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ODDO BHF CIO View: Die Europäische Zentralbank vor der Zinswende

ODDO BHF AM: „Wenn die Wirtschaft Fahrt aufnimmt und die Inflation anzieht, ist es Zeit vom geldpolitischen Gaspedal zu gehen…

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Von Prof. Dr. Jan Viebig, Chief Investment Officer von ODDO BHF


Die Andeutungen eines möglichen geldpolitischen Kurswechsels von Frau Lagarde während der EZB-Pressekonferenz am 3.2.2022 haben an den Märkten bereits deutliche Spuren hinterlassen. Der Euro verteuerte sich nach der Sitzung des EZB-Rats am 3. Februar um rund 1½ US Cents auf knapp 1,1450 US$. Die Rendite von Bundesanleihen (mit zehnjähriger Restlaufzeit), die erst Anfang Februar die Nulllinie nach oben durchstossen hatte, zog auf über 0,20% an. Am Geldmarkt wird derzeit eine Zinserhöhung von 50 Basispunkten im Jahr 2022 eingepreist. Der für das Marktzinsniveau relevante Einlagensatz der EZB würde sich also der Nulllinie annähern – das Ende der Negativzinssätze wäre gekommen! Die EZB scheint sich mit den Vorstellungen des Marktes jedoch schwer zu tun. Bei ihrem Auftritt vor dem Europäischen Parlament am 9. Februar 2022 bemühte sich Lagarde, die Markterwartungen „einzufangen“. Sie sprach von einem graduellen Vorgehen der EZB. Und EZB-Vizepräsident Luis de Guindos wies in seiner Rede am 10. Februar 2022 auf die unterschiedliche wirtschaftliche Ausgangslage im Euroraum und den USA hin.

Aus unserer Sicht wird der hohe Inflationsdruck dazu führen, dass die Leitzinsen in den USA mindestens vier Mal im Jahr 2022 erhöht werden. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit stark gestiegen, dass die EZB noch in diesem Jahr die Zinsen anheben wird. Das bedeutet für uns: Die Duration bei Anleihen muss weiterhin kurz sein in einem Umfeld steigender Zinsen. Wir meiden teure Wachstumswerte, die keine, geringe oder sehr unsichere Cashflows aufweisen. Extrem hoch bewertete Aktien, deren Bewertung allein auf weit in der Zukunft liegenden Cashflows basiert, korrigieren in einem Umfeld steigender Zinsen besonders stark, wenn die Gewinnerwartungen der Aktionäre enttäuscht werden. Wer Qualitätsaktien zu einem angemessenen Kurs – wie wir – sucht, meidet solche Werte auch weiterhin. Zudem sind wir weiterhin nicht in Anleihen der höher verschuldeten EU-Mitgliedstaaten engagiert, da die Zinsen dort am stärksten steigen und die Anleihekurse fallen werden, wenn die EZB die Ankaufprogramme von Staatsanleihen zurückfahren wird.“

Quelle: BondWorld.ch


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