Raithatha Shaan Vanguard

Vanguard : EZB-Ausblick Oktober 2025

Vanguard : Nach wie vor in einer «guten Lage» – doch fallende Energiepreise machen die Tauben mutiger.

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Von Shaan Raithatha, Senior Economist und Strategist bei Vanguard


Fazit:

Die Europäische Zentralbank dürfte an ihrer Sitzung am Donnerstag den Einlagensatz mit hoher Wahrscheinlichkeit bei 2,00 % belassen. Die Konjunkturindikatoren der letzten sechs Wochen entsprachen weitgehend den Erwartungen, der Euro blieb stabil, und zahlreiche EZB-Vertreter betonten erneut, die Geldpolitik befinde sich in einer «guten Lage». Allerdings sind die Energiepreise weiter gesunken – ein Abwärtsrisiko für die Inflationsprognose der EZB, die ohnehin leicht unter dem Zielwert von 2 % liegt. Wir teilen die Einschätzung von EZB- Mitglied Gediminas Šimkus, wonach ein präventiver Zinsschritt nach unten aus Risikomanagementsicht sinnvoll sein könnte. Unser Basisszenario geht jedoch davon aus, dass die EZB bis Ende 2026 keine weiteren Anpassungen vornimmt. Die Risiken zeigen derzeit eine Tendenz zu weiteren Lockerungen.

Im Detail:

• Aktuelle Daten: Hochfrequente Indikatoren für Wirtschaftstätigkeit und Inflation seit der September-Sitzung lagen weitgehend im Rahmen der Erwartungen. In Deutschland gab es allerdings Enttäuschungen – insbesondere durch den starken Rückgang der Industrieproduktion im August. Das EZB-Personal rechnet für das dritte Quartal mit einem Nullwachstum in der Eurozone, womit die Hürde für eine wachstumsbedingte Lockerung hoch liegt.

• Energiepreise: Der Euro blieb unterdessen weitgehend stabil, während die Brent-Rohölpreise um 3 % und die TTF-Erdgaspreise um 7 % sanken. Sollte dieser Trend anhalten, dürfte die Gesamtinflation Mitte 2026 um weitere 0,2–0,3 Prozentpunkte sinken. Da die EZB für 2026 bereits einen durchschnittlichen Gesamt-VPI von nur 1,7 % erwartet, steigt das Risiko einer deutlichen Unterschreitung der Inflationsziele.

• ETS2: Zudem gibt es Spekulationen, dass die Einführung des neuen EU- Emissionshandelssystems (ETS2), die derzeit für Anfang 2027 geplant ist, verschoben werden könnte. Dies würde die EZB zwingen, ihre Inflationsprognose für 2027 ebenfalls nach unten zu korrigieren.

• Kommunikation der EZB: Die meisten Entscheidungsträger der EZB bekräftigen, der Rat befinde sich weiterhin in einer «guten Lage», und die Inflationsrisiken seien «zweiseitig». Präsidentin Christine Lagarde zeigte sich bislang wenig besorgt über ein mögliches Unterschreiten des Inflationsziels. Angesichts der aktuellen Energiepreisentwicklung erscheinen jedoch die jüngsten Kommentare von Gediminas Šimkus (Befürwortung eines «Risk Management Cut») und François Villeroy (nächster Schritt «eher nach unten als nach oben») nachvollziehbar. Weitere Zinssenkungen bräuchten aber wohl einen klaren Auslöser – auch weil Lagarde betont hat, die EZB solle keine Feinanpassungen wegen geringfügiger Abweichungen vom Inflationsziel vornehmen.

• Inflationserwartungen im Blick behalten: Der EUR-5y5y-Inflationsswap liegt aktuell zwischen 2,0 % und 2,1 %, ist in den letzten Monaten jedoch leicht gesunken. Eine unter dem Ziel liegende Inflation im ersten Halbjahr 2026 – getrieben durch tiefere Energiepreise – könnte den Druck weiter erhöhen. Sollten die mittelfristigen Erwartungen auf 1,8 % oder tiefer fallen, wäre aus unserer Sicht mindestens ein vorsorglicher Zinsschnitt («insurance cut») gerechtfertigt.

Quelle: InvestmentWorld


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