LGT Navigator : Zum Wochenschluss bleibt die Börsenstimmung angeschlagen. Die Erwartung einer restriktiveren Geldpolitik der US-Notenbank und steigende Renditen am Anleihenmarkt setzen die Aktienkurse verstärkt unter Druck.
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Für zunehmende Nervosität sorgt auch der verschärfte Ton im Ukraine-Konflikt. Heute trifft sich US-Aussenminister Blinken mit seinem russischen Amtskollegen Lawrow in Genf zu Gesprächen. Während die USA und ihre westlichen Verbündeten einen Rückzug der russischen Truppen fordern, verlangt Moskau Sicherheitsgarantien und ein Ende der Osterweiterung des westlichen Militärbündnisses Nato.
In New York mussten die Aktienindizes erneut Federn lassen und ein anfänglicher Erholungsversuch misslang. Der Dow Jones Industrial und der S&P 500 gaben nach bereits vier verlustreichen Tagen nochmals um rund ein Prozent nach. Vor dem Hintergrund gestiegener Anleihenrenditen waren die Abgaben an der Technologiebörse Nasdaq noch deutlicher. Die Indizes verloren am Donnerstag rund -1.3%. Die Rendite von US-Staatsanleihen notierten entlang der Kurve leicht tiefer, nachdem sie zu Beginn der Woche stark angestiegen waren und die Rendite zehnjähriger Treasuries mit rund 1.9% ein Zweijahreshoch erreicht hatte.
In Asien gaben die meisten Aktienindizes zum Ende dieser Woche nach und schlossen sich damit dem Trend der Wall Street an. Für Europas Börsen signalisieren die Futures-Märkte am Freitag ebenfalls eine negative Eröffnung. In den Fokus rückt nun die erste Sitzung des geldpolitischen Rates (FOMC) der US-Notenbank (Fed) am kommenden Mittwoch. Zudem wird die Unternehmensberichtssaison in der nächsten Woche deutlich an Fahrt aufnehmen.
Positives Zeichen für US-Industriesektor
Die Unternehmensstimmung in der Industrie im Grossraum Philadelphia hat sich zu Jahresbeginn gemäss der regelmässigen Umfrage der dortigen Notenbankniederlassung deutlich verbessert. Der Philly-Fed-Index legte dabei stärker als erwartet um 7.8 auf 23.2 Punkte zu (Konsens 19.0), womit der regionale Industriebarometer einen soliden Wachstumstrend signalisiert.
Schlechter als angenommen fielen hingegen die wöchentlichen US-Arbeitsmarktdaten aus. So erhöhten sich die Erstanträge auf Arbeitslosenentschädigung um 55’000 auf 286’000, während Analysten mit einem Rückgang auf 225’000 Jobless Claims gerechnet hatten.
EZB-Präsidentin Lagarde bleibt hinsichtlich der Inflation entspannt…
Sollte die Europäischen Zentralbank (EZB) die Leitzinsen zu schnell erhöhen, besteht die Gefahr, die Wirtschaftserholung auszubremsen, meinte Notenbankchefin Christine Lagarde in einem Interview. Gleichzeitig bekräftige die oberste europäische Währungshüterin, dass die EZB nach wie vor von einer Stabilisierung der Inflation und einem schrittweisen Rückgang im Laufe dieses Jahres ausgeht. Für 2021 prognostiziert die EZB eine Teuerungsrate von +3.2%.
Das Protokoll der letzten Zinssitzung der EZB vom 16. Dezember bestätigt die Einschätzung der EZB-Vorsitzenden und zeigte, dass sich die Ratsmitglieder im Basisszenario in Bezug auf den Inflationsausblick einig waren. Demzufolge geht die Notenbank davon aus, dass der stark gestiegene Inflationsdruck vorübergehender Natur sein wird und sich im Laufe des Jahres 2022 abschwächen sollte. Da aber ein nachhaltigerer Anstieg der Lebenshaltungskosten in der Eurozone nicht ausgeschlossen werden kann, müsse sich die EZB die Flexibilität bewahren, um sicherzustellen, dass die Inflationserwartungen in beiden Richtungen verankert bleiben und damit die Glaubwürdigkeit der EZB gewahrt wird.
…während Inflationsrate im Euroraum ein neues Rekordhoch erreicht
Die Jahresteuerungsrate der Verbraucherpreise in der Eurozone ist im Dezember auf +5.0% von +4.9% im Monat zuvor angestiegen und erreichte damit einen neuen Rekordwert, respektive ist auf dem höchsten Niveau seit Einführung des Euros. Hintergrund des Preisanstiegs bleiben hauptsächlich die Energiepreise, die auf Jahressicht um rund +25% zugelegt haben. Ohne Berücksichtigung der Energiekomponente betrug die Kerninflationsrate +2.6%.
Deutsche Erzeugerpreise mit stärkstem Anstieg seit 73 Jahren
Die Preise auf Produzentenebene sind in Deutschland Ende des letzten Jahres um +24% gegenüber der Vorjahresperiode gestiegen (Konsens +19%). Im Monatsvergleich stiegen die Erzeugerpreise kräftig an, nämlich um +5.0% (Konsens +0.6%). Damit wurde sowohl auf Jahres- wie auch auf Monatssicht der stärkste Anstieg seit Beginn der Datenreihe 1949 beobachtet. Die deutschen Unternehmen berichteten, dass sie im Dezember für Energie knapp +70% mehr bezahlen mussten als ein Jahr zuvor. Auf das Gesamtjahr 2021 betrachtet, erhöhten sich die Erzeugerpreise in Deutschland um +10.5%.
Wirtschaftskalender 21. Januar
| MEZ | Land | Indikator | Letzte Periode |
| 07:00 | GB | Einzelhandelumsätze (Dezember, M/M) | +1.4% |
| 13:30 | EZ | EZB Präsidentin Lagarde | |
| 16:00 | EZ | Konsumentenstimmung (Januar) | -8.3 |
| 16:00 | USA | Frühindikator (Dezember, M/M) | +1.1% |
Unternehmenskalender 21. Januar
| Land | Unternehmen | Periode |
| SWE | Investor | Jahreszahlen |
| USA | Schlumberger | Q4 |
| USA | Ally Financial | Q4 |
Quelle: BondWorld.ch
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