LGT Navigator : Wie erwartet beliess die US-Notenbank (Fed) ihre Leitzinsen in einer Spanne von 3.5-3.75% unverändert.
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Angesichts der Aussicht auf eine wieder anziehende Inflation dürfte dies nicht das letzte Mal gewesen sein, dass die Fed den Zinssatz unangetastet lässt. In ihrer Stellungnahme wies die Fed auf Inflationsrisiken durch Zölle und Energiepreise hin. Die Bank of Japan (BoJ) beliess ihre Geldpolitik ebenfalls unverändert. Die Aktienkurse an der Wall Street notierten am Mittwoch tiefer nach stärker als erwartet ausgefallenen Produzentenpreisen, was die Sorge verstärkte, dass die sprunghaft gestiegenen Ölpreise die Konjunktur belasten könnten. Heute geben die grossen europäischen Zentralbanken ihre Zinsentscheide bekannt.
Fed-Chef Jerome Powell sagte am Mittwochabend, dass die Inflation in den USA hartnäckig bei rund 3% verharre, wobei ein grosser Teil der Abweichung vom 2%-Ziel auf zollbedingte Preiserhöhungen infolge der handelspolitischen Massnahmen von US-Präsident Donald Trump zurückzuführen sei. Powell bezifferte, dass zwischen der Hälfte und drei Viertel der Lücke zum Ziel auf Zölle entfallen könnten. Die Fed rechnet damit, dass die Zölle zu einem einmaligen Preissprung führen, der im Zeitverlauf abklingen sollte, doch die Unsicherheit über künftige Zollniveaus und den Zeitpunkt der vollständigen Weitergabe erschwert den Ausblick. Ausserdem beobachtet die Zentralbank den kriegsbedingten Anstieg der Energiekosten im Zusammenhang mit dem Iran aufmerksam, wobei der Ölpreis über USD 100 pro Barrel liegt, und analysiert, wie sich höhere Preise für Diesel, Flugtreibstoff und andere erdölbasierte Vorleistungen von der Gesamtinflation in die Kerninflation durchsickern. Powell betonte, die Fed sei bei Bedarf zum Handeln bereit; ob sie den Energieschock ausblende, hänge davon ab, ob bei der Senkung der Kerninflation Fortschritte erzielt würden, während die Zolleffekte nachlassen.
US-Aktien geben wegen neuer Inflationssorgen nach
Die US-Aktienmärkte haben am Mittwoch nachgegeben, da steigende Ölpreise, stärker als erwartete Produzentenpreise und ein vorsichtiger Ton der Fed die Inflationssorgen neu entfachten und die Erwartungen für Zinssenkungen dämpften. Der Dow Jones Industrial Average schloss 1.6% tiefer bei 46’225.15 Punkten, der breite S&P 500 verlor 1.4% auf 6624.70 Punkte und der technologieorientierte Nasdaq 100 gab 1.4% nach, während der Preis für US-Rohöl im Zuge der eskalierenden Iran-Spannungen im Nahen Osten wieder stieg. Die Produzentenpreise, welche die Veränderungen der Grosshandelspreise abbilden, sind im Februar um 0.7% gestiegen und lagen damit deutlich über der Konsensschätzung von 0.3%. Dies verdeutlicht, dass die Inflation bereits vor dem aktuellen Konflikt im Nahen Osten, der angesichts steigender Ölpreise die Stagflationsängste verstärkt, in einer heiklen Lage war. Der Kern-PPI legte um 0.5% gegenüber dem Vormonat und um 3.5% gegenüber dem Vorjahr zu, womit beide Werte über den Erwartungen lagen.
BoJ belässt Zinsen unverändert und warnt vor Ölpreis-getriebener Inflation
Die Bank of Japan hat ihren kurzfristigen Leitzins am Donnerstag unverändert bei 0.75% belassen. Der Entscheid fiel im neunköpfigen Gremium nahezu einstimmig; einzig Direktor Hajime Takata sprach sich angesichts der Aufwärtsrisiken für die Inflation für eine Erhöhung um 25 Basispunkte aus. Die Notenbank warnte, dass höhere Ölpreise im Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran die Verbraucherpreise mittel- bis langfristig nach oben treiben könnten, geht aber weiterhin davon aus, dass der Gesamtinflation im kurzfristigen Horizont der Druck nachlässt, da frühere Belastungen durch hohe Lebensmittel- und Energiekosten abklingen. Die BoJ bekräftigte ihre Einschätzung, dass die zugrunde liegende Verbraucherpreisinflation allmählich anziehen und das 2%-Ziel später im Jahr 2026 erreichen dürfte. Entscheidend für weitere Straffungsschritte ist dabei der Ausgang der laufenden Lohnverhandlungen im Frühjahr. Der Yen reagierte kaum auf den Entscheid und notiert weiterhin nahe seinen schwächsten Ständen seit Mitte 2024, während der Nikkei-225-Index nachgab.
Asiens Börsen fallen nach BoJ-Entscheid und Ölpreissprung
Die Aktienmärkte in Asien gaben am Donnerstag im Anschluss an den geldpolitischen Entscheid der BoJ nach. Der Nikkei 225 sank um 2.6% und der breiter gefasste TOPIX verlor 2%, während der südkoreanische KOSPI, der Straits Times Index in Singapur, der Shanghai Composite und der CSI 300 in China sowie der Hang-Seng-Index in Hongkong allesamt im Minus schlossen. Hintergrund war, dass der Preis für Brent-Öl am Mittwoch über USD 110 pro Barrel gestiegen war und seine Gewinne ausbauen konnte. Der jüngste Ölpreisschub folgte auf iranische Angriffe auf Energieinfrastruktur in mehreren Ländern des Nahen Ostens. Dies schürt die Sorge vor länger anhaltenden Störungen der Transportwege durch die Strasse von Hormus. Die Risikostimmung wurde zusätzlich durch den Zinsentscheid der Fed mit leicht restriktivem Unterton belastet. Der australische Leitindex S&P/ASX 200 verlor 1.5%, nachdem Daten einen Anstieg der Arbeitslosenquote im Februar gezeigt hatten.
Ölschock erschwert den Ausblick der Zentralbanken – EZB, SNB und BoE dürften Zinsen halten
Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte ihren Leitzins heute mit hoher Wahrscheinlichkeit bei 2% belassen. Allerdings hat der jüngste Sprung der Öl- und Gaspreise im Zuge der Krise im Nahen Osten dazu geführt, dass die Märkte für dieses Jahr mindestens eine Zinserhöhung einpreisen und bei anhaltend hohen Inflationsrisiken eine zweite nicht ausschliessen. Der Sprung der Ölpreise könnte die Inflation deutlich erhöhen und das Wachstum leicht dämpfen. Ökonominnen und Ökonomen argumentieren, dass es dafür eine längere Phase mit Ölpreisen über USD 100 sowie klar erkennbare Zweitrundeneffekte bei Löhnen und Inflationserwartungen bräuchte.
Von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) wird heute erwartet, dass sie ihren geldpolitischen Kurs mit einem Leitzins von 0% unverändert lässt – und dies voraussichtlich bis Ende 2026 –, wobei sie bei Bedarf weiterhin Devisenmarktinterventionen einsetzen dürfte, um einer weiteren Aufwertung des Schweizer Frankens entgegenzuwirken, solange die Inflationsrisiken gedämpft bleiben.
Die Bank of England wird ihre Leitzinsen nach einer deutlichen Aufwärtsrevision ihrer Inflationsprognosen höchstwahrscheinlich ebenfalls unverändert lassen. Die britische Notenbank geht davon aus, dass die erhöhten Gaspreise die Rückkehr der Inflation zum Zielwert verzögern werden. An den Märkten wird nun die erste Zinssenkung der BoE erst im ersten Quartal 2027 erwartet, was auf eine verlängerte Pause in der britischen Geldpolitik hindeutet.
Schweizer Szenario für höhere Ölpreise
Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) wies am Mittwoch darauf hin, dass das Wirtschaftswachstum schwächer und die Inflation höher ausfallen würden als derzeit prognostiziert, falls der Ölpreis in den Jahren 2026 und 2027 deutlich über der Basisannahme von USD 70 pro Barrel bliebe. In einem Szenario, in dem der Ölpreis in diesem Jahr im Durchschnitt knapp über USD 90 und im nächsten Jahr knapp unter USD 80 liegt, erwartet Seco für die Schweiz ein BIP-Wachstum von 0.8% im Jahr 2026 und 1.6% im Jahr 2027 – verglichen mit 1% beziehungsweise 1.7% im Basisszenario. Gleichzeitig würde die durchschnittliche Inflation in beiden Jahren bei 0.7% liegen statt bei 0.4% und 0.5%. Seco betont, dass die Auswirkungen auf die Schweiz im Vergleich zur Eurozone moderat sind, unter anderem weil die Schweiz weniger stark von Öl und Gas abhängig ist, Energie im Landesindex der Konsumentenpreise deutlich geringer gewichtet ist und der starke Franken einen Teil des Preisdrucks abfedert.
Das Konjunkturforschungsinstitut KOF ergänzte, dass das Schweizer BIP, bereinigt um grosse internationale Sportanlässe, in diesem Jahr voraussichtlich um 1% wachsen wird, nach zuvor erwarteten 1.1% und klar unter dem langfristigen Durchschnitt von 1.8%. Sollte der derzeit erhöhte Ölpreis nicht bald wieder auf ein normales Niveau zurückkehren, würden sich die Wachstumsaussichten für 2026 deutlich eintrüben, warnte KOF.
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Quelle: InvestmentWorld.ch
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