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Vanguard : US-Arbeitsmarktbericht nährt Erwartungen an schnelle Zinssenkung

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Vanguard : Die Korrektur der US-Arbeitsmarktzahlen vom Juli rückt die Gefahr einer Konjunkturabkühlung weiter in den Fokus. Die Renditen von US-Treasuries fielen, die Märkte rechnen zunehmend mit einer Zinssenkung noch im September.

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von Josefina Rodriguez, Economist bei Vanguard


• Die neuen Zölle könnten einen schnellen Inflationsrückgang verhindern und die Aufgabe der Fed zusätzlich erschweren.
• Auch in Grossbritannien zeigt der Arbeitsmarkt weiterhin Anzeichen einer Abkühlung, im Euroraum sind die Aussichten trotz höherer Zölle dagegen stabil.

Ähnlich wie 2024 wurden die Märkte auch in diesem Jahr vom US-Arbeitsmarktbericht für Juli kalt erwischt, und wie schon im Vorjahr lag die Zahl der neu geschaffenen Stellen unter den Erwartungen. In beiden Fällen wurde die Zahl der neuen Stellen vom Vormonat nach unten und die Arbeitslosenquote geringfügig nach oben korrigiert, und genau wie damals reagierten die Märkte mit Anpassungen ihrer Zinsprognosen, weshalb die Renditen auf US-Staatsanleihen entlang der gesamten Zinskurve fielen.

01-09-25 Vanguard

Allerdings sehen wir neben Ähnlichkeiten auch einige deutliche Unterschiede: Im Juli 2024 wurde das schwache Beschäftigungswachstum noch als Kratzer an einem ansonsten robusten Arbeitsmarkt wahrgenommen, die wirtschaftliche Lage galt als ausreichend stabil. Die Federal Reserve (Fed) konnte die Zinsen im September auch deshalb um 50 Basispunkte senken, weil die Inflation kontinuierlich fiel und kein Reflationsrisiko bestand.

Auch heute taxieren die Märkte die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im September (der ersten seit Dezember 2024) auf etwa 80%, vor der Veröffentlichung des Arbeitsmarktberichts lag die Wahrscheinlichkeit nur bei 40%. Diesmal dürfte die Fed mit ihrer Zinssenkung jedoch eher auf den schwächeren US-Arbeitsmarkt reagieren, zumal das Beschäftigungswachstum sinkt und die Korrekturen Zweifel wecken. Zudem könnten die Zölle einen schnellen Rückgang der Inflation verhindern und so die Preisstabilität gefährden. Die Aufgabe der Fed wird immer komplexer, gleichzeitig steigen die Erwartungen an einen geldpolitischen Kurswechsel.
Es bleibt abzuwarten, ob die jüngsten Arbeitsmarktentwicklungen den Beginn einer grösseren Konjunkturabkühlung einläuten oder eine vorübergehende Erscheinung bleiben. Bis auf weiteres überwiegt die Vorsicht.

Für die Risikoeinschätzung der Märkte sind letztendlich die Unternehmensgewinne entscheidend. Im vergangenen Jahr wirkte die Gewinnsaison im dritten Quartal beruhigend auf die Märkte, woran sich – den grossen Technologieunternehmen sei Dank – auch in diesem Jahr nichts ändern dürfte. Wir sehen eine leichte Abkühlung am Arbeitsmarkt und in der Wirtschaft, ausserdem ein geringfügiges Inflationsproblem; dass eine Rezession unmittelbar bevorsteht, glauben wir nicht.

Wirtschaftsausblick:

USA: Auf Kurs, aber mit Handbremse

Die jüngsten Entwicklungen in der Zollpolitik haben die Unsicherheit für die US-Wirtschaft etwas verringert, weshalb wir unsere Basisprognosen für den effektiven Zollsatz bis Jahresende geringfügig auf knapp 17% angehoben haben. Allerdings bleibt abzuwarten, wie sich ausgleichende Faktoren, darunter ausländische Investitionsabkommen und eine verzögerte Weitergabe höherer Zollkosten an Verbraucherinnen und Verbraucher, auf die Wirtschaft auswirken werden. Derzeit entspricht die Konjunktur unseren Erwartungen: Der Arbeitsmarkt kühlt ab, das Wachstum liegt bei rund 1,5% und die Kerninflation dürfte sich bis Jahresende der Marke von 3% nähern.
Vor dem Hintergrund der Entspannung am Arbeitsmarkt rechnen wir bis Ende des Jahres mit zwei Zinssenkungen.

