LGT Navigator : Die Energiepreise sind zu Wochenbeginn deutlich gestiegen und die Aktienmärkte gerieten unter Druck, nachdem Friedensgespräche zwischen den USA und dem Iran gescheitert sind und Washington eine Seeblockade iranischer Häfen und der Schifffahrt in der Strasse von Hormus vorbereitet.
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Die Aktienmärkte in Asien tendierten am Montag mehrheitlich schwächer, da Anlegerinnen und Anleger das Risiko abwägen, dass ein länger anhaltender Konflikt und höhere Ölpreise das globale Wachstum belasten und den Kampf der Zentralbanken gegen die Inflation erschweren könnten. Der US-Dollar legte zum Wochenstart zu, der US-Dollar-Index stieg um 0.4%. Gleichzeitig gaben die Goldpreise nach und notierten bei rund USD 4720 je Unze, während Bitcoin leicht tiefer bei rund USD 70’700 gehandelt wurde.
Die Energiepreise sprangen nach oben und die asiatischen Aktienmärkte gaben am Montag nach, nachdem die Gespräche zwischen den USA und dem Iran am Wochenende in Islamabad ohne Ergebnis geblieben waren und nun die Aussicht auf eine US-Seeblockade iranischer Häfen und der Schifffahrt in der Strasse von Hormus besteht. Brent-Öl verteuerte sich um rund 9% auf USD 104 je Barrel, während der US-Referenzwert West Texas Intermediate um mehr als 7% auf etwa USD 102 stieg. Dies nährt die Sorge vor einer länger anhaltenden Belastung der Weltwirtschaft durch hohe Energiekosten. US-Präsident Donald Trump denkt Medienberichten zufolge über neue Luftangriffe auf den Iran nach, obwohl er vergangene Woche einer zweiwöchigen Waffenruhe zugestimmt hatte. In der Asien-Pazifik-Region lag der japanische Nikkei 225 um 0.7% im Minus, der südkoreanische Kospi gab 0.9% nach und der australische S&P/ASX 200 verlor 0.5%. Der Hang Seng Index in Hongkong fiel um 1.1% und Indiens Nifty 50 um 1.3%, während der chinesische CSI 300 gegen den Trend leicht um 0.3% zulegte.
Märkte blicken auf wichtige Zentralbank- und Inflationsdaten – mit einem Auge auf den Nahen Osten
In dieser Woche behalten Marktteilnehmerinnen und Marktteilnehmer die Lage im Nahen Osten im Blick, während ein dicht gedrängter Kalender mit Konjunkturdaten und Äusserungen von Zentralbanken neue Signale für die Finanzmärkte liefert. In Europa steht die Inflation weiterhin im Fokus: Am Donnerstag werden die Daten zur Teuerung in der Eurozone veröffentlicht. Zudem achten Anlegerinnen und Anleger am Dienstag auf eine Rede von EZB-Präsidentin Christine Lagarde, um Hinweise darauf zu erhalten, wie die Zentralbank auf den jüngsten Ölpreissprung infolge des Konflikts im Nahen Osten reagiert.
China veröffentlicht am Donnerstag ein breites Paket an Daten, darunter das Bruttoinlandsprodukt für das erste Quartal, die Industrieproduktion und die Anlageinvestitionen für März sowie die Arbeitslosenquote. Diese Zahlen geben einen wichtigen Einblick in Stärke und Zusammensetzung der wirtschaftlichen Erholung nach der Pandemie. Im Vereinigten Königreich liefern am Donnerstag mehrere Februar-Indikatoren – darunter das monatliche Bruttoinlandsprodukt, die Industrieproduktion und Aussenhandelszahlen – einen Eindruck von der zugrunde liegenden Wachstumsdynamik.
In den USA stehen am Dienstag die Produzentenpreise, am Donnerstag regionale Stimmungsindikatoren aus der Industrie sowie Daten zur Industrieproduktion auf der Agenda. Zudem veröffentlicht die US-Notenbank am Mittwoch ihr Beige Book, das Anlegerinnen und Anlegern weitere Einblicke in die konjunkturelle Lage und die Einschätzung der Federal Reserve zur weiteren Entwicklung bietet.
Auf der Unternehmensseite rücken US-Finanzwerte ins Zentrum, wenn grosse Banken wie Goldman Sachs (Montag), JPMorgan (Dienstag), Bank of America (Mittwoch) und Morgan Stanley (Mittwoch) ihre Ergebnisse für das erste Quartal vorlegen. Sie geben wichtige Hinweise zu Kreditqualität, Kreditwachstum und Handelsaktivitäten. Im Halbleitersektor richten sich die Blicke auf ASML (Mittwoch) und Taiwan Semiconductor (Donnerstag), deren Resultate für das erste Quartal 2026 Aufschluss über Investitionspläne und die Nachhaltigkeit des KI-getriebenen Nachfragezyklus geben dürften.
US-Inflation steigt mit Energiepreisen deutlich an
Die US-Verbraucherpreise sind im März spürbar gestiegen. Der Verbraucherpreisindex legte gegenüber dem Vormonat um 0.9% und im Jahresvergleich um 3.3% zu. Auslöser war vor allem der Krieg im Iran, der zu einem Anstieg der Energiekosten um 10.9% führte, wie aus den am Freitag veröffentlichten Daten des Bureau of Labor Statistics hervorgeht. Die Jahresinflationsrate entsprach den Markterwartungen, beschleunigte sich jedoch von 2.4% im Februar und erreichte den höchsten Stand seit April 2024. Die Benzinpreise kletterten um 21.2% und waren damit für den grössten Teil des Anstiegs der Gesamtinflation verantwortlich.
Die Kerninflation, welche Nahrungsmittel und Energie ausklammert, blieb mit einem Plus von 0.2% zum Vormonat und 2.6% zum Vorjahr verhaltener und lag leicht unter den Prognosen der Ökonominnen und Ökonomen. Rückgänge bei medizinischen Dienstleistungen, Körperpflege und Occasionsfahrzeugen deuteten auf Teilbereiche mit sinkenden Preisen hin. Die Energiepreise hatten sich im April zunächst etwas entspannt, nachdem eine Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran verkündet worden war. Angesichts der Unsicherheit über die Vereinbarung sind sie jedoch wieder angezogen.
Die US-Aktienmärkte schlossen den Handel am Freitag nach einer soliden Woche uneinheitlich: Der Dow Jones Industrial Average verlor 0.6% auf 47’916.57 Punkte, während der S&P 500 um 0.1% auf 6816.89 Punkte nachgab und der Nasdaq 100 um 0.1% zulegte. Auf Wochensicht resultierten daraus Gewinne von rund 3% beim Dow Jones und rund 4.5% beim Nasdaq.
Schweizer Konsumentenstimmung bricht im März ein
Das Vertrauen der Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten hat sich im März deutlich eingetrübt. Der Index des Staatssekretariats für Wirtschaft fiel gegenüber Februar um 12.5 Punkte auf -42.9, wie die am Freitag publizierten Daten zeigen. Die Stimmung in den Haushalten sank damit auf den tiefsten Stand seit Anfang 2024 und lag 8.1 Punkte unter dem Niveau vom März des Vorjahres. Als Hauptgrund gilt der Krieg im Iran, der auf die Stimmung drückt.
Die Teilindizes zu den Erwartungen für die wirtschaftliche Entwicklung, die finanzielle Situation der Haushalte und die Eignung des Zeitpunktes für grössere Anschaffungen lagen allesamt unter ihren Werten vom März 2025, während die Beurteilung der vergangenen finanziellen Lage weitgehend unverändert blieb. Der monatliche Indikator basiert auf einer seit 1972 laufenden Umfrage und bildet Erwartungen und Erfahrungen privater Haushalte ab, nicht jedoch die breitere Geschäftstätigkeit. Der Swiss Market Index legte am Freitag um 0.2% zu.
Deutsche Inflation zieht aufgrund Energieschock an
Die jährliche Teuerungsrate in Deutschland ist im März auf 2.7% gestiegen, nach 1.9% im Februar und 2.1% im Januar, wie aus den am Freitag vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Daten hervorgeht. Dies war der höchste Wert seit Januar 2024. Haupttreiber war ein Anstieg der Energiepreise um 7.2% im Jahresvergleich. Die Preise für Treibstoffe kletterten um 20%, Heizöl verteuerte sich sogar um 44.4%, nachdem der Krieg im Iran und der breitere Konflikt im Nahen Osten die Rohölpreise in die Höhe getrieben hatten.
Die Nahrungsmittelpreise legten lediglich um 0.9% zu, die Preise für Waren insgesamt um 2.3%. Die Dienstleistungspreise stiegen dagegen kräftiger um 3.2%, insbesondere aufgrund höherer Kosten für soziale Sicherung, Verkehr und Gastronomie. Die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel blieb im März mit 2.5% stabil. Auf Monatssicht erhöhten sich die Verbraucherpreise um 1.1%, wobei Energie um 7.7% anzog und Pauschalreisen, Kleidung sowie internationale Flüge ebenfalls teurer wurden. Der Euro Stoxx 50 legte am Freitag um 0.5% zu, während der deutsche DAX kaum verändert schloss.
Unternehmens- und Wirtschaftskalender
Unternehmensnachrichten im Fokus: Quartalszahlen von Goldman Sachs.
Konjunkturdaten im Fokus: Monatsbericht der Bundesbank (12:00), Baugenehmigungen Kanada (14:30) und Wiederverkäufe bestehender Häuser USA (16:00).
Quelle: InvestmentWorld.ch
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