BNY Mellon IM : Wie erwartet hat die EZB den Leitzins um weitere 25 Basispunkte erhöht. Neu ist aber nicht mehr von einer weiteren Straffung der Geldpolitik die Rede, sondern davon, die Daten genauer beobachten zu wollen.
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von Sebastian Vismara, Senior Global Macro Economist bei BNY Mellon IM
«Die Zinserhöhung um 25 Basispunkte stellt keine grosse Überraschung dar. Der Schritt der EZB entspricht dem, was der Markt mit Blick auf die Entwicklung der jüngsten Daten erwartet hat. Die Robustheit des Arbeitsmarktes und die Inflationsentwicklung im Dienstleistungssektor sowie positive kurzfristige Wachstumsimpulse rechtfertigen die Erhöhung. Die sinkende Kreditvergabe, die Konjunkturentwicklung und Anzeichen dafür, dass die Kerninflation ein Höchst erreicht haben, veranlassten die Notenbank dazu, das Tempo der Zinserhöhungen zu verringern. Der letzte Zinsschritt betrug 50 Basispunkte.
Die Erklärung des Entscheides war im Grossen und Ganzen ausgewogen. Der Markt wertete die Aussagen als «dovish», da sich die Währungshüter vor allem darauf bezogen, die Auswirkungen der vergangenen Zinserhöhungen genauer beobachten zu wollen. Allerdings enthielt die Erklärung auch einen Hinweis, dass die Leitzinsen auf ein «ausreichendes» Niveau gebracht werden sollen.
Die Ankündigung der EZB, die Reinvestitionen im Rahmen des APP-Programms zu beenden, kam dann doch etwas überraschend. Es wurde allgemein erwartet, dass dies erst im Juli bekannt gegeben wird und das Ende erst in der zweiten Jahreshälfte kommt. Diese Massnahme dürfte ein Zugeständnis an die «hawkishen» Vertreter der EZB sein – quasi als Ausgleich für die Verringerung des Tempos der Zinserhöhungsschritte.
Unverändert wird ein Zinsniveau von 3,5% bis 4% angestrebt (sofern die Bankenprobleme in den USA nicht eskalieren), was Raum für weitere Zinsschritte lässt. Das steht im Einklang mit der Erwartung, dass die Konjunktur kurzfristig resilient bleibt. In der zweiten Jahreshälfte und vor allem gegen Ende des Jahres dürften allerdings deutliche Anzeichen für eine Verlangsamung der Wirtschaftsaktivität sichtbar werden. Das deckt sich weitgehend mit dem, was der Markt eskompiert.»
Quelle: BondWorld
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