Wirtschaftsprognosen USA
                                  Wachstum Arbeitslosenquote Kerninflation Geldpolitik
Jahresendprognose 1,5% 4,7% 3% 4%

Anmerkungen: Das BIP-Wachstum ist definiert als die Veränderung des realen (inflationsbereinigten) BIP im Prognosejahr gegenüber dem Vorjahr. Arbeitslosenquote per Dezember 2025. Die Kerninflation entspricht der prozentualen Veränderung des Preisindexes der persönlichen Konsumausgaben (ohne die volatilen Lebensmittel- und Energiepreise) gegenüber dem Vorjahr zum Jahresende 2025. Die Geldpolitik entspricht dem oberen Ende des Zielbands der Federal Reserve für den Leitzins zum Jahresende. Quelle: Vanguard.

Grossbritannien: Steigende Arbeitslosigkeit

Der britische Arbeitsmarkt kühlt weiter ab, die Zahl der Beschäftigten ging im Juli zum sechsten Mal in Folge und zum achten Mal in neun Monaten zurück. Insgesamt sind in diesem Zeitraum rund 165.000 Arbeitsplätze verloren gegangen, und auch die Zahl der offenen Stellen ist rückläufig. Die Arbeitslosenquote ist zuletzt auf 4,7% gestiegen und hat damit den höchsten Stand seit vier Jahren erreicht.

Vor dem Hintergrund des schwächeren Arbeitsmarktes und sinkender Lohninflation erwarten wir einen Rückgang der Dienstleistungsinflation, die in den letzten Monaten bei etwa 5% lag. Sowohl die Gesamt- als auch die Kerninflation dürften bis Ende 2026 auf knapp über 2% fallen. Weitere Haushaltskürzungen scheinen unvermeidlich und sind ausschlaggebend für unsere Wachstumsprognosen für das kommende Jahr, die mit rund 0,8% unter dem Konsens liegen. Die Bank of England dürfte ihr derzeitiges Tempo derweil beibehalten und die Zinsen im Quartalsrhythmus bis Ende 2025 von derzeit 4 auf 3,75% und bis Mitte 2026 auf 3,25% senken.

Wirtschaftsprognosen Grossbritannien
                                   Wachstum Arbeitslosenquote Kerninflation Geldpolitik
Jahresendprognose 1,3% 4,8% 3% 3,75%

Anmerkungen: Das BIP-Wachstum ist definiert als die Veränderung des realen (inflationsbereinigten) BIP im Prognosejahr gegenüber dem Vorjahr. Arbeitslosenquote per Dezember 2025. Die Kerninflation entspricht der prozentualen Veränderung des Preisindex der persönlichen Konsumausgaben (ohne die volatilen Preise für Lebensmittel, Energie, Alkohol und Tabak) gegenüber dem Vorjahr vom Dezember 2025. Die Geldpolitik entspricht dem Leitzins der Bank of England zum Jahresende. Quelle: Vanguard.

Euroraum: Stabiler Ausblick trotz steigender Zölle

Nach der Verabschiedung des Handelsabkommens der Europäischen Union mit den USA haben wir unsere Jahresendprognose für den effektiven Zollsatz auf EU-Warenexporte von 15 auf 17% angehoben. (Aktuell fallen auf EU-Güter Zölle in Höhe von rund 10% an.) Wesentliche Auswirkungen auf die Konjunkturaussichten des Kontinents erwarten wir wegen der moderaten Anpassung nicht.
Im zweiten Halbjahr dürften eine globale Konjunkturabkühlung und steigende politische Unsicherheit die Nachfrage belasten.

Die Inflation wird bis Ende 2026 voraussichtlich unter die 2%-Marke fallen, die Leitzinsen im Euroraum dürften bis Ende des Jahres ein weiteres Mal auf 1,75% sinken.

Wirtschaftsprognosen Euroraum
Wachstum Arbeitslosenquote Kerninflation Geldpolitik
Jahresendprognose 1,1% 6,3% 2,1% 1,75%

Anmerkungen: Das BIP-Wachstum ist definiert als die Veränderung des realen (inflationsbereinigten) BIP im Prognosejahr gegenüber dem Vorjahr. Arbeitslosenquote per Dezember 2025. Die Kerninflation entspricht der prozentualen Veränderung des harmonisierten Preisindex der persönlichen Konsumausgaben (ohne die volatilen Preise für Lebensmittel, Energie, Alkohol und Tabak) gegenüber dem Vorjahr vom Dezember 2025. Die Geldpolitik entspricht dem Zinssatz der Einlagefazilität der Europäischen Zentralbank zum Jahresende.
Quelle: Vanguard.

Japan: Voraussetzung für weitere Zinserhöhungen erfüllt

Der strukturelle Arbeitskräftemangel heizt die Lohn-Preis-Spirale auch weiterhin an – in einem Land, das zuvor lange Zeit unter Deflation gelitten hat. Die Inflation liegt weiterhin deutlich über dem Zielwert, die Lage am Arbeitsmarkt bleibt angespannt, gleichzeitig stützen Beschäftigungswachstum und steigende Einkommen die Binnennachfrage.

Nach dem im Juli unterzeichneten Zollabkommen mit den USA zeigt die Stimmung der Unternehmen Anzeichen einer Erholung. Der Inflationsdruck bleibt jedoch bestehen, auch wenn sich der jüngste Anstieg der Import- und Lebensmittelpreise als temporär erweisen dürfte. Die Bank of Japan dürfte die allmähliche Normalisierung ihrer Geldpolitik fortsetzen und ihr Zinsziel von aktuell 0,5% in Richtung neutralerer 1% anheben, sollte sich die Wirtschaft entsprechend ihrer
Prognosen entwickeln

Wirtschaftsprognosen Japan
                                   Wachstum Arbeitslosenquote Kerninflation Geldpolitik
Jahresendprognose 0,7% 2,4% 2,4% 0,75%

Anmerkungen: Das BIP-Wachstum ist definiert als die Veränderung des realen (inflationsbereinigten) BIP im Prognosejahr gegenüber dem Vorjahr. Arbeitslosenquote per Dezember 2025. Die Kerninflation entspricht der prozentualen Veränderung des Preisindex der persönlichen Konsumausgaben (ohne die volatilen Preise für frische Lebensmittel) gegenüber dem Vorjahr vom Dezember 2025. Die Geldpolitik entspricht dem Zielwert der Bank of Japan für den Tagesgeldsatz zum Jahresende. Quelle: Vanguard.

China: Steigender Deflationsdruck, sinkendes Wachstum

Wir haben unsere Jahresprognose zuletzt von 4,6 auf 4,8% angehoben, nachdem das reale Wachstum im zweiten Quartal über den Erwartungen und die Wachstumsrate im ersten Halbjahr mit 5,3% deutlich über dem offiziellen Ziel der chinesischen Regierung von „rund 5%“ lag. Ein relativ moderater Zollschock und robustes Wachstum im laufenden Jahr könnten weitere staatliche Konjunkturimpulse weniger dringlich machen. Aufgrund vorgeholter Exporte und Konsumausgaben, der anhaltenden Schwäche des Immobiliensektors und steigender globaler Unsicherheit erwarten wir in der zweiten Jahreshälfte jedoch eine Konjunkturabkühlung.

Der Deflationsdruck dürfte daher noch bis Jahresende anhalten, der Weg hin zu einer Reflation wird
wohl mühselig werden.

Wirtschaftsprognosen China
                                 Wachstum Arbeitslosenquote Kerninflation Geldpolitik
Jahresendprognose 4,8% 5,1% 0,5% 1,3%
Anmerkungen: Das BIP-Wachstum ist definiert als die Veränderung des realen (inflationsbereinigten) BIP im Prognosejahr gegenüber dem Vorjahr. Die Arbeitslosenquote entspricht dem Stand vom Dezember 2025. Die Kerninflation entspricht der prozentualen Veränderung des Verbraucherpreisindex (ohne die volatilen Lebensmittel- und Energiepreise) zum Jahresende 2025 gegenüber dem Vorjahr. Die Geldpolitik entspricht dem 7-Tages-Reverse-Repo-Satz per Jahresende. Quelle: Vanguard.

Quelle: InvestmentWorld


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