Schwyzer Kantonalbank : Vermutlich haben Sie die Situation auch schon erlebt: In der Einladung zur Geburtstagsparty hiess es «Nichts mitbringen ausser gute Laune».
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STANDPUNKT Februar 2021
Thomas Heller CIO der Schwyzer Kantonalbank
Und als Sie taten, was von Ihnen erwartet wurde – nämlich gutgelaunt nichts mitzubringen –, konnten Sie sich des Eindrucks nicht erwehren, der Gastgeber sei doch ein wenig enttäuscht gewesen und hätte sich über eine kleine Aufmerksamkeit gefreut.
Ähnliches spielt sich auch an den Finanzmärkten immer wieder ab. Ein aktuelles Beispiel: Die US-Notenbank (Fed) kam vergangene Woche zu ihrer ersten Sitzung des neuen Jahres zusammen. Die Entscheide der amerikanischen Währungshüter waren wenig überraschend: Keine Leitzinsanpassungen, Weiterführung der monatlichen Wertpapierkäufe, unveränderte Einschätzung der Wirtschaftslage und anhaltende Bereitschaft, bei Bedarf noch mehr zu tun. Das entsprach der Konsensmeinung und war in den Kursen eingepreist – sollte man zumindest meinen. Doch die Marktreaktion fiel negativ aus. Der US-Aktienmarkt gab nach der Verkündung der Sitzungsergebnisse in einem bereits schwachen Markt weiter nach. Warum diese überraschende Reaktion?
Zwei Schlagzeilen, die im Anschluss an die Fed-Sitzung über die Nachrichtenticker liefen, liefern einen Erklärungsansatz. Eine Schlagzeile lautete: «Dow-Flash: Deutliche Verluste – Keine positiven Überraschungen von der Fed». In der anderen hiess es: «Aktien New York: Talfahrt – ‚Weiter so‘ der Fed enttäuscht». Nur die Erwartungen zu erfüllen war in diesem Fall offenbar zu wenig. Oder anders ausgedrückt: Die «echten» Erwartungen waren anscheinend höher.
Nach wie vor halten wir für den weiteren Verlauf der Aktienmärkte «verhaltenen Optimismus» für angebracht . Die Kurse sind allerdings schon weit gelaufen und die Bewertungen sind im Vergleich zu Anleihen fair, absolut jedoch hoch bis sehr hoch. Das heisst, die gute Stimmung an den Märkten braucht laufend neue Nahrung, um gut zu bleiben. Entweder in Form von über Erwarten positiven Konjunktur- und Unternehmensdaten. Oder dank zusätzlicher geld- und fiskalpolitischer Stimuli. Solche hat die Fed vergangene Woche nicht geliefert. Sollten die Fälle zunehmen, bei denen es nicht mehr reicht, die hohen Erwartungen zu erfüllen, nähern wir uns einer kritischen Phase. Wie bei einem Drogenabhängigen, der laufend Nachschub in immer höheren Dosen verlangt. Bekommt er ihn nicht, reagiert er verstimmt.
Quelle: AdvisorWorld.ch
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