LGT Navigator : Der Brent-Ölpreis ist zu Wochenbeginn gestiegen, nachdem erneute Spannungen im Nahen Osten – darunter das Scheitern geplanter Friedensgespräche zwischen den USA und Iran sowie Berichte über gekaperte Frachtschiffe in der Strasse von Hormus – die geopolitische Risikoprämie an den Energiemärkten hoch hielten.
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Trotz des Ölpreisanstiegs notierten die Aktienmärkte in Asien am Montag überwiegend fester: Der japanische Nikkei 225 und der südkoreanische Kospi markierten neue Rekordstände, während an der Wall Street am Freitag bereits der technologieintensive Nasdaq 100 und der breite S&P 500 neue Höchststände erreicht hatten, gestützt durch kräftige Kursgewinne im Halbleitersektor. Im weiteren Wochenverlauf wird sich der Fokus von der Geopolitik auf die Zentralbanken und Konjunkturdaten verlagern: Im Mittelpunkt stehen geldpolitische Entscheide der Bank of Japan, der US-Notenbank, der Bank of Canada, der Bank of England und der EZB sowie die anstehenden Quartalszahlen der grossen US-Technologiewerte aus der Gruppe der „Magnificent 7“.
Brent-Futures stiegen am Montag um fast 2% auf USD 101 je Barrel, während US-Rohöl auf USD 96 zulegte, nachdem eine zweite Runde geplanter Friedensverhandlungen zwischen den USA und Iran am Wochenende gescheitert war. US-Präsident Donald Trump sagte am Samstag eine Reise des US-Sondergesandten Steve Witkoff und von Jared Kushner nach Islamabad ab und begründete dies in sozialen Medien mit Machtkämpfen innerhalb der iranischen Führung und fehlenden Erfolgsaussichten der Gespräche. Zusätzlichen Auftrieb für die Spannungen lieferten Berichte, wonach die iranischen Revolutionsgarden nahe der strategisch wichtigen Meerenge von Hormus zwei Frachtschiffe geentert haben sollen. Der Goldpreis bewegte sich kaum und lag bei rund USD 4710 je Unze, Silber handelte bei etwa USD 75.74. Die Renditen von US-Staatsanleihen legten entlang der Zinskurve leicht zu, mit der zweijährigen Anleihe bei rund 3.8% und der zehnjährigen bei etwa 4.3%. Der US-Dollar-Index zeigte sich kaum verändert, während Bitcoin leicht schwächer bei rund USD 77’700 notierte.
Zentralbanken und Tech-Gewinne im Fokus
Abseits der geopolitischen Lage rückt in dieser Woche die Geldpolitik in den Vordergrund: Zinsentscheide der Bank of Japan am Dienstag, der Federal Reserve und der Bank of Canada am Mittwoch sowie der Bank of England und der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag geben Anlegerinnen und Anlegern einen breiten Überblick darüber, wie die wichtigsten Zentralbanken auf die jüngsten Entwicklungen bei Inflation und Wachstum reagieren. Bei den Konjunkturdaten richten sich die Blicke in den USA am Donnerstag auf das Bruttoinlandsprodukt für das erste Quartal und am Freitag auf den Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe des Institute for Supply Management (ISM), die zusammen ein aktuelles Bild des Wachstumspfads der grössten Volkswirtschaft der Welt liefern. In Europa stehen am Mittwoch und Donnerstag die Daten zum Wachstum im ersten Quartal und zur Inflation im April aus Deutschland, Frankreich und der Eurozone im Fokus, die Aufschluss darüber geben sollen, ob sich die Region aus ihrer Schwächephase herausarbeitet. In China liefern die offiziellen Einkaufsmanagerindizes am Donnerstag einen wichtigen Hinweis auf die Verfassung der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt und den globalen Industriezyklus. Am Freitag bleiben weite Teile der europäischen Aktienmärkte aufgrund von Feiertagen geschlossen, ebenso wie die Börsen in China anlässlich des Tags der Arbeit. Auf Unternehmensseite richten sich die Blicke zur Wochenmitte auf die Quartalszahlen der grosskapitalisierten US-Technologiewerte Alphabet, Microsoft, Amazon und Meta.
