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen um 0,3% gegenüber dem Vormonat und um 5,0% gegenüber dem Vorjahr an. Zwar ist der Rückgang der Jahresrate um 0,2 Prozentpunkte zu begrüßen, aber im Vormonatsvergleich ist die Dynamik unverändert und stärker als es der Notenbank Federal Reserve („Fed“) nach unserem Dafürhalten lieb sein kann.
Bis zur nächsten Sitzung des Offenmarktausschusses (Federal Open Market Committee, FOMC) am 2. November wird die Fed an aktuellen Arbeitsmarktdaten nur die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung und die Beschäftigungsdaten aus der Vorabschätzung des Markit-Einkaufsmanagerindex und aus dem Index für das verarbeitende Gewerbe des Institute for Supply Management (ISM-Index) geliefert bekommen. In den Fed Funds Futures ist daher ganz zutreffend eingepreist, dass die anstehenden Daten die Fed wohl nicht von einer weiteren Zinsanhebung um 75 Basispunkte (Bp.) abbringen können. Niedriger als erwartete Inflationsdaten könnten in dieser Woche für etwas Unsicherheit sorgen; wir bezweifeln jedoch, dass die Fed bei anhaltenden Engpässen am Arbeitsmarkt damit rechnet, dass eine mögliche Inflationsverlangsamung im September von Dauer sein könnte.
Blickt man über die November-Sitzung des FOMC hinaus, so deuten die Beschäftigungsdaten der vergangenen Woche und die Zahlen zu offenen Stellen und Stellenwechseln (Job Opening and Labor Turnover Survey, JOLTS) aus unserer Sicht darauf hin, dass die Nachfrage nach Arbeitskräften zwar etwas abklingt, aber kräftig bleibt. Die derzeit hohe Lohninflation ergibt sich unseres Erachtens aus dem inelastischen Arbeitsangebot. Ein Jahr nach dem Auslaufen der pandemiebedingten Unterstützungsmaßnahmen könnte sich die niedrigere Erwerbsquote verfestigt haben. Für eine Rückkehr zu einem nachhaltigen Gleichgewicht am Arbeitsmarkt müsste die Nachfrage nach Arbeitskräften sinken. Dies ist die Auffassung der Fed, die sie auch bereits deutlich ausgesprochen hat. Der Beschäftigungsaufbau müsste nach unserer Einschätzung auf rund 100.000 – 120.000 pro Monat sinken, damit die Stundenlöhne bei Vollbeschäftigung und einer steigenden Erwerbsquote um weniger als 0,2% gegenüber dem Vormonat zulegen können. Daher wird die Fed ihren restriktiven Kurs wohl fortsetzen und die Zinsen weiter anheben, um die Nachfrage nach Arbeitskräften entsprechend zu schwächen.
Die Woche voraus
Am Montag wird in den USA der Empire Manufacturing Survey für Oktober veröffentlicht. Die Marktteilnehmer erwarten einen weiteren Rückgang um 1,0 Prozentpunkt gegenüber dem Vormonat erwartet (September: -1,5 Prozentpunkte), der die anhaltende Kontraktion im verarbeitenden Gewerbe widerspiegeln sollte. Außerdem stehen in Japan der Index für den Dienstleistungssektor und der Index für die Kapazitätsauslastung für August auf dem Kalender, was uns Aufschluss über die aktuelle Lage im Dienstleistungssektor und im verarbeitenden Gewerbe geben wird.
Dienstag ist der Tag der chinesischen Makrodaten. Die Marktteilnehmer prognostizieren derzeit ein schwaches Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 3,3% gegenüber dem Vorjahr im dritten Quartal. Außerdem werden die September-Daten für Industrieproduktion und Anlageinvestitionen bekanntgegeben. Dort rechnen die Marktteilnehmer mit einem Anstieg. Bei den Einzelhandelsumsätzen wird dagegen aufgrund des erneuten Covid-19-Ausbruchs ein Rückgang im September erwartet. Darüber hinaus stehen in den USA die Daten zur Industrieproduktion und zur Kapazitätsauslastung im September an, die nach Auffassung der Marktteilnehmer weitgehend unverändert bleiben dürften.
Zur Wochenmitte hin werden verschiedene Daten zum US-Immobilienmarkt veröffentlicht. Am Dienstag gibt es den NAHB Housing Market Index für Oktober, der gegenüber dem Vormonat erneut zurückgehen könnte. Am Mittwoch stehen Baugenehmigungen und Baubeginne in den USA im September an. Die Marktteilnehmer erwarten einen Anstieg der Baugenehmigungen um 0,5% gegenüber dem Vormonat und gleichzeitig einen Rückgang der Baubeginne um 5,4%. Und am Donnerstag folgen noch die Verkäufe von Altbauten im September; die Marktteilnehmer rechnen mit einem Rückgang um 2,1% gegenüber dem Vormonat.
Am Donnerstag werden auch die Erst- und Folgeanträge auf Arbeitslosenunterstützung in den USA sowie der Business Outlook der Philadelphia Fed und der Frühindikator für September veröffentlicht. Die Marktteilnehmer erwarten einen Rückgang der Daten für das verarbeitende Gewerbe, was mit der trüben Stimmung im Einklang stünde. Und am Freitag gibt es dann noch Verbraucherpreisinflationsdaten aus Japan für September und den Index für das Verbrauchervertrauen im Oktober in Europa.
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