UBP: : Die schweizerische Privatbank UBP ist für Chinas Wirtschaftswachstum deutlich optimistischer geworden und rechnet nun für 2023 mit einem Anstieg des BIP um 6,0 %.
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Carlos Casanova, Senior-Ökonom für Asien bei der UBP
Zuvor lag die Prognose bei 5,2 %, der Marktkonsens liegt bei 5,1 %. „Wir rechnen damit, dass das Wachstum im 2. Quartal seinen Höhepunkt erreicht und im zweiten Quartal noch über dem Potenzialwachstum liegen wird“, schreibt Carlos Casanova, Senior-Ökonom für Asien bei der UBP, in einer aktuellen Analyse. Die überraschende Beendigung der „Null-Covid“-Maßnahmen im Dezember sorgt für die deutlich optimistischere Einschätzung. Das ursprüngliche Szenario ging von einer graduellen Lockerung der Maßnahmen bis zum Nationalen Volkskongress im März 2023 aus. Nun rechnet der Experte bereits im ersten Quartal des Jahres mit einem starken Anstieg der Konsumnachfrage. Die Dynamik der chinesischen Wirtschaft hatte sich noch im 4. Quartal 2022 zunächst aufgrund der strikten Pandemiemaßnahmen und im Dezember aufgrund des hohen Krankenstands deutlich abgeschwächt. So sei die Industrieproduktion im Dezember nur noch um 1,3 % im Jahresvergleich gewachsen, im November lag das Wachstum im Vergleich zum Vorjahr noch bei 2,2 %.
Reisewelle zum chinesischen Neujahrsfest
Die einsetzende Erholung werde abgesehen vom Binnenkonsum, auch von der Stabilisierung des Häusermarkts und der fortgesetzten Förderung strategischer Sektoren getragen. Ein Indikator für die Stimmungsaufhellung sei die Reisetätigkeit. Der UBP-Asienexperte führt an, dass die Tourismuseinnahmen im Februar, in dem viele Chinesen für das Neujahrsfest in ihre Heimat reisen, von 56 % in 2022 auf nun 73 % des Vor-Pandemie-Niveaus gestiegen seien. Ähnlich wie in anderen Ländern werde es zu einem Nachholeffekt bei Konsumausgaben kommen. So ist davon auszugehen, dass die Chinesen in den kommenden Monaten ihre pandemiebedingt stark gestiegenen Ersparnisse für erhöhten Konsum aufwenden.
Moderater Inflationsdruck
„Allerdings dürfte der Nachholeffekt nicht so stark wie in den USA ausfallen“, merkt Casanova an. „Zum einen wurden in China die privaten Haushalte während der Pandemie nicht durch Stimuluspakete unterstützt, zum anderen liegt die Sparquote in China um ein Vielfaches über der der US-Bürger.“ Angesichts der im Vergleich zu 2019 erhöhten Arbeitslosenquote von 5,6 % und einer hohen Jugendarbeitslosigkeit von 17,6 % dürfte Casanova zufolge die durch Konsum angetriebene Konjunktur sich nicht in stark steigenden Preisen niederschlagen. Er rechnet weiterhin mit einer moderat akkommodierenden Geldpolitik der chinesischen Notenbank.
Bei Aktien ist Selektivität gefragt
Seit dem 7. Dezember ist der MSCI China Index um rund 16 % gestiegen. „Das ist größtenteils auf höhere Gewinnerwartungen zurückzuführen“, erläutert der UBP-Investmentexperte. „Die Bewertungen haben sich nur moderat entwickelt und bewegen sich mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11,4 entlang ihres 10-jährigen Durchschnitts. Damit sie sich auf ein zyklisches Hoch zubewegen, wären weitere Stimuli notwendig.“ Nach Präsident Xis jüngsten Äußerungen könnten sich diese nach dem Nationalen Volkskongress im März materialisieren. Investoren sollten Casanova zufolge aber nicht das übergeordnete wirtschaftspolitische Ziel des „gemeinsamen Wohlstands“ mit dem Primat des Qualitätswachstums aus den Augen verlieren. Es könne von Vorteil sein, über die aktive Titelauswahl im Portfolio den Übergang zu einer möglichen Neubewertung einzelner Sektoren zu steuern.
Quelle: AdvisorWorld.ch
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