Aktienmärkte in Japan und Südkorea auf Rekordständen
Die Börsen in Asien legten am Montag mehrheitlich zu, obwohl die jüngsten Friedensbemühungen zwischen den USA und Iran erneut ins Stocken geraten sind. Der japanische Nikkei 225 stieg um 1.5%, der südkoreanische Kospi legte um 2% zu – beide Indizes markierten neue Rekordhöhen. In Australien gab der S&P/ASX 200 um 0.3% nach, während der Hang Seng Index in Hongkong um 0.3% nachgab und der chinesische CSI 300 nach einem Anstieg der industriellen Unternehmensgewinne im März um 15.8% gegenüber dem Vorjahr – nach 15.2% in den ersten beiden Monaten – nahezu unverändert schloss.
US-Tech-Rally treibt Nasdaq und S&P 500 auf Rekordstände
Die US-Aktienmärkte profitierten zum Wochenschluss von starken Kursgewinnen im Technologiesektor: Der technologieintensive Nasdaq 100 stieg am Freitag um 1.9% auf ein neues Rekordhoch, während der breite S&P 500 mit einem Plus von 0.8% ebenfalls einen neuen Höchststand erreichte. Die anhaltende Begeisterung für Anwendungen der künstlichen Intelligenz stützte insbesondere Halbleiterwerte. Die Aktien des Prozessorherstellers Intel schnellten nach überzeugenden Quartalszahlen und einem soliden Ausblick um mehr als 23% in die Höhe und trugen zu einem Wochenplus von 2.4% beim Nasdaq 100 bei. Auch die Titel der US-Chipkonkurrenten Qualcomm, AMD und des Chipdesigners ARM verbuchten zweistellige prozentuale Kurszuwächse. Der Dow Jones Industrial Average konnte mit der Dynamik im Technologiesektor nicht Schritt halten, gab am Freitag um 0.2% nach und verlor auf Wochensicht 0.4%, da Schwäche bei Werten wie Nvidia die 1.7% höheren Aktien des Konsumgüterkonzerns Procter & Gamble trotz besser als erwarteter Quartalszahlen überlagerte.
Deutsches Geschäftsklima fällt deutlich
Die Stimmung unter deutschen Unternehmen hat sich im April spürbar eingetrübt: Der ifo-Geschäftsklimaindex sank von 86.3 Punkten im März auf 84.4 und erreichte damit den tiefsten Stand seit Mai 2020 vor dem Hintergrund der anhaltenden Iran-Krise. Die Unternehmen beurteilten ihre aktuelle Lage schlechter und blickten deutlich pessimistischer auf die kommenden sechs Monate. Der Rückgang zog sich durch alle grossen Sektoren: In der Industrie trübten sich die Erwartungen ein, insbesondere in der Chemiebranche, im Dienstleistungssektor belasteten Engpässe in der Logistik, und im Handel führten Sorgen hinsichtlich eines schwächeren Konsums angesichts steigender Inflation zu einer schlechteren Stimmung. Die europäischen Aktienmärkte schlossen am Freitag ebenfalls leichter: Der Euro Stoxx 50 verlor 0.2%, da Anlegerinnen und Anleger vor dem Wochenende angesichts der geopolitischen Spannungen Risiken reduzierten. Der deutsche DAX gab um 0.1% nach, der französische CAC 40 verlor 0.8% und der Swiss Market Index schloss 0.6% im Minus.
Unternehmens- und Wirtschaftskalender
Unternehmensnachrichten im Fokus: Quartalszahlen von Verizon.
Konjunkturdaten im Fokus: GfK-Konsumklima Deutschland (09:00) und Dallas Fed Herstellungsindex (16:30).
Quelle: InvestmentWorld.ch
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