BlackRock: Frankreich hat gewählt und mit Amtsinhaber Emmanuel Macron und Marine Le Pen treffen am übernächsten Sonntag die zwei Umfrage-Favoriten im direkten Duell aufeinander.
Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter
BlackRock Aktueller Blick auf die Märkte
Von Ann Katrin Petersen CFA
Die politische Ausrichtung, für welche die beiden Kontrahenten stehen, könnte unterschiedlicher kaum sein. Die Abstimmung am 24. April kann somit als wegweisend für Frankreich – letztlich wohl für ganz Europa – bezeichnet werden. Europaskeptikerin Le Pen dürfte die Stichwahl zu einem Referendum gegen den aktuellen Amtsinhaber hochstilisieren – Macron dagegen könnte die Wahl in gesellschaftlich unruhigen Zeiten hingegen zu einer Abstimmung über die Zukunft der Französischen Republik, wie wir sie bis heute kennen, erklären.
Beide werden in den kommenden Tagen noch einiges an Überzeugungsarbeit leisten müssen. Schliesslich haben Le Pen und Macron bei einer historisch niedrigen Wahlbeteiligung von knapp 75 Prozent im ersten Wahlgang selbst zusammengenommen weit weniger als die Hälfte aller Franzosen hinter sich versammeln können. Umfragen deuten darauf hin, dass ein Sieg Macrons diesmal deutlich knapper ausfallen könnte als noch vor fünf Jahren. Sollte Macron am Ende gewinnen, werden Politikexperten wohl auch den Krieg in der Ukraine und das staatsmännische Auftreten des amtierenden Präsidenten als Begründung seines Sieges anführen.
Bevor sich Le Pen und Macron in der kommenden Woche abermals duellieren, sollte in dieser Woche der Themenkomplex „Inflation und Zentralbanken“ das Marktgeschehen dominieren. In den USA bleibt der Inflationsdruck hoch. Für den Monat März ist dabei mit nicht nur mit einem neuen Inflationshöchstwert seit der Corona-Krise zu rechnen, sondern auch mit einer weiteren Verbreiterung des Inflationstrends. Der Druck auf die US-Notenbank Fed ist entsprechend hoch und treibt mittlerweile selbst ausgewiesene Tauben wie Läl Brainard das Camp derer, die auf eine raschere Straffung pochen. Bereits jetzt preist der Markt den steilsten Zinsanstiegspfad seit Beginn der modernen Geldpolitik in den 1970er Jahren. Nicht auszuschliessen, dass die Steigung noch zunimmt und den Aufwärtsdruck gerade bei kürzeren Laufzeiten hochhält.
Auch in den Türmen der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt scheinen die Zeichen auf beschleunigte Normalisierung zu stehen. Am Donnerstag könnte Lagarde die Tür für eine erste Zinsanhebung im Herbst weit aufstossen, gleichzeitig aber weiter für eine hochgradig flexible Ausrichtung der Geldpolitik in den kommenden Monaten plädieren.
Gerade der Blick auf den EUR-USD-Wechselkurs dürfte den EZB-Rat zusehends beunruhigen. Ein immer schwächerer Euro erhöht die Importpreise für die Eurozonen-Wirtschaft zu einer Unzeit. Gut möglich, dass die EZB-Kommunikation in dieser Woche zumindest in Teilen indirekt auch auf eine Stabilisierung des Wechselkurses ausgerichtet sein wird – schliesslich könnte die EZB über diesen Kanal dem Preisanstieg durchaus etwas entgegensetzen.
Was bedeutet all dies für Anleger?
Die Aussicht auf anhaltenden kostenseitigen Margendruck für Unternehmen, gedämpfter Kaufkraft der Konsumenten durch hohe Preise, eine zwischenzeitlich invertierte Zinskurve in den USA und generell erhöhte Abwärtsrisiken für die globale Konjunktur: Der „Sound“ an den Märkten könnte aktuell sicher konstruktiver sein. Entsprechend könnte uns das Umfeld mit Renditeaufwärtsdruck an den Rentenmärkten und wackeligen Aktienmärkten erhalten bleiben. Für Anleger gibt es in diesem anspruchsvollen Marktregime somit wenig Bereiche, um sich zu „verstecken“. Wichtig wird in den kommenden Monaten, auf jene Regionen und Unternehmen zu setzen, die mit all den genannten Unwägbarkeiten am besten zurechtkommen. Entscheidend ist aus unserer Sicht somit vor allem die Allokation innerhalb der Assetklassen.
Dieses Material soll nicht als Prognose, Research oder Anlageberatung herangezogen werden und stellt keine Empfehlung, Angebot oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Finanzprodukten oder zur Annahme einer Anlagestrategie dar. Die geäusserten Meinungen beziehen sich auf den 28. März 2022 und können sich ändern, wenn die nachfolgenden Bedingungen variieren.
Quelle: AdvisorWorld.ch
Newsletter


