St. Galler Kantonalbank : Der Angriff der Amerikaner und der Israeli auf den Iran war zu erwarten. Zu gross war der Aufmarsch der US-Armee, als dass man einfach so wieder abziehen konnte.
Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter
Von Dr. Thomas Stucki CIO der St. Galler Kantonalbank
Für die Welt und die Finanzmärkte ist es ein déjà-vu. In regelmässigen Abständen ist es in den letzten Jahrzehnten im Nahen Osten zu militärischen Auseinandersetzungen gekommen. Die bisherigen Reaktionen an den Finanzmärkten sind daher nicht überraschend. Die Aktienmärkte haben mit Kursverlusten eröffnet und die sicheren Häfen wie das Gold oder der Franken sind gesucht. Wie es an den Finanzmärkten weitergeht, hängt auch und vor allem davon ab, wie stark sich der Konflikt zeitlich hinzieht und örtlich ausweitet. Dies wird sich erst in den kommenden Tagen oder Wochen zeigen.
Der Einfluss von politischen Ereignissen auf die Finanzmärkte wird immer durch ihren Einfluss auf die Weltwirtschaft bestimmt. Der Iran und die anderen Länder in der Region gehören wirtschaftlich nicht zu den Grossen und nicht zu den Wachstumsmotoren der globalen Konjunktur. Dass sich die Frage des Einflusses von Konflikten im Nahen Osten auf die Weltwirtschaft überhaupt stellt, hat nur mit deren Auswirkung auf die Energieversorgung und die Energiepreise zu tun. Der Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormuz und durch das Rote Meer wird für eine gewisse Zeit zum Erliegen kommen. Dies hat zumindest kurzfristig Auswirkungen auf die Preise und die Verfügbarkeit von Erdöl und flüssigem Erdgas. Die Abhängigkeit vom Nahen Osten ist aber bei weitem nicht mehr so gross wie früher. Die Amerikaner produzieren ihr Öl selbst und die Europäer haben ihre Bezüge diversifiziert. Zudem wird Trump Druck auf die Ölproduzenten ausüben, die Förderung an anderen Orten zu erhöhen, damit der Ölpreis und die Benzinpreise in den USA nicht zu stark steigen. Eine Verdoppelung der Energiepreise wie 2022 nach dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine ist nicht zu erwarten.
Keine Kurzschlusshandlungen
Die Untergangs- und Crashszenarien werden jetzt wieder Hochkonjunktur haben. Davon darf man sich nicht zu stark beeindrucken lassen. Es ist wichtig, die weitere Entwicklung eng zu verfolgen, aber in Panik Aktien zu verkaufen oder andere Geschäfte zu tätigen, ist Fehl am Platz. Um sich ein genaueres Bild zu machen, muss man die nächsten Tage abwarten.
Grundregeln des Anlegens beachten
Die Vorgänge im Iran haben jedoch einmal mehr in Erinnerung gerufen, dass die Grundregeln des Anlegens für den Anlageerfolg entscheidend sind. Wenn man sie befolgt, kann man auch in der aktuellen Situation ruhig bleiben. Die banalste, aber wichtigste Regel ist die Diversifikation der Anlagen über verschiedene Märkte, verschiedene Regionen und verschiedene Sektoren. Die Aktienquote darf und muss so hoch sein, dass man auch in Stresssituationen nicht verkaufen muss und sein Grundportfolio der Anlagestrategie auch durch stürmische Zeiten halten kann. Die Liquidität der Anlagen ist wichtig, damit man bei Bedarf trotzdem handlungsfähig ist: lieber eine grosskapitalisierte Aktie mehr als ein Alternatives Produkt, das beim leisesten Lüftchen keinen Markt mehr hat. Mit speziellen und exotischen Anlagen darf man experimentieren, aber nur am Rande des Portfolios und mit Volumen, die einem bei Verlusten nicht weh tun. Als Schweizer Anleger kommt noch hinzu, dass der Anteil der Fremdwährungen nicht zu allzu gross sein sollte.
Quelle: InvestmentWorld.ch
Newsletter


