Stucki Thomas St. Galler Kantonal Bank 2025

St. Galler Kantonalbank : US-Treasuries – eine toxische Anlage?

St. Galler Kantonalbank : Längere Zeit war es ruhig um die Schulden der Staaten an den Finanzmärkten. Zuerst dominierte die Androhung einer KI-Blase, dann die Ruhe der Feiertage, bevor die Machtgelüste von Donald Trump die Schlagzeilen beherrschten.

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Von Dr. Thomas Stucki  CIO der St. Galler Kantonalbank


Dass weder in den USA noch in Frankreich ein stabiles Budget vorhanden ist, interessierte niemand. Dass die US- Schulden seit dem Ende des Shutdowns Anfang Oktober um 1’000 Mrd. US- Dollar auf 38’500 Mrd. US-Dollar gestiegen sind, blieb im Verborgenen der Datenbanken. Dass Trump das Sparen im Bundesbudget aufgegeben hat und vor den Zwischenwahlen das Geld mit vollen Händen an seine Klientel verteilen will, wurde mit einem Achselzucken zur Kenntnis genommen. Erst als die Renditen der langen Obligationen in Japan auf die dortige Schuldenpolitik reagierten und innert zwei Tagen von 3.40% auf 3.80% gestiegen sind, hat der Finanzmarkt sich dem Thema wieder angenommen.

Der Zinsanstieg in Japan ist auf die USA übergeschwappt. Die Rendite des 30- jährigen US-Treasury ist auf 4.90% gestiegen und nähert sich wieder der ominösen Marke von 5%, die als «gefährlich» eingestuft wird. Der Finanzminister Scott Bessent warnt die Marktteilnehmer vor Spekulationen und die Fed erwägt, am Devisenmarkt gegen den Yen zu intervenieren, um die Märkte in Japan zu beruhigen.

Verkauf von US-Treasuries als Drohgebärde

Donald Trump hat sich mehr darüber geärgert, dass eine dänische Pensions- kasse sich erdreistet, sich öffentlich aller US-Treasuries zu entledigen. Die betroffene Summe von 100 Mio. US-Dollar ist für den Treasury-Markt ein Retail- Geschäft, aber das Signal ist offensichtlich angekommen. Die Drohung europäischer Politiker, dass die Zentralbanken ihre US-Treasuries ebenfalls auf den Markt werfen können, ist dagegen eher in der Rubrik «Trötzeln» einzustufen. Sich im grösseren Stil von den amerikanischen Papieren jetzt zu trennen, wäre für die Zentralbanken nicht klug. Verkäufe von US-Treasuries lassen sich nicht im Stillen abwickeln, sondern sind öffentlich zugängig. Die Zentralbanken werden sich hüten, sich in die aktuelle politische Konfrontation einzumischen, um die Diskussion um ihre Unabhängigkeit von der Politik nicht noch mehr zu befeuern. Zudem brauchen sie alternative Möglichkeiten für grosse Beträge. Da kommen eigentlich nur Staatsanleihen aus Japan oder den Euroländern in Frage. Von denen haben sie jedoch auch schon viele. Sie könnten aber auf eine Wiederanlage verfallender US-Treasuries verzichten und so den Bestand über die Zeit abbauen. Die Chinesen machen das schon seit Jahren so.

Transparenz ist gefragt, zumindest

Anders sieht es für private Investoren und für die Pensionskassen auf. Angesichts der zunehmenden Unzuverlässigkeit der Amerikaner und der Belastung der US-Politik für den US-Dollar macht es wenig Sinn, US-Staats- anleihen zu halten. In abgeschwächter Form lässt sich diese Aussage auf US- Dollar-Anleihen generell übertragen. Schwieriger wird es für Investoren, die sich dem passiven Management verschrieben haben und ihre Obligationen gemäss globalen Indizes wie dem Bloomberg Global Ag abdecken. Diese sollten sich zumindest klar werden, wie stark sie wo investiert sind und welche Risiken sie tragen. Die US-Dollar-Anleihen machen im Index 45% des Gewichts aus, die US- Treasuries allein 19%. Dazu kommen grosse Bestände in den staatsnahen Hypotheken-Verbriefer Fannie Mae und Freddie Mac, die Trump dazu verdonnern will, Hypotheken unter dem Marktpreis zu kaufen. Der zweitgrösste Einzelschuldner im Index ist zudem mit 7% das japanische Finanzministerium

Quelle: InvestmentWorld.ch


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