St. Galler Kantonalbank : Die Zinsen in der Schweiz sind tief. Daran wird sich so schnell nicht viel ändern. Das heisst jedoch nicht, dass es keine Bewegung im Markt gibt.
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Von Dr. Thomas Stucki CIO der St. Galler Kantonalbank
In den Wochen vor dem Jahresende sind die Swapsätze im Franken deutlich gestiegen. Der zehnjährige Zins hat sich von 0.40% auf 0.70% verteuert. Als Grund wurden Aussagen aus dem Umfeld der EZB genannt, dass der nächste Zinsschritt nach oben sei. Ob das der wahre Grund war, sei dahingestellt. Es hat aber gezeigt, dass es bei den Zinsen schnell gehen kann, wenn sich die Einschätzung der zukünftigen Geldpolitik der SNB ändert. Die Zinsbewegung von 2022 ist noch in schlechter Erinnerung, als der zehnjährige Swapzins in einem halben Jahr von 0.00% auf 2.00% emporgeschnellt ist. Von einer raschen Änderung des SNB-Leitzinses ist in der Erwartung der Märkte aber noch nichts zu sehen. Gemäss den Preisen der Saron-Futures wird erst in der zweiten Jahreshälfte 2027 eine sachte Erhöhung des Leitzinses ins Auge gefasst.
Zinserhöhungen der Zentralbanken werden meistens durch ansteigende Inflationserwartungen ausgelöst. Solche sind zumindest in der Schweiz nicht in Sicht. Die Wirtschaft wächst unterdurchschnittlich und der Engpass am Arbeits- markt, der die Löhne in die Höhe treiben kann, hat sich entspannt. Explodierende Energiepreise, der häufigste Treiber für einen Inflationsschub, sind trotz den Unruhen im Iran unwahrscheinlich. Ein Einbruch des Frankens, der die Importpreise in die Höhe drückt, bleibt ein Wunschtraum der Exportindustrie. Auch aus dem Ausland werden kaum Zinserhöhungen überschwappen. Die EZB hält sich ruhig und wird die Zinsen tief halten, um die stotternde Wirtschaft in den grossen Euroländern zu unterstützen. In den USA stehen die Zeichen auf tiefere Zinsen, zumindest bei der Fed. Was im Rest der Welt passiert, interessiert den Schweizer Zinsmarkt nur am Rande.
Tiefe Prämie für Sicherheit
Für die Käufer und Besitzer von Immobilien stellt sich die Frage, ob eine an den Geldmarkt gebundene SARON-Hypothek mit einem variablen Zinssatz oder eine langlaufende Festhypothek mit einer stabilen Zinsbelastung die bessere Variante ist. Endgültig lässt sich diese Frage nicht beantworten, da sie von den jeweiligen Rahmenbedingungen des Einzelnen abhängt. Messbar ist aber der «Preis» der Sicherheit und Planbarkeit, die eine Festhypothek bietet. Gemäss den letzten Angaben der SNB beträgt der durchschnittliche Aufschlag einer zehnjährigen Festhypothek gegenüber einer Geldmarkthypothek rund 0.8%. Das ist zwar mehr als während der Negativzinsphase, als etwa 0.6% mehr bezahlt werden musste, aber immer noch wenig. Im Vorfeld der Leitzinserhöhungen der SNB 2022 ist die Zinsdifferenz auf 2.0% gestiegen, was auch im längeren historischen Vergleich hoch ist.
Profitieren von tiefen Zinsen
Wer mit den wechselnden Zinskosten einer SARON-Hypothek finanziell und emotional umgehen kann, für den ist eine solche zu bevorzugen. Die Zinsen sind aktuell tief und werden es noch eine Weile so sein. Es wird in den nächsten Jahren zu höheren Zinskosten kommen, aber diese sollten sich in Grenzen halten. Auf der anderen Seite ist der Zinsaufschlag von Festhypotheken gering und das absolute Zinsniveau attraktiv. Solange die SNB nicht zum Mittel der Negativzinsen greift, und das erwarte ich nicht, werden die Zinsen der Festhypotheken nicht mehr wesentlich fallen können. Sich die aktuellen Tiefzinsen für eine längere Zeit zu sichern, ist daher eine attraktive Alternative. Klar kann man noch etwas zuwarten und an den SARON-Zinsen Freude haben. Den Moment zu erwischen, bevor die langen Zinsen den Sprung nach oben machen, wird auch diesmal schwierig sein.
Quelle: InvestmentWorld.ch
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