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Sectoral AM: Covid-Impfstoff-Patentverzicht

Sectoral AM : Covid-Impfstoff-Patentverzicht: Wird er den weltweiten Zugang verbessern?

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Von Alain Gilbert, Venture Partner, Sectoral Asset Management


Bisher haben Millionen von Menschen eine oder zwei Impfungen erhalten. Da neigen wir dazu, zu vergessen, dass eine solch erstaunliche Wirksamkeit des Impfstoffs, der über eine unglaubliche Lieferkette auf der ganzen Welt verteilt wurde, in weniger als 12 Monaten erreicht wurde.

Die Überlegung, dass das geistige Eigentum am Covid-Impfstoff der Menschheit gehören könnte, ist durchaus legitim. Schliesslich haben mehrere Regierungen, allen voran die USA, Milliarden von US-Dollar ausgegeben, um entweder einige dieser Unternehmen zu finanzieren und/oder Vorbestellungen auf Risiko zu tätigen. Dies in der Absicht, die Entwicklung auf parallelen Pfaden und die Herstellung in grossem Massstab zu sichern – ebenfalls auf Risiko. Die gemeinsame Überzeugung ist, dass durch den Verzicht auf das Patentrecht Covid-Vakzine in armen Ländern schneller und zu geringeren Kosten zur Verfügung stehen könnten, dass Pharmafirmen keinen Gewinn mit diesem Produkt machen sollten. Und schliesslich, dass die Solidarität zum Wohle der Menschheit überwiegen sollte.

Die obige Rhetorik vergisst leider einen wichtigen Parameter in der ganzen Gleichung: Ohne private Unternehmensinitiativen, finanziert durch Aktionärsgelder, die eine Rendite erwarten, aussergewöhnliche Initiativen von Unternehmern, enorme risikoreiche Investitionen in die Produktion lange bevor Covid-19 auftauchte, wären diese Impfstoffe heute sicher nicht verfügbar.
In der Tat haben nur wenige Pharmaunternehmen vor der aktuellen Krise jahrelang an mRNA gearbeitet und Hunderte von Millionen an Aktionärsgeldern in die Entwicklung dieser Technologie gesteckt. Dies ist eindeutig der Fall bei Moderna und BioNtech, die Ende Dezember 2019 fast über Nacht einige ihrer internen Programme auf Covid-Impfstoffe umstellen konnten. Dies geschah zügig, auf Risiko für sie, und vor der staatlichen Finanzierung. Ohne diese vorherigen Investitionen der Anteilseigner würden wir uns heute nicht über Hunderte von Millionen geimpfter Menschen auf der ganzen Welt freuen.

Die unmittelbaren Auswirkungen eines Patentverzichts für Covid-Impfstoffe werden wahrscheinlich durch mehrere Faktoren abgeschwächt. Abgesehen vom Patent selbst haben Impfstoffunternehmen ein internes Know-how entwickelt, das für eine erfolgreiche Herstellung entscheidend ist. Die führenden Covid-Impfstoffhersteller haben bereits öffentlich erklärt, dass sie sich weigern, dieses proprietäre Wissen im Falle eines Patentverzichts weiterzugeben. Darüber hinaus wird die Unterbrechung der Lieferkette wahrscheinlich zu Verzögerungen bei der Herstellung für den Impfstoffhersteller führen.

Die Lösung besteht vielmehr darin, bestehende Impfstoffhersteller dazu zu bewegen, bereits zugelassene Anlagen zu vergrössern, kombiniert mit der staatlichen Lenkung von Teilen dieser Produktionen an Entwicklungsländer zu einem erschwinglichen Preis. Ein Beispiel, wenn auch bisher nicht gut ausgeführt, ist die Vereinbarung, die AstraZeneca mit dem Serum Institute of India (ISS) unterzeichnet hat, um die Rechte für die lokale Herstellung eines kostengünstigeren Covid-Impfstoffs für Entwicklungsländer, einschliesslich Indien, zu erhalten, wobei im Rahmen einer Lizenzvereinbarung symbolische Lizenzgebühren gezahlt werden1.

Geistiges Eigentum ist das Rückgrat der Pharmabranche. Es muss erhalten bleiben, um Investoren die Gewissheit zu geben, dass sie für ihre Investitionen eine faire Rendite erhalten. Wir sind zuversichtlich, dass die von den Regierungen gesteckten Ziele, Gesundheitsprodukte für die ärmsten Länder der Welt verfügbar zu machen, erreicht werden können, ohne das Patentsystem zu beeinträchtigen.

1 AstraZeneca (Jan 6 2021) https://www.astrazeneca.com/media-centre/press -releases/2021/serum-institute-of-india-obtains-emergency-use-authorisation- in-india-for-astrazenecas-covid-19-vaccine.html

Quelle: AdvisorWorld.ch


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