AllianzGI : Für viele institutionelle Anleger führt bereits seit längerem kein Weg an Private Debt – nicht börsengehandelten Schuldverschreibungen – vorbei.
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von Michael Schütze (Photo) , Head of Switzerland, Allianz Global Investors, und Joaquin Ardit, Senior Portfolio Manager Private Market Debt, Allianz Global Investors
In den Jahren 2019 bis 2023 ist dieses Anlagesegment um 70% auf rund 1,5 Billionen US-Dollar gewachsen. Angesichts des starken Wachstums des Primärmarktes ist kein Wunder, dass sich mittlerweile auch ein Sekundärmarktsegment herausgebildet hat: Private Debt Secondaries. Institutionelle sollten auch dieses Segment auf dem Schirm haben.
Sekundärmarkttransaktionen, oder Secondaries, sind vielen Anlegern aus dem Private Equity-Bereich bekannt. Sie sind sozusagen Anteile aus „zweiter Hand“, deren Angebot daraus resultiert, dass sich bestehende Investoren von Teilen ihres Portfolios trennen. Dabei unterscheidet man zwei Arten von Sekundärmarkt-Transaktionen: LP-led und GP-led Secondaries. Erstgenannte Transaktionen finden statt, wenn Fondsinvestoren (also Limited Partners, LPs) kurz- oder mittelfristig Liquidität benötigen oder ihr Portfolio neu ausrichten möchten. Sie bieten daher ihre Fondsanteile auf dem Sekundärmarkt an. Bei GP-led Secondaries (General Partners, Fondsmanager) hingegen werden Portfolioteile angeboten, die nicht wie erwartet liquidiert wurden. Dies kann beispielsweise bei der Schliessung von Fonds und der Ausschüttung von Renditen an Investoren der Fall sein. So kommt es insbesondere bei GP-led Secondaries häufig zu sogenannten „Tail-End“-Transaktionen, bei denen die letzten verbliebenen Portfoliounternehmen eines Fonds verkauft werden.

Es wird somit bereits deutlich: Secondaries sind zwar „zweiter Hand“, sie sind aber keinesfalls Anteile zweiter Klasse! Denn je nach Laufzeit des Fonds, Marktumfeld und Situation des Verkäufers können sich institutionellen Anlegern interessante Einstiegsmöglichkeiten bieten. Für den Zugang zu Sekundärmarkttransaktionen gibt es verschiedene Möglichkeiten. Klassischerweise und für grössere Investoren kann dies über die GPs oder LPs selbst geschehen – also über den Fondsmanager oder die Fondsanteilseigner. Für kleinere Institutionelle sowie Anleger, die sich erst vor kurzem für ein Engagement in Private Markets entschieden haben, ist dieser Zugang allerdings oft erschwert. Sie investieren daher häufig an Seite grösserer und etablierter Anleger sowie über Fonds. Denn letztere verfügen oft über die notwendige langjährige Markt- und Transaktionserfahrung und haben einen direkten Zugang zu den relevanten Sekundärmarkt-Akteuren. Dabei geht es nicht nur um den Zugang zu den führenden Private Markets-Fondsmanagern, sondern auch zu den relevanten Investmentbanken und Brokern, die oftmals das Bindeglied zu den verkaufswilligen Investoren darstellen.
Derzeit überwiegen bei Secondaries weiterhin die sogenannten GP-led Transaktionen, also Angebote seitens Fondsmanager. In der letzten Zeit ist allerdings zu beobachten, dass vermehrt auch LPs – also Investoren – infolge der Marktvolatilität und aufgrund von Verschiebungen bei der Zielallokation innerhalb von Private Debt-Portfolien Ausstiegsoptionen über Private Debt Secondaries in Betracht ziehen. Aus Anlegersicht wiederum liegt die Attraktivität von Secondaries insbesondere in den erzielbaren Bewertungsabschlägen. Mangels Liquidität liegen diese oft im zweistelligen Bereich und damit deutlich über denen im Private Equity-Sekundärmarktsegment. Zudem ermöglichen Secondaries eine im Vergleich zu Primärfondsinvestments schnellere Allokation in Private Debt. So kann etwa die Due Diligence – also die „kernspintomographische Eignungsüberprüfung“ der angebotenen Transaktionen – besonders zielgerichtet erfolgen, weil für Secondaries bereits entsprechende Performancedaten vorliegen.
Wie ist nun der Wachstumsausblick für das Marktsegment Private Debt Secondaries? Die Entwicklung seines Pendants auf der Private Equity-Seite, das ebenfalls nach einem starken Wachstum im entsprechenden Primärmarktsegment entstanden ist, stimmt optimistisch. Branchenprognosen zufolge könnte das Marktwachstum von Private Debt Secondaries zwar etwas unter dem von Private Equity Secondaries bleiben – der Hauptgrund hierfür liegt in kürzeren Fondslaufzeiten und der damit verbundenen generell höheren Liquidität des Fremdkapitalmarktes. Gleichwohl deutet die „Blaupause“ Private Equity-Sekundärmarkttransaktionen auf ein grosses Wachstumspotenzial hin. Ein zunehmendes Angebot an Secondaries-Fonds bietet somit gerade auch kleineren Investoren die Möglichkeit, vom Know-how und dem Netzwerk erfahrener institutioneller Anleger zu profitieren und an deren Seite Secondaries für den Portfolioaufbau nutzen. Dies unterstreicht: Secondaries sind keine Assets zweiter Klasse, sondern können vielmehr erstklassiges Potenzial bieten.
Quelle: InvestmentWorld.ch
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