Stucki Thomas St. Galler Kantonal Bank 2025

St. Galler Kantonalbank : Der Franken fordert die SNB heraus

St. Galler Kantonalbank : Der Franken ist seit Anfang Jahr teurer geworden. Handelsgewichtet hat er nominal 2% zugelegt.

Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter


Von Dr. Thomas Stucki  CIO der St. Galler Kantonalbank


Der US-Dollar ist in dieser Zeit von 79 Rappen auf 77 Rappen gefallen. Die Nominierung von Kevin Warsh als zukünftigen Fed- Präsidenten hat zwar die stärksten Befürchtungen einer Übernahme der amerikanischen Geldpolitik durch einen Lakaien von Donald Trump besänftigt, konnte dem US-Dollar aber nur kurzfristig einen Schub verleihen. Das Vertrauen in die amerikanische Politik ist zu stark angeschlagen und die Absetzbewegung aus dem Greenback hält an. Gleichzeitig ist der im letzten Jahr stabile Euro auch ins Rutschen geraten. Zum Franken hat er sich von 93 Rappen auf 91 Rappen verbilligt. Es kann nicht mehr nur von einer US-Dollar-Schwäche gesprochen werden, sondern es handelt sich auch um eine Franken-Stärke. Seit sich der Yen in den Augen der Finanzmärkte als sicherer Hafen verabschiedet hat, verbleibt der Franken als letzter verbliebener Sicherheitsanker. Angesichts der Gefahr eines grösseren militärischen Konflikts im Persischen Golf wird die Attraktivität des Frankens nicht abnehmen.

Die Klagen aus der Wirtschaft gegen den starken Franken nehmen zu. Ob die SNB aktiv werden muss, ist gleichwohl eine andere Frage. Die Inflation in der Schweiz ist mit 0.1% immer noch deutlich tiefer als anderswo. In den USA ist sie auf 2.4% gesunken. Die Inflationsdifferenz zum Franken beträgt aber immer noch 2%. Zudem ist unklar, wie zuverlässig die publizierten Zahlen in den USA sind, da aufgrund der langen Schliessung der Bundesverwaltung die Datenbasis gelitten hat. Beim wichtigen Handelspartner Deutschland steigen die Preise ebenfalls mit einer Rate von 2.1%. Der Franken hat sich in den ersten Wochen dieses Jahres zwar auch real aufgewertet, aber in ein einem überschaubaren Rahmen. Sollten die Energiepreise aufgrund der Auseinandersetzung zwischen den USA und dem Iran steigen, wird die Inflationsdifferenz zu den Handelspartnern weiter zunehmen, da der Einfluss der Energiepreise auf die Inflation in der Schweiz geringer ist als in den anderen Ländern. Der Franken belastet zwar die Schweizer Konjunktur, aber die Wirtschaft wird in diesem Jahr dennoch mit rund 1% wachsen.

Die Handlungsoptionen der SNB sind beschränkt

Viel kann die SNB gegen den starken Franken nicht tun. Die Zinsen in den Negativbereich zu senken, hätte lediglich einen kurzfristigen Signalcharakter. Wer Angst hat, lässt sich von tiefen oder gar leicht negativen Zinsen nicht beeindrucken. Interventionen im Devisenmarkt sind ein gutes Mittel, um eine rasche Bewegung des Frankens zu stoppen. Eine systematische Währungspolitik zur Schwächung oder zumindest zur Stabilisierung des Frankens wie zwischen 2015 und 2021 steht jedoch nicht zur Diskussion. Einerseits will die SNB die Amerikaner während den laufenden Zollverhandlungen nicht verärgern. Andererseits macht eine Ausrichtung der Geldpolitik auf die Währung keinen Sinn. Soll sich eine solche Politik am US-Dollar oder am Euro ausrichten? Sich gegen den US-Dollar zu stellen, dürfte einen noch stärkeren Aufbau an Devisenreserven benötigen als die Stabilisierung des Euro zum Franken.

Kein Vergleich zur Eurokrise

Am besten überlässt die SNB die Devisenkurse dem Markt, solange es zu keinen offensichtlich spekulativen Übertreibungen kommt. Zudem ist die aktuelle Stärke des Frankens nicht mit der Entwicklung während der Eurokrise vergleichbar, als der Euro zum Franken innert 18 Monaten von 1.50 auf 1.05 gesunken ist. Eine solche Bewegung ist für die Exportunternehmen nicht mehr zu stemmen. Die aktuellen Bewegungen gehen für sie in die falsche Richtung, verlaufen aber graduell und in einem akzeptablen Tempo.

Quelle: InvestmentWorld.ch


Newsletter
Ich habe gelesen
Privacy & Cookies Policy
und ich stimme der Verarbeitung meiner persönlichen Daten für die darin genannten Zwecke zu.
ETFWorld

Newsletter investmentworld.ch

Ich habe gelesen
Privacy & Cookies Policy
und ich stimme der Verarbeitung meiner persönlichen Daten für die darin genannten Zwecke zu.