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DWS : Vorsichtiger gestimmt für Aktien, Chancen bei Unternehmensanleihen

Die aktuellen Einschätzungen der DWS zu Konjunktur, Märkten und Anlageklassen.


Marktausblick Juli / August 2023


Björn Jesch, Chefanlagestratege DWS


Vorsichtiger gestimmt für Aktien, Chancen bei Unternehmensanleihen

Die Aktienmärkte haben in den ersten sechs Monaten wahrscheinlich die meisten Experten positiv überrascht und größtenteils eine hervorragende Halbjahresbilanz hingelegt. Der Nasdaq 100 legte – getrieben von der Euphorie in Sachen Künstlicher Intelligenz – mit 38,75 Prozent so stark zu wie noch nie in seiner 40-jährigen Geschichte. „Ich erwarte nicht, dass sich diese positive Marktdynamik im zweiten Halbjahr so fortsetzen wird“, sagt Björn Jesch, Global CIO. „Die Bewertungen sind momentan sehr ambitioniert und dürften so wohl auf Dauer nicht tragbar sein.“ Positiv gestimmt ist Jesch derzeit für US-Investment-Grade Unternehmensanleihen, die er auf outperform hochgestuft hat. „Die zu erwartenden Gesamtrenditen sind auf Sicht von zwölf Monaten attraktiv“, so Jesch. Die Zuflüsse seien positiv, die Emissionstätigkeit dürfte sich verlangsamen. Etwas vorsichtiger ist Jesch momentan für Aktien aus Schwellenländern gestimmt. „Wir haben unsere Einschätzung auf neutral zurückgenommen“, so Jesch. Verantwortlich dafür: Die schleppende Erholung der chinesischen Wirtschaft. Zudem seien die Gewinnrevisionen negativer ausgefallen als in anderen Regionen.

Konjunktur: USA überraschen positiv, China negativ

Starke Konsum-Zahlen, besonders im Service-Sektor, haben dazu geführt, dass die US-Wirtschaft im ersten Quartal 2023 mit 2,2 Prozent überraschend stark gewachsen ist. Wir erwarten dennoch eine milde Rezession noch in diesem Jahr Die chinesische Wirtschaft entwickelt sich weniger dynamisch als erwartet. Der Caixin-Einkaufsmanager-Index fiel im Juni auf 52,5 (Mai: 55,6), den niedrigsten Stand seit sechs Monaten.

Inflation: Nach wie vor deutlich zu hoch

In den USA sind die Inflationsraten leicht rückläufig, aber weiterhin auf hohem Niveau. Maßgeblich dafür: die hohe Inflation im Dienstleistungsbereich. Wir erwarten für 2023 eine Inflationsrate von 4,3 Prozent.
In der Eurozone sind es neben dem Dienstleistungsbereich die nach wie vor stark steigenden Preise für Nahrungsmittel, die die Inflation hochhalten. Die Inflationsrate dürfte 2023 bei hohen 6,9 Prozent liegen.

Zinspolitik: Zentralbanken dürften Zinsen weiter anheben

Die US-Notenbank dürfte an ihrer restriktiven Geldpolitik festhalten, auch wenn sie zuletzt die Zinsen nicht weiter erhöht hat. Wir rechnen mit einem Niveau von 5,25 bis 5,50 Prozent, bevor es zu Zinssenkungen im zweiten Quartal 2024 kommen könnte. Die hohen Kerninflationsraten in der Eurozone dürften die Europäische Zentralbank dazu veranlassen, die Zinsen weiter anzuheben. Prognose für die Leitzinsen in der Eurozone per Juni 2024: 4,0 Prozent.

Klug Jarrid DWSAktien : Jarrid Klug, Fondsmanager europäische Aktien

Chancen mit europäischen Banktiteln

Europa bleibt unsere bevorzugte Anlageregion. Der Bewertungsabschlag gegenüber US-Titeln ist nach wie vor hoch. Insbesondere bei den Nebenwerten erscheinen die derzeitigen Bewertungen günstig. Das derzeitige Kursniveau dürfte ein guter Einstiegszeitpunkt sein. „Aussichtsreich sind aus unserer Sicht zudem europäische Banken, obwohl sie sich in den letzten Monaten schon recht gut entwickelt haben“, sagt Fondsmanager Jarrid Klug. Im Gegensatz zu den US-Pendants sehen wir bei ihnen positive Gewinnrevisionen. „Die Eigenkapitalrenditen dürften auf absehbare Zeit bei etwas über zehn Prozent liegen und damit deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen Jahre“, so Klug. Der Markt sei nach wie vor skeptisch, ob die Banken die Gewinne so halten könnten. Das spiegele sich in der günstigen Bewertung wider. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der für 2024 erwarteten Gewinne liege derzeit bei sechs und damit äußerst niedrig. Selbst wenn die Zinsen mittelfristig etwas sinken dürften, sei nicht absehbar, dass europäische Banken in ähnlich schwieriges Fahrwasser gerieten wie in der langanhaltenden Nullzinsphase. Und noch ein weiteres Argument sei sehr überzeugend: Die Kapitalrückführung der Banken über Dividenden und Aktienrückkäufe. Die durchschnittliche Dividendenrendite des Sektors hat inzwischen etwa acht Prozent erreicht. Zudem kaufen die Unternehmen – mit Zustimmung der Regulatoren – Aktien zurück, sodass die kombinierte Ausschüttungsrendite einiger Finanzinstitute deutlich über zehn Prozent liege.

Eichmann Oliver DWSAnleihen : Oliver Eichmann, Leiter Investment-Strategie Anleihen

Interessante Renditechancen mit kurzlaufenden Anleihen

„Für europäische Staatsanleihen mit kurzer bis mittlerer Laufzeit sind wir derzeit recht optimistisch“, sagt Oliver Eichmann, Leiter Investment-Strategie Anleihen. In Europa erwarten wir noch zwei Zinserhöhungen der Zentralbank. Danach dürfte der Zinserhöhungszyklus erst einmal gestoppt werden. In Kombination aus einem sich abschwächenden Wachstum und einer zurückgehenden Inflation sei das in der Regel ein guter Zeitpunkt, um in Zinsanlagen zu investieren. Eichmann: „In der Regel sinken bei so einer Gemengelage die Renditen kurzlaufender Anleihen mit entsprechenden Chancen auf Kursgewinne. Das treffe besonders dann zu, wenn sich am Markt die Auffassung durchsetze, dass ein Zinserhöhungszyklus der Notenbank in absehbarer Zeit zu Ende gehen werde. Wegen des höheren Renditeniveaus sind Anleihen aus Italien und Spanien nach wie vor interessant. „Wir erwarten allerdings keine weitere Einengung der Zinsaufschläge gegenüber Bundesanleihen“, so Eichmann. Das höhere Zinsniveau und der Rückgang der Anleihekäufe seien tendenziell eine Belastung für die Länder.

Quelle: AdvisorWorld.ch


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