Die griechische Sagenwelt und Geschichte scheint genauso unerschöpflich zu sein, wie die griechische Schuldensaga selbst. So erinnern die letzten Wochen geradezu an einen Marathonlauf, bei dem – trotz der Einigung auf dem Euro-Gipfel – Ende und Ergebnis noch nicht absehbar sind:…
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Hans-Jörg Naumer Global Head of Global Capital Markets & Thematic Research
In Europa hat das „Agreekment“ (ein schönes Wortspiel aus „Agreement“ und „Greek“) die ersten Realitätstests bestanden. Das Gipfel-Agreekment ging durch das griechische Parlament und eine Reihe von Euroland-Parlamenten haben von ihrer Seite aus zugestimmt. Damit kann der Hürdenlauf mit den Verhandlungen der Eurogruppe zur Umschuldung weitergehen. Gleich am Montag werden Forderungen der EZB über 3,5 Milliarden Euro fällig. Die Brückenfinanzierung dafür zeichent sich ab.
Während nach Janet Yellens Worten jetzt eine Zinsanbehung der Fed noch in diesem Jahr äußerst wahrscheinlich ist, dürfte sich die EZB nicht bemüßigt fühlen an ihrem QE-Programm etwas zu ändern. Daran erinnerte die jüngste Ratssitzung. Allerdings zeigt unser QE-Monitor auch, dass sich die EZB jetzt auf die sommerliche Dürreperiode an den Anleihemärkten einstellen muss, was dann zu Verlagerungen des Kaufprogramms in den Herbst hinein führen kann.
Die eine oder andere konditionelle Schwäche zeigt sich auch bei der Konjunktur. Der Welthandel hat sich merklich abgeschwächt. Die Rohstoffpreise kommen nicht ins Laufen. Die asiatische Region ist gekennzeichnet von einer augenscheinlichen Exportschwäche, während bei den aufstrebenden Staaten disinflationäre, wenn nicht sogar deflationäre (z.B. Singapur, Taiwan und Thailand) Tendenzen vorliegen. Brasilien und Russland bewegen sich in der Rezession. In Japan hat das Konjunktur- momentum an Spannkraft verloren und der US-Konjunktur wäre nach einem ruhigen ersten Quartal ein kräftigeres Durchstarten zu wünschen gewesen. Erfreulich zeigt sich dagegen die Datenlage im Vereinigten Königreich.
Während sich die Konjunkturdaten für die chinesische Wirtschaft verbessert haben, bleibt am chinesischen, inländischen Aktienmarkt der lange Atem eines Dauerläufers gefragt. Dieser erholte sich zwar über das Wochenende der Vorwoche hinweg kräftig, nicht zuletzt aufgrund der Belebungsmaßnahmen der chinesischen Regierung. Ob er sich damit aber in einer stabilen Zone bewegt, bleibt abzuwarten. Der Shanghai Composite und der Shenzhen CSI 300 sind mit dem 17 – 18-fachen des KGVs auf Basis der für die nächsten 12 Monate erwarteten Gewinne bewertet. Der ChiNext Composite, der Markt für Wachstumswerte ist mit dem 60-fachen des Forward-KGVs gepreist – selbst nachdem er um ca. 30% korrigierte (vgl. Grafik der Woche). Sportlich.
Derweil startet die Berichtssaison richtig durch. Am deutschen Aktienmarkt steht sie in Startposition, am US-amerikanischen geht sie in die nächste Runde und nimmt Fahrt auf. Die Hürden sind nicht all’ zu hoch gesteckt. Im Gegenteil. Bei den US-amerikanischen Titeln liegt das Verhältnis negativer zu positiver Revisionen bei den Analystenerwartungen auf historisch hohem Niveau. Die stärksten Rücknahmen bei den Gewinnerwartungen gab es dabei für den Energiesektor. Insgesamt lässt dies Raum für positive Überraschungen.
In der kommenden Woche ist der Kalender bei den Konjunkturin-dikatoren vergleichsweise gering gefüllt, was Raum für ein Durch-atmen lässt. Am Montag stehen die Produzentenpreise in Deutsch-land an, am Mittwoch die Protokolle der Bank of England. Am Donnerstag dann kommen das Konsumentenvertrauen für die Eurozone, die Erstanträge auf Arbeitslosengeld in den USA und der Aktivitätsindex der Chicago-Fed. Den Abschluss bilden dann die Markit-Einkaufsmanagerindizes für die USA und die Eurozone am Freitag.
Die technische Lage auf der Aktienseite hat sich verbessert, aber ein Rückschlag ist nicht auszuschließen: Die großen Indizes haben sich wieder von der 200-Tageslinie befreit. Die Relative-Stärke-Indizes bewegen sich im Bereich der Entspannung. Die Volatilität, gemessen am VIX, VSTOXX und VDAX, ist über die letzten Tage hinweg gesunken. Eine Entwicklung, die auch für die Aktienmärkte Japans und der Emerging Markets zutrifft.
Auch einige Risikomaße weisen auf ein Durchatmen hin. So hatten sich die Renditezuschläge der Euro-Peripherieländer im Umfeld des Euro-Gipfels nur kurzseitig ausgeweitet, der Spread der 10-jährigen Griechenlandanleihe spielt gegenüber den Bunds fast schon ein Ende der Krise und die Credit-Default-Swaps sahen nur einen kurz-zeitigen „Hick-up“.
Quelle: BondWorld.ch
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