BlackRock: Nahezu alle Zeichen standen in der vergangenen Woche auf risk-on.
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BlackRock Aktueller Blick auf die Märkte
Von Dr. Martin Lück, Leiter Kapitalmarktstrategie in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Osteuropa bei BlackRock
Die wichtigsten Aktienbarometer verzeichneten Kurszuwächse von 5-6% bei deutlich geringerer Volatilität als in den Vorwochen, die Zinsen für sichere Staatsanleihen stiegen kräftig (um 9 Basispunkte bei zehnjährigen Bundesanleihen auf 0,33% und um 14 Basispunkte bei ihren US-Pendants, die damit eine Rendite von 2,15% erreichten), der Goldpreis gab leicht nach. Das alles lässt darauf schliessen, dass eine Mehrheit der Kapitalmarktteilnehmer eine drastische Wirtschaftsabschwächung als wenig wahrscheinlich erachtet und Teile des Marktes eine diplomatische Lösung in der Ukraine zumindest für gut möglich halten. Beides würde wohl bedeuten, dass wir in diesem Jahr an den Märkten mit einem blauen Auge davon kommen. Leider gibt es an beidem aber, wie in den vergangenen Wochen hier dargelegt, einigen Zweifel.
In den USA jedenfalls gibt sich die Notenbank grimmig entschlossen, der inzwischen auf 7,9% gestiegenen Inflation die Stirn zu bieten. So wurde am Mittwoch nicht nur die allseits erwartete Zinsanhebung um 0,25 Prozentpunkte, die erste seit 2018, beschlossen, sondern es wurden gleich sechs weitere für den restlichen Jahresverlauf in Aussicht gestellt. Ausserdem, so Fed-Chairman Jerome Powell, werde man auf einem der nächsten Meetings mit dem Abbau der Bilanz beginnen. Je nach Geschwindigkeit dieses Abbaus und der Frage, wie man ihn gestaltet (also passiv, durch Verzicht auf Neuinvestition fällig werdender Anleihen oder aktiv, sprich durch Verkauf) lässt sich angesichts der weiterhin sehr niedrigen Realzinsen durch diese Liquiditätsdrainage eine stärkere Einbremsung der geldpolitischen Bedingungen erreichen als mit den – graduell geplanten – Zinserhöhungen. Bemerkenswert an den kernigen Ansagen des Fed-Chefs erscheint zudem, dass die Notenbank selbst den Zielwert ihres aktuell begonnenen Zinsanhebungszyklus‘ mit 2,75% oberhalb dessen erwartet, was sie selbst als längerfristige Fed Funds Target Rate sieht, nämlich 2,375%. Damit geht die Fed über die Ankündigung einer reinen geldpolitischen Normalisierung hinaus. Indem sie auf diese Weise signalisiert, die monetären Bedingungen – wenn auch leicht – über das normale Mass hinaus zu straffen, vermittelt sie das Ziel, der wahrgenommenen Gefahr einer heiss laufenden Wirtschaft (die Rede war von einem „extrem knappen“ Arbeitsmarkt) zu begegnen. Auch hier ist also, ähnlich wie bei den Finanzmarktteilnehmern, kaum die Sorge zu spüren, dass sich die Kombination aus anhaltenden Covid-Folgen, Russlands Krieg in der Ukraine und einer weniger handelsfreundlichen Neusortierung der Welt negativ auf die Wirtschaftsdynamik der USA auswirken könnte.
Ukraine: Wenig Anlass für Optimismus
Derweil gibt es in der Ukraine kaum Anlass, optimistisch zu sein. Zwar hat die mit immer mehr modernen Waffen ausgerüstete ukrainische Armee an vielen Stellen den offenbar schlecht vorbereiteten russischen Vormarsch aufhalten können. Um den Aggressor aber zurückdrängen zu können, fehlen Kraft und Material, so dass etwa in den belagerten, wenn auch nicht komplett eingeschlossenen Grossstädten Charkiw und Kiew ein möglicherweise Monate dauernder Abnutzungskampf droht, mit sehr vielen Opfern. Dass derart apokalyptische Erwartungen keineswegs überzogen sind, zeigen seit Tagen Bilder aus der Hafenstadt Mariupol, die von der Aussenwelt abgeschnitten und seit Wochen ohne Strom und Wasser ist. Die Bereitschaft des russischen Militärs, fast täglich neue Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung zu begehen (offenbar gezielte Bombardierung von Krankenhäusern, Schutzräumen und Fluchtkorridoren) lässt vermuten, dass Putin zum Äussersten bereit ist. Zudem sollten Russlands bisherige militärische Misserfolge nicht dazu verleiten, das Eskalationspotential durch immer zerstörerischere Waffen zu unterschätzen. So verfügt das russische Militär neben den jüngst eingesetzten ‚Kinschal‘-Hyperschallraketen über mindestens 2.000 taktische Atomwaffen. Es ist nicht auszuschliessen, dass der Einsatz selbst derart geächteter Mittel erfolgt, wenn Putin ihn für den einzigen Weg hält, den Widerstand der ukrainischen Bevölkerung zu brechen. Insofern spricht vieles dafür, dass die Katastrophe eher noch weitergeht, dass es noch schlimmer wird, bevor der Krieg zum Ende kommt. Wenn dem so ist, entspricht die gegenwärtige eher entspannte Marktverfassung dem sprichwörtlichen Pfeifen im Walde. Es könnte ratsam sein, Portfolios auf längere Sicht robuster aufzustellen.
Quelle: AdvisorWorld.ch
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