Goldman Sachs Asset Management : Q&A. „Positionierung auf der ‚richtigen‘ Seite von Trends“
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Julia Rees, Leiterin Portfoliostrategie und Strategic Advisory Solutions in EMEA und Asien ex Japan und Luke Barrs, Leiter Fundamental Equity Client Portfolio Management in EMEA und Asien ex Japan bei Goldman Sachs Asset Management.
Bei Themeninvestments dreht sich alles um die Identifizierung langfristiger Wachstumstrends. Den Anlagestrategien von GSAM liegen vier Megatrends zugrunde.
Themeninvestments ermöglichen Anleger, von Trends zu profitieren und erfreuen sich entsprechend immer grösserer Beliebtheit. Welche Anleger interessieren sich besonders für Themeninvestments?
Julia Rees: Für private Anleger sind Themenfonds gut zu greifen und sie liefern dem Berater ein Narrativ. Sie sind keine Blackbox und Anleger können relativ klar nachvollziehen, wo die jeweiligen Portfoliomanager investieren. Aber auch einige institutionelle Investoren sehen Themenstrategien als eine weitere Möglichkeit, um daraus positives Alpha beziehungsweise Überrenditen zu generieren.

Luke Barrs: Bei den institutionellen Anlegern hängt dies auch stark von der jeweiligen Risikotoleranz und dem individuellen Anlagehorizont ab. Es gibt durchaus Institutionelle mit einem langen Anlagehorizont, wie beispielsweise Stiftungen, Pensionsfonds und Staatsfonds, die ihren Portfolios thematische Investmentstrategien beimischen.
Wie kommt es, dass dieses Segment seiner Nische in dieser Geschwindigkeit entwachsen ist?
Barrs: Ein Grund liegt sicherlich in der nachvollziehbaren Story der thematischen Strategien, über die auch in der Beratung gut mit Kunden gesprochen werden kann. Viel wichtiger ist jedoch, dass diese Strategien es ermöglichen, gezielt in langfristige Wachstumstrends zu investieren und das Portfolio für künftige Wirklichkeiten aufzustellen. Auch wenn sich das makroökomische Umfeld ungeachtet der Covid-19-Krise recht robust zeigt, ist Wachstum in der Aktienlandschaft fast zum raren Gut geworden.
Können Sie das präzisieren?
Barrs: Stark wachsende Unternehmen, also solche, die in den nächsten drei Jahren mehr als 8 Prozent pro Jahr wachsen, gibt es heute sehr viel seltener als früher. Ein solches Wachstum erzielen nur noch rund 25 Prozent der börsennotierten Unternehmen weltweit. Früher waren dies 35 bis 40 Prozent. Auf der anderen Seite hat der Anteil der Unternehmen zugenommen, die weniger als 4 Prozent pro Jahr zulegen oder gar schrumpfen. Er liegt derzeit bei rund 45 Prozent, in den vergangenen Jahrzehnten lag er bei eher 35 bis 40 Prozent. Innovation und Wachstums-Führerschaft sind näher zusammengerückt. Anleger müssen schon sehr gezielt Unternehmen mit exponentiellem Wachstum suchen. Darüber hinaus gilt es, die vielen Unternehmen möglichst zu meiden, die damit kämpfen, sich an die neuen globalen Rahmenbedingungen anzupassen und die Disruptionsrisiken in sich bergen.
Eignen sich Themenfonds eher als Beimischung im Portfolio oder auch als Basisinvestment?
Barrs: Eine einzelne thematische Investmentstrategie verhält sich natürlich anders als ein breit angelegtes globales Aktieninvestment. Themenfonds eignen sich daher eher als eine Ergänzung zu einem Core-Aktienfonds. Dabei lassen sich einzelne Themen auch miteinander kombinieren. Anleger erhalten auf diese Weise Zugang zu relevanten Zukunftsthemen in einer ausgewogeneren Anlagelösung. Wichtig zu wissen ist, dass thematische Investments ihre Stärken langfristig ausspielen. Ein Anlagehorizont von einer Dekade oder länger ist daher von Vorteil.
Rees: Wir haben festgestellt, dass die großen Megatrends nur eine sehr geringe Korrelation zueinander aufweisen. Eine Analyse unserer eigenen Themenfonds über die vergangenen fünf Jahre hat gezeigt, dass sie eine niedrige Korrelation ihrer Alphas, also der Überrendite des Portfolios gegenüber der Benchmark, aufweisen. Das heißt, dass es möglich ist, über die Kombination verschiedener Themen in einem globalen Aktienportfolio Risiken zu reduzieren.
Die Strategien von GSAM sind auffallend breit angelegt. Was ist der Grund dafür?
Barrs: Uns ist wichtig, dass wir zu jeder Strategie ausreichend Anlagemöglichkeiten zur Verfügung haben, die explizit mit dem jeweiligen Investmentthema verbunden sind. Wir investieren nur in solche Unternehmen, die auch im Hinblick auf fundamentale Kriterien wie Qualität und Bewertung unsere Anforderungen erfüllen. Das gelingt aber nur dann, wenn das Investmentthema, und damit auch das Anlageuniversum nicht zu eng gefasst sind. Wasser ist ein gutes Beispiel. Wir halten das zwar für ein spannendes Thema, aber es gibt derzeit nur rund 30 bis 40 börsennotierte Firmen, bei denen wir einen direkten Zusammenhang zum Thema sehen. Wir haben das Wasser-Thema daher in das übergreifende Umwelt-Thema integriert.
Megatrends heutzutage in aller Munde. Auf welche Megatrends stützen Sie sich bei der Ableitung Ihrer Investmentstrategien?
Luke Barrs: Wir haben vier Megatrends ausgemacht, die wir derzeit für investierbar halten. Dazu zählt der technologische Fortschritt durch Digitalisierung, Automatisierung und den Bereich Big Data. Als zweites sehen wir im Konsumverhalten der sogenannten Millennials einen signifikanten Trend, aus dem sich eine Investmentstrategie ableiten lässt. Ein drittes und ebenso wichtiges Thema ist die Zukunft des Gesundheitswesens mit Fokus auf der Genomforschung und Präzisionsmedizin. Der vierte Trend ist die ökologische Nachhaltigkeit mit Unterthemen wie den Erneuerbaren Energien, der Ressourceneffizienz und der Kreislaufwirtschaft. Aus jedem dieser Trends haben wir eine Investmentstrategie abgeleitet, aus dem Technologie-Trend sogar zwei.
Wie viele Unternehmen müssen vorhanden Sein, um ein Thema eingehend abzubilden?
Barrs: Wir haben dafür keine feste Zahl definiert, aber 300 bis 400 Unternehmen sollte es schon umfassen, um ein Thema umfassend abzubilden und ein konzentriertes Portfolio aus etwa 40 qualitativ hochwertigen Aktienwerten aufbauen zu können.
Wie erreichen Sie bei Themeninvestments eine angemessene Volatilität?
Barrs: Das hängt vom Thema und vom jeweiligen Management ab. Als aktive Asset Manager betreiben wir fundamentales Research und wählen robuste Unternehmen aus, die uns durch ihre Bilanzen und Wachstumsprofile überzeugen können. Diese sind traditionell weniger volatil als andere Werte.
Welche Rolle spielen Nebenwerte in der richtigen Positionierung bei Trends und Innovationen?
Barrs: Eine gute Frage. Die meisten Themenfonds haben zumindest einen Anteil an Small und Mid Caps. Und zwar aus zwei Gründen: Das Innovationstempo hat sich erhöht. Es kommen mehr kleinere Unternehmen auf den Markt, die mit ihren innovativen Technologien eine disruptive Wirkung in bestehenden Märkten erzeugen können. Der zweite Grund: Viele Themen lassen sich in ihrer Reinheit meist besser über kleinere Firmen spielen. Ein großer Konzern hat häufig auch mehrere Geschäftsfelder, die nicht alle zu einem Thema passen, aber dennoch den Aktienkurs des Unternehmens beeinflussen.
Rees: Bei der Integration einer Themenstrategie ins Portfolio kann man die Small-Cap-Charakteristik auf mehrere Arten nutzen: als Startposition für ein Small-Cap-Portfolio, als Diversifikator zu Large Caps oder einfach als ein aktives Risiko zu einem Core-Aktien-Portfolio. Die Themen können Anlegern helfen, über Engagements in Small Caps und Schwellenländern zu diversifizieren. Das sind Bereiche, die viele Anleger unterallokiert haben.
Wie gestaltet sich der Vertrieb von Themenfonds?
Barrs: Das Feedback ist gut und wir erhalten sogar Ideen für weitere Themenstrategien. In neun von zehn Fällen ist jedoch klar, dass diese Vorschläge aus bereits genannten Gründen nicht infrage kommen. Viele Kunden finden sehr konzentrierte Themen wie etwa die Raumfahrt spannend. Konzeptionell ist das fraglos ein faszinierendes Thema, das Anleger begeistern kann. Praktisch ist es aber nicht in einer Investmentstrategie umsetzbar. Über die Börse sind kaum passende Unternehmenstitel zu bekommen, allenfalls Fluggesellschaften und Flugzeughersteller, wodurch das Thema wieder verwässern würde.
Rees: Eine häufige Frage aus dem Vertrieb bezieht sich darauf, ob und wie eine thematische Anlagestrategie in ein bestehendes Anlegerportfolio passt. Schließlich sind einige der Megatrends bereits in den Portfolios bestehender Strategien berücksichtigt. Wir haben daher einige der größten Fonds mit unterschiedlichen Anlagestrategien analysiert: globale Wachstumsstrategien, traditionelle, thematische und regionale sowie faktorbasierte Strategien. Die Korrelation der Überrenditen zwischen diesen erfolgreichen, beispielhaft genannten Strategien und unserer zum Vergleich herangezogenen Millennials-Strategie war gering. Obwohl einige Themenideen in anderen Anlagestrategien vorhanden sein können, zeigt uns die niedrige Korrelation der Überschussrenditen, dass sich die Ergebnisse thematischer Strategien sinnvoll von denen weit verbreiteter Anlageprodukte unterscheiden können.
Quelle : AdvisorWorld